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Leeres Autocockpit mit einem graphischen Bildschirm zum automatisierten Fahren

Quelle: Fotolia / zapp2photo

Für Gesellschaft und Wirtschaft bietet die fortschreitende Digitalisierung des Straßenverkehrs enorme Chancen, die es zu nutzen gilt. Das Mobilitätsverhalten und -bedürfnis der Menschen ändert sich. Deutschland ist ein Hochtechnologieland, in dem das Automobil erfunden wurde. Zudem ist Deutschland eine der führenden Exportnationen und ein wichtiges Transitland. Moderne Mobilität ist schon immer ein Schlüssel für Wohlstand. Diesen Wohlstand auch im digitalen Zeitalter zu fördern, den Straßenverkehr sicherer, komfortabler, effizienter und umweltverträglicher zu gestalten, hat sich die Bundesregierung zur Aufgabe gemacht. Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ein wichtiger Bestandteil moderner Mobilität.

Automatisierte Fahrzeugsysteme und vernetztes Fahren

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Während Assistenzsysteme für den Fahrer immer nur Teile seiner Fahraufgabe übernehmen oder ihm, wie das ESP z. B., in besonders kritischen Situationen helfen, das Fahrzeug wieder zu stabilisieren, geht die Unterstützung beim automatisierten Fahren einen Schritt weiter. Automatisierte Fahrzeugsysteme können die Fahraufgabe in speziellen Situationen für einen begrenzten Zeitraum komplett übernehmen, also sowohl die Querführung (Lenkung) als auch die Längsführung (Geschwindigkeitsregulierung) des Fahrzeugs. Das Autobahnsystem ist ein Beispiel für ein automatisiertes Fahrsystem. Autobahnsysteme können auf Autobahnen bis zu einer bestimmten oberen Geschwindigkeitsgrenze automatisch den gewünschten Abstand zum Vorderfahrzeug einhalten, dabei gleichzeitig die Spurhaltung kontrollieren und zukünftig auch Spurwechsel voll-ziehen. Im Gegensatz zum autonomen (fahrerlosen) Fahren benötigt das automatisierte Fahrzeugsystem eine Fahrerinnen bzw. einen Fahrer.

Das vernetzte Fahren bezeichnet die Kommunikation zwischen Fahrzeugen (Vehicle-to-Vehicle, V2V) sowie zwischen Fahrzeugen und Infrastrukturen (Vehicle-to-Infrastructure, V2I). Dadurch werden Quantität und Qualität (u.a. Aktualität, Genauigkeit) der verkehrsbezogenen Informationen des einzelnen Verkehrsteilnehmers deutlich erhöht. Durch einen Informationsaustausch können z. B. die Gefahren eines Stauendes oder eines Unfalls von vorausfahrenden Fahrzeugen direkt an die Folgefahrzeuge weitergegeben werden. Die nachfolgenden Fahrerinnen und Fahrer erhalten eine Warnmeldung. Fahrzeuge im automatisierten Modus können auf Basis dieser Informationsgrundlage entsprechend reagieren.

Die Kombination von Automatisierungs- und Vernetzungsfunktionen sollen die Verkehrssicherheit und den Fahrkomfort steigern, den Verkehrsfluss effizienter gestalten und damit auch die verkehrsbedingten Emissionen senken. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) schafft die Voraussetzungen für automatisiertes und vernetztes Fahren. Das stärkt zugleich den Innovationsstandort Deutschland, der bereits heute weltweit führend bei der Entwicklung des automatisierten und vernetzten Fahrens ist. Das BMVI sorgt dafür, dass alle Kompetenzträger zusammenwirken und ebnet den Weg für gesamtgesellschaftlich tragfähige Lösungen.

Automatisiertes und vernetztes Fahren ist eine Zukunftstechnologie, mit der Mobilität eine völlig neue Dimension bekommt: Erhöhte Verkehrssicherheit, verbesserter Verkehrsfluss und eine höhere Kapazität sind nur einige der Vorteile. Unser Film widmet sich der Frage "Wie geht automatisiertes Fahren?".

Runder Tisch "Automatisiertes Fahren"

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Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, optimale Rahmenbedingungen und die erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung von Systemen des automatisierten und vernetzten Fahrens zu schaffen. Mit dem Runden Tisch "Automatisiertes Fahren" (RTAF) hat das BMVI bereits seit 2013 ein beratendes Gremium etabliert, das einen engen Austausch von Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung ermöglicht und erforderliches Know-how so bündelt, dass ein breiter gesellschaftlicher Konsens zu allen relevanten Aspekten des automatisierten und vernetzten Fahrens hergestellt werden kann. Der RTAF tagt zweimal jährlich und hat beispielsweise erarbeitet, welche Forschungsbereiche bei der Entwicklung des automatisierten Fahrens zu berücksichtigen sind.

Strategie Automatisiertes und vernetztes Fahren

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Mit der „Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren – Leitanbieter bleiben, Leitmarkt werden, Regelbetrieb einleiten“ hat die Bundesregierung im September 2015 auf Basis von Empfehlungen des Runden Tisches "Automatisiertes Fahren" Leitlinien verabschiedet, um die Wachstums- und Wohlstandschancen des automatisierten und vernetztes Fahrens zu nutzen. Potenziale dieser Technologien liegen in der Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verkehrseffizienz, der Reduzierung der verkehrsbedingten Emissionen und der Stärkung des Innovations- und Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Mit der Strategie, an deren Umsetzung Vertreter des Rundes Tischs "Automatisiertes Fahren" beteiligt sind, wurden Maßnahmen in fünf Handlungsfeldern angestoßen:

  • Infrastruktur: Der flächendeckende Ausbau einer leistungsstarken digitalen Netzinfrastruktur soll eine Echtzeit-Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit der Straßeninfrastruktur ermöglichen. Die Straßeninfrastruktur ist nach den Anforderungen der digitalen Mobilität zu gestalten.
  • Recht: Der Einsatz automatisierter und vernetzter Fahrzeuge braucht Rechtssicherheit. Dies gilt sowohl für die Nutzer als auch für die Wirtschaft. Dabei muss gelten: Die ordnungsgemäße Nutzung automatisierter und vernetzter Fahrzeuge ist keine Sorgfaltspflichtverletzung.
  • Innovation: Die Wachstums- und Wohlstandspotenziale des automatisierten und vernetzten Fahrens sollen dort gehoben werden, wo entwickelt, geforscht und produziert wird. Die Er-probung entsprechender Technologien auf Testfeldern unter realen Bedingungen sowie die Forschung an neuen Fragestellungen im Zusammenhang mit deren Einsatz sind zentrale Voraussetzungen, um die Funktionsfähigkeit und Sicherheit dieser Systeme zu gewährleisten und eine Vorreiterrolle bei der Markteinführung und -durchdringung einzunehmen.
  • Vernetzung: Die Interaktion von Fahrzeugen und Infrastruktur setzt die Erhebung, Verarbeitung und intelligente Verknüpfung von Daten voraus. Automatisiertes und vernetztes Fahren benötigt präzise Informationen beispielsweise über die Verkehrssituation, räumliche Bezüge, den Zustand der Infrastruktur und die Wetterlage.
  • Cyber-Sicherheit und Datenschutz: Die Digitalisierung der Mobilität und der damit verbundene Zuwachs an Daten stellen neue Anforderungen an die Cyber-Sicherheit von Fahr-zeugen und Infrastruktur sowie den Datenschutz. Automatisierte und vernetzte Fahrsysteme brauchen deshalb eindeutige und international geltende IT-Sicherheitsstandards und Vorgaben zum Datenschutz.

Bei der Umsetzung der Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren hat der gesellschaftliche Dialog einen besonderen Stellenwert. Die Entwicklung und Einführung von automatisierten und vernetzten Fahrfunktionen wird schrittweise erfolgen. Über viele Jahre wird der Straßenverkehr durch sogenannte Mischverkehre, d. h. von Fahrzeugen mit und ohne automatisierten und vernetzten Fahrfunktionen gekennzeichnet sein. Daher müssen Einführungsstrategien entwickelt werden, um die Potenziale der neuen Technologie gesamtgesellschaftlich am besten nutzbar zu machen. Weitere Schwerpunkte der Aktivitäten sind die Betrachtung von Chancen, Nutzen und Risiken der neuen Technologien und die Förderung des Austauschs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Zudem widmet sich eine unabhängige Ethik-Kommission mit hochrangigen Mitgliedern aus Wissenschaft, Automobilindustrie, Digitalwirtschaft und Verbänden ethischen Fragen bei der Einführung höherer Automatisierungsstufen in komplexen Verkehrssituationen.

Zur Broschüre: "Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren"

Änderung zum Straßenverkehrsgesetz (StVG)

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Das Gesetz zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes trat am 21. Juni 2017 in Kraft. Es handelt sich bei diesem Gesetz um grundlegende Regelungen zum Zusammenwirken zwischen Fahrer oder Fahrerin und einem Kraftfahrzeug mit hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen. Das Gesetz ist eine wichtige Grundlage für die Akzeptanz und die sichere Einführung automatisierter Fahrfunktionen in den Straßenverkehr.

  • Kernpunkt des Gesetzes sind die veränderten Rechte und Pflichten des/der Fahrzeugführers/in während der automatisierten Fahrphase. Unter bestimmten Voraussetzungen darf sich der/die Fahrzeugführer/in während der Fahrzeugführung mittels hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion vom Verkehrsgeschehen und der Fahrzeugführung abwenden.
  • Klar ist: ein/e Fahrzeugführer/in ist nach wie vor vorhanden – er/sie darf sich jedoch, bei Einhaltung der neuen Vorschriften, auf das Funktionieren des Systems verlassen und ist im Fall eines Systemversagens von der Haftung freigestellt.
  • In Deutschland geben wir damit sowohl den Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch der Industrie in dem Zukunftsbereich des automatisierten Fahrens die nötige Rechtssicherheit.
  • Mit dem Gesetz erhält Deutschland weltweit das innovativste Straßenverkehrsrecht.

Ethik-Kommission Automatisiertes und Vernetztes Fahren

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Am 20. Juni 2017 hat die Ethik-Kommission zum automatisierten und vernetzten Fahren ihren Bericht mit 20 ethischen Regeln an Herrn Bundesminister Dobrindt übergeben.
Herr Bundesminister Dobrindt setzte im September 2016 die unabhängige Kommission unter der Leitung des früheren Richters am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio ein. Sie erhielt den Auftrag, ethische Leitlinien für diese neue Technologie zu erarbeiten. In der Kommission wirkten hochrangige Experten aus der Wissenschaft, Gesellschaft, Automobilindustrie und Digitalwirtschaft mit. Sie ist weltweit das erste derartig besetzte Gremium, das sich mit diesen wichtigen gesellschaftsrelevanten Fragen auseinandergesetzt hat.

Zum Bericht der Ethik-Kommission

Zum Maßnahmenplan der Bundesregierung zum Bericht der Ethik-Kommission

Digitale Testfelder

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Digitale Testfelder im öffentlichen Bereich ermöglichen Wirtschaft und Forschung, Erfahrungen im Realverkehr und in Fahrsituationen unterschiedlicher Komplexität auf Autobahnen, auf Land-straßen und in Städten zu gewinnen. Für die Politik liefern die Erkenntnisse aus den Testfeldern wichtige Entscheidungsgrundlagen. Das BMVI hat gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) auf der Bundesautobahn A 9 das Digitale Testfeld Autobahn DTA eingerichtet. Wirtschaft und Forschung nutzen das DTA für Entwicklungen und Erprobungen von Technologien sowohl für das automatisierte und vernetzte Fahren als auch die intelligente Infrastruktur. Das DTA ist kein abgeschlossenes Testgelände. Die Erprobungen finden im laufenden Verkehr, als "Labor unter Realbedingungen" statt.

Um den Einsatz automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen im ländlichen und städtischen Bereich unter Einbeziehung des öffentlichen Verkehrs und des Güterverkehrs vorzubereiten, werden weitere Maßnahmen ergriffen. Das BMVI unterstützt insbesondere Aktivitäten auf Testfeldern in den Städten Berlin, Braunschweig, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Ingolstadt, München – da diese aufgrund unterschiedlicher verkehrlicher und infrastruktureller Rahmenbedingungen verschiedene Erprobungsschwerpunkte definieren. Im städtischen und ländlichen Realverkehr können Erkenntnisse zu komplexen Fahrsituationen z. B. an Ampeln, Kreuzungen, beim Zusammenwirken mit nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern erlangt werden. Auf dieser Grundlage soll das Zusammenspiel von Autobahn-, Land- und Stadtverkehr zukunftssicher ausgerichtet werden.

Um Technologien für das automatisierte und vernetzte Fahren auch grenzüberschreitend erproben zu können, richtet das BMVI gemeinsam mit Frankreich ein Digitales Testfeld "Deutschland-Frankreich" ein. Hierzu wurde im Februar 2017 eine Erklärung unterzeichnet, in der Ziele, Eckpunkte der Zusammenarbeit und der Streckenverlauf festgelegt sind. Mit der Zusammenarbeit werden die Rahmenbedingungen geschaffen, um die Potenziale dieser Technologien auch im europäischen Kontext zu erhöhen, die Interoperabilität der technischen Lösungen zu verbessern und anwendungsnahe Demonstrationen zu ermöglichen.

Weitere Information zum Digitalen Testfeld Autobahn

Internationale Zusammenarbeit

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Die Technologien für das automatisierte und vernetzte Fahren entwickeln sich rasant. Der internationale Wettbewerb verstärkt sich. Nutzerinnen und Nutzer erwarten von den neuen Technologien, dass sie sicher und auch grenzüberschreitend anwendbar sind. Daher ist es notwendig, auf internationaler und europäischer Ebene entsprechende Standards zu schaffen. Hierfür engagiert sich Deutschland bei der UNECE, den G7 und auf europäischer Ebene.

In Arbeitsgruppen der UN-Wirtschaftskommission für Europa (United Nations Economic Commission for EuropeUNECE) ist das BMVI an der Weiterentwicklung des Wiener Überein-kommens über den Straßenverkehr beteiligt. Das Wiener Übereinkommen (auch Wiener Straßenverkehrskonvention) ist ein internationaler Vertrag, der durch Standardisierung der Verkehrsregeln den Straßenverkehr sicherer machen soll. Mit der Weiterentwicklung des Übereinkommens soll zukünftig der Einsatz autonomer Fahrsysteme ermöglicht werden. Darüber hinaus werden in den UNECE-Arbeitsgruppen Regelungen zur IT-Sicherheit und Datenschutz sowie weitere technische Vorschriften erarbeitet.

Die G7-Verkehrsminister haben auf Initiative Deutschlands die Entwicklung des automatisierten und vernetzten Fahrens zu einem wesentlichen Schwerpunkt ihrer Zusammenarbeit erklärt. Die Staaten Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien, USA und Deutschland wirken insbesondere bei den Themen internationale Standardisierung, gesellschaftliche Akzeptanz, Daten-schutz und Cybersicherheit, Forschung und Erprobung sowie grenzübergreifende Interoperabilität zusammen.

Auch auf europäischer Ebene beteiligt sich Deutschland aktiv an den Initiativen der Generaldirektionen für Mobilität und Verkehr (DG MOVE), für Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien (DG CONNECT) und für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum sowie kleine und mittlere Unternehmen (DG GROWTH). Wesentliche Themen sind hier die Einführung des vernetzten Fahrens in Europa, der grenzübergreifende Einsatz der neuen Technologien, die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Automobil- und IKT-Branche sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie.

Die Amsterdamer Erklärung der EU-Ratspräsidentschaft der Niederlande von 2016 formuliert Eckpunkte für ein gemeinsames Vorgehen in Europa zur Entwicklung des AVF. Darauf aufbau-end wurde ein Hochrangiger Dialog ("High Level Structured Dialogue") auf mitgliedstaatlicher Ebene eingerichtet. Das regelmäßig stattfindende Forum, unter rotierendem Vorsitz der Mitgliedstaaten, soll die verschiedenen Diskussionsstränge in der EU zusammenführen. Die konstituierende Sitzung fand am Februar 2017 unter Leitung der Niederlande statt. Deutschland unterstützt die Ausgestaltung des Forums aktiv und wird dessen zweite Sitzung Ende 2017 ausrichten. Neben der institutionellen Zusammenarbeit pflegt das BMVI zahlreiche bilaterale Kontakte.