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Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in Deutschland seit 1901
Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in Deutschland seit 1901

Quelle: DWD

Das Wissen über das Klima und seiner spezifischen Ausprägung hat stets das Leben der Menschen geprägt. Seien es Kleidung, Bauvorschriften, Trinkwasserversorgung oder in neuerer Zeit die Lage von Flugplätzen: Stets flossen Informationen über das Klima und dessen Wirkung in die jeweiligen Planungen mit ein. Da es eine allgemein akzeptierte Tatsache ist, dass sich das Klima der Zukunft zum Teil deutlich vom Klima der Vergangenheit unterscheiden wird, sind für eine bestmögliche Planung sowohl Informationen über das Klima zurückliegender Zeiträume und über dessen zukünftige Entwicklung notwendig.

Klimaüberwachung

Als Klima bezeichnet man den Zustand klimarelevanter Parameter über einen ausreichend langen Zeitraum an einem bestimmten Ort. Bei den meteorologischen Klimavariablen hat man sich im Rahmen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, darauf geeinigt, Beobachtungsreihen von mindestens 30 Jahren Dauer zur Basis von Klimastatistiken zu machen. In Deutschland ist der Deutsche Wetterdienst (DWD) per Gesetz für die Überwachung der Atmosphäre und insbesondere der Analyse ihrer meteorologischen Eigenschaften verantwortlich. Der DWD ist mit seinen umfangreichen Datenarchiven die nationale Referenz für Wetter und Klima. Die Klimaaufzeichnung reicht an vielen Beobachtungsstationen des DWD über 100 Jahre, an einigen Stationen sogar über 200 Jahre zurück. Mit seinen Klimamodellen kann der DWD, unter der Voraussetzung bekannter Szenarien für anthropogene Treibhausgasemissionen, das zukünftige Klima bis zum Ende dieses Jahrhunderts simulieren und beschreiben.

Das Klima der Erde wird jedoch nicht alleine durch den Zustand der Atmosphäre bestimmt. Atmosphäre, Landoberflächen und Ozeane sind über eine Vielzahl von Prozessen miteinander gekoppelt und bestimmen gemeinsam, wie sich das Klima entwickelt. Um die Gesamtheit des Klimasystems besser erfassen zu können, wurde 1992 das globale Klimabeobachtungssystem (Global Climate Observing System, GCOS, www.gcos.de) ins Leben gerufen. Auch hierzu liefert Deutschland und insbesondere das BMVI über den DWD eine Vielzahl an Beiträgen, die durch den DWD koordiniert werden und kürzlich in einer Übersicht (www.gcos.de/inventarbericht) zusammengestellt wurden.

Von unschätzbarem Wert: Das Klimaarchiv des Deutschen Wetterdienstes

Jahresmitteltemperatur auf dem Hohenpeißenberg
Jahresmitteltemperatur auf dem Hohenpeißenberg seit 1781 (älteste Bergwetterstation der Welt)

Quelle: DWD

Damit Veränderungen im Verhalten des Klimas rechtzeitig erkannt, die Ursachen erforscht und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen werden können, ist es entscheidend, die Beobachtung der wichtigsten Klimavariablen (Essential Climate Variables, ECVs) lückenlos, d. h. über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg, mit höchster Genauigkeit und frei von nicht-klimatischen Einflüssen fortzusetzen. Diese auf Beobachtungen aufbauende Klimaüberwachung findet nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern und Regionen der Erde statt.

Für die Klimaüberwachung werden die Daten von Beobachtungsstationen auf Land, auf Schiffen, Bojen und Ozeanplattformen seit vielen Jahrzehnten, in Einzelfällen auch seit mehr als zwei Jahrhunderten, verwendet. Seit etwa Mitte der 1970er Jahre werden diese In-situ-Beobachtungen durch Daten überwiegend bodengestützter Fernerkundungssysteme (z. B. Wetterradar) und durch Wettersatelliten ergänzt.