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Edertalsperre in Norhessen

Quelle: Fotolia / ASonne30

Wasser ist neben der Luft unsere wichtigste Ressource. Messen, bewerten und bewirtschaften ist eine Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource. Die moderne Hydrologie und Wasserwirtschaft von heute hat in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung für die Bevölkerung, Ökonomie und Ökologie.

Mit der Bewirtschaftung der großen Flüsse und Kanäle als Bundeswasserstraßen übernimmt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung umfangreiche Aufgaben der Hydrologie in Deutschland. Seine Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) betreibt dazu mit Unterstützung der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit fast 2.000 Messstellen das größte hydrologische Messnetz in Deutschland. Vorhersagesysteme helfen der Schifffahrt, die Wasserwege optimal zu nutzen. Bürgerinnen und Bürger können heute über das Internet die Wasserstandsentwicklung der schiffbaren Gewässer direkt mitverfolgen.

Der Behördenverbund im Verkehrsbereich arbeitet dabei eng mit den weiteren Akteuren an den Gewässern bei Bund, Ländern und Kommunen sowie Verbänden und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Damit werden Synergien für andere wichtige Arbeitsgebiete wie Hochwasserschutz, Küstenschutz, Energiegewinnung, Wasserqualität und Naturschutz erzeugt. Über Gremien wie die Internationalen Flussgebietskommissionen und Europäische Institutionen besteht eine intensive Zusammenarbeit auch mit unseren Nachbarstaaten.

200 Jahre Hydrologie in Deutschland

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Da die Hydrologie einen wichtigen Baustein der Daseinsfürsorge mit Bezug zu vielen gesellschaftlichen Handlungsfeldern, u.a. dem Hochwasserschutz, darstellt, hat das BMVBS am 2./3. November 2010 in Berlin das 200-jährige Bestehen der Hydrologie in Deutschland mit einer internationalen Fachveranstaltung "200 Jahre Hydrologie in Deutschland" gewürdigt und dazu ein Buch über die Aufgaben der Hydrologie herausgegeben und einen Kurzfilm veröffentlicht.

Gewässerkundliche Informationssysteme des BMVI

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Das hydrologische Messnetz der WSV und damit verbundene gewässerkundliche Informationssysteme (PEGELONLINE und ELWIS) liefern bundesweit einheitliche Darstellungen von aktuellen Wasserständen, Abflüssen und Vorhersagen. Sie dienen vorrangig dem Betrieb und der Unterhaltung der Bundeswasserstraßen, erfahren aber insbesondere bei extremen Abflusssituationen ein sehr großes und zunehmendes Interesse in der Öffentlichkeit.


PEGELONLINE

PEGELONLINE stellt kostenfrei aktuelle Messwerte des Wasserstands aber auch anderer gewässerkundlicher Parameter der Binnen- und Küstenpegel der Wasserstraßen des Bundes zur Ansicht und zum Download bereit. Die Ansichten ermöglichen den gesamten Überblick über das Hochwassergeschehen in Deutschland. Aber auch die genaue Darstellung der aktuellen Ganglinie einzelner Pegel ist möglich.  Die Downloadmöglichkeit wird unter anderem von den Bundesländern zur Durchführung des Hochwassermeldedienstes genutzt.

Weiterhin stehen eine Reihe von Webservices bereit, mit denen die aktuellen Ganglinien und Messwerte in eigene Applikationen übernommen werden können. PEGELONLINE stellt ebenfalls Daten für das Portal www.hochwasserzentralen.de, das zu den einzelnen Hochwasserinformationsseiten der Bundesländer führt, zur Verfügung. Die enge fachliche Verknüpfung zwischen den Fachbehörden des BMVI und den Ländern findet seinen Ausdruck im Betrieb gemeinsamer Hochwasser-Vorhersagezentralen sowie Hochwassernachrichtendiensten an den großen Flüssen in Deutschland. Darüber hinaus stellt die Bundesanstalt für Gewässerkunde aktuellste Vorhersagesysteme und  -modelle für die Vorhersagezentralen bereit. Über Vereinbarungen mit den Ländern ist die WSV auch in die Abstimmung der Steuerung von Hochwasser-Rückhaltemaßnahmen (z.B. am Oberrhein) eingebunden.

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

Für die deutsche Nordsee- und Ostseeküste einschließlich der Ästuare betreibt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) einen Wasserstandsvorhersage- und Sturmflutwarndienst.

Zur Unterstützung von Schifffahrt, Verkehrszentralen, Hafenämter und vielen weiteren Nutzern gibt der Vorhersagedienst des BSH viermal täglich Wasserstandsvorhersagen für die kommenden Hoch- und Niedrigwasser an der deutschen Nordseeküste und zweimal täglich Wasserstandvorhersagen für die deutsche Ostseeküste heraus. Sie werden morgens und abends im Rundfunk verbreitet und u.a. im Internet unter www.bsh.de veröffentlicht. Sobald eisbedingte Schifffahrtsbehinderungen im Nord- oder Ostseeraum auftreten, informiert zudem der Eisnachrichtendienst des BSH über die Eisverhältnisse und durch Eis verursachte Behinderungen und Beschränkungen der Schifffahrt an den deutschen Küsten und in ausländischen Gewässern. Verschiedene Eisberichte, die die Eislage beschreiben und kurz- bis mittelfristige Prognosen enthalten. sowie Eiskarten werden ebenfalls über das Internet unter www.bsh.de bereitgestellt.

ELWIS

ELWIS bietet für die Schifffahrt zusätzlich neben der Bekanntgabe und Vorhersage von Wasserständen für die Über- oder Unterschreitung kritischer schiffbarer Wasserstände auch weitere aktuellste Informationen zur Schiffbarkeit der Bundeswasserstraßen. Dies beinhaltet neuerdings auch Berichte über die Eislage und den Einsatz von Eisbrechern an den Bundeswasserstraßen (aktuell z.B. an der Oder). Jeder ELWIS-Nutzer kann die automatische Übersendung von Informationen als E-Mail oder SMS (z.B. bei Überschreiten bestimmter Wasserstände) einrichten.
 

Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ist als wissenschaftliches Institut im Rang einer Bundesoberbehörde des BMVI für die Bundeswasserstraßen zuständig. Sie ist das wissenschaftliche Institut des Bundes für wasserbezogene Forschung, Begutachtung und Beratung insbesondere in den Bereichen Hydrologie, Gewässernutzung, Gewässerbeschaffenheit, Ökologie und Gewässerschutz.

Im hydrologischen Messnetz der WSV werden seit vielen Jahrzehnten aktuell die Wasserstände und die Ab- bzw. Durchflüsse an den großen deutschen Flüssen gemessen. Die BfG nutzt die Messungen für hydrologische Zustandsanalysen, zum Aufbau von Wasserstandsvorhersagemodellen und zu langfristigen Projektionen zukünftiger Abflussentwicklungen. Dies ist insbesondere für Wasserstandsvorhersagen in Hochwassersituationen und bei der Beurteilung der Folgen des Klimawandels von großer Bedeutung (siehe: www.kliwas.de). International unterstützt die BfG u.a. die Aktivitäten zum Thema Hochwasser im Kontext der EU-Initiative EFAS (https://www.efas.eu).

Die "Echtzeitdaten" relevanter Pegel in Europa werden über das "Weltdatenzentrum Abfluss" (GRDC) in der BfG zusammengeführt, geprüft und technisch standardisiert an das Joint Research Center (JRC) zur weiteren Nutzung weitergeleitet. Das GRDC ist ein Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zum Weltklimaprogramm Wasser (WCP-Water) der WMO und UNESCO. Darüber hinaus stellt der im GRDC gepflegte, weltweite Bestand an Abflussdaten einen besonders wertvollen Datenpool im Rahmen der Forschung zum Klimawandel dar.