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eCall

Quelle: Fotolia / stockWERK

Die Bundesregierung unterstützt die europaweite Einführung des automatischen Notrufsystems, den so genannten eCall, der wesentlich dazu beitragen soll, Rettungseinsätze in Zukunft zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.

Eine einheitliche europäische Lösung ist auch für Deutschland als wichtigstem Transitland von Interesse, da schneller und effizienter als bisher Hilfe geleistet werden kann.

Was ist eCall?

eCall (emergency call oder automatischer Notruf) ist ein System, mit dem im Falle eines Autounfalls automatisch durch den auslösenden Airbagsensor und über das Mobilfunknetz die örtlich zuständige Notrufabfragestelle informiert wird. Dabei wird ein sogenannter Minimaldatensatz übertragen, der u.a. die Positionsdaten des Unfallfahrzeugs enthält. Weiterhin wird eine Sprechverbindung zwischen dem Fahrzeug und der Notrufabfragestelle aufgebaut. Notwendige Rettungsmaßnahmen können so sehr viel schneller eingeleitet werden als wenn die Rettungskräfte auf herkömmlichem Wege alarmiert werden. Aber auch wenn zum Beispiel aufgrund von Verletzungen der Fahrzeuginsassen keine Sprechverbindung zustande kommt, kann zukünftig die Notrufabfragestelle eine sofortige Hilfeleistung veranlassen.

Wie werden die Daten übertragen?

Datenübertragung bei eCall
Datenübertragung bei eCall

Quelle: ERTICO

Für den eCall wird die europaweite Notrufnummer 112 genutzt. Die Positionsdaten werden mit Hilfe des Satellitennavigationssystems GNSS (Global Navigation Satellite System) ermittelt. So ist die schnelle Feststellung des Unfallortes gewährleistet. Sodann kann mit einem Mitarbeiter der Notrufabfragestelle telefoniert werden.

Ein länderübergreifender Praxistest hat ergeben, dass in 90 Prozent aller Fälle eine Verbindung zur Notrufzentrale innerhalb von 25 Sekunden hergestellt wurde, in 97 Prozent innerhalb von 45 Sekunden.

Voraussetzungen für einen automatischen Notruf

Die Absichtserklärung zur Einführung des interoperablen In-vehicle eCall ("Memorandum of Understanding"), die bereits im Mai 2004 im Rahmen der eSafety Initiative der Europäischen Kommission vorgelegt wurde, richtet sich unter anderem an die Automobilindustrie, Mobilfunkunternehmen, Automobilclubs, Versicherungen und die Mitgliedstaaten. Sie ist inzwischen von Deutschland, Österreich, Finnland, Schweden, Slowenien, Litauen, Italien, Griechenland, Zypern, Tschechische Republik, Estland, Spanien, Niederlande, Portugal, Slowakische Republik, Rumänien, Malta, Luxemburg, Belgien, Dänemark, Ungarn, Lettland, der Schweiz, Norwegen, Island, Kroatien, Bulgarien, Irland, der Türkei und den europäischen Automobilunternehmen unterzeichnet worden.

eCall soll nun durch drei Maßnahmen eingeführt werden. Erste Maßnahme ist die Verabschiedung der Empfehlung der Kommission vom 8. September 2011 zur Unterstützung eines EU-weiten eCall-Dienstes in elektronischen Kommunikationsnetzen für die Übertragung bordseitig ausgelöster 112-Notrufe ("eCalls"). Diese Empfehlung betrifft die Übertragung der eCall-Notrufe an die Notrufabfragestellen. Weitere Maßnahmen wurden für die Ausstattung der Kraftfahrzeuge und die Ausstattung der Notrufabfragestellen getroffen. Hinsichtlich der Ausstattung der Notrufabfragestellen hat die Europäische Kommission eine delegierte Verordnung zur Ergänzung der Richtlinie 2010/40/EU des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die harmonisierte Bereitstellung eines interoperablen EU-weiten eCall-Dienstes erlassen. Diese delegierte Verordnung stellt den die Infrastruktur der Notrufabfragestellen betreffenden Teil der eCall-Strategie der Europäischen Kommission dar. Entsprechend eines Beschlusses der Europäischen Parlaments vom 15.04.2014 ist die Ausrüstung der Notrufabfragestellen entsprechend dieser Verordnung bis spätestens 01.10.2017 verbindlich europaweit durchzuführen. Für die Ausstattung der Fahrzeuge hat die Europäische Kommission den Entwurf einer Typgenehmigungsverordnung erarbeitet, über den zurzeit in Brüssel verhandelt wird.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Bisher wurde ein automatischer "Hilferuf" von einigen Herstellern als privater Dienst in den Fahrzeugen der Premiumklasse als Sonderausstattung angeboten. Diese stehen natürlich auch weiterhin zur Verfügung und werden angeboten. Für die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen und eine angemessene Verbraucherinformation sind in diesem Falle die Hersteller verantwortlich.

Durch den Erlass von entsprechenden Regelungen hat die Europäische Kommission nun aber auch wesentliche Voraussetzungen für den verpflichtenden Einbau eines bordeigenen Systems zur Versendung von eCalls in allen neu typgenehmigten Fahrzeugen ab 31.03.2018 geschaffen. Darüber hinaus wurden Vorschriften für die Ausrüstung der Notrufabfragestellen zur Entgegennahme und Verarbeitung von automatischen Notrufen über die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 erlassen. Damit soll ein europaweit einheitliches Notrufsystem möglich werden. Vorkehrungen für die Gewährleistung des Datenschutzes sind in den zuvor genannten Verordnungen ebenfalls geregelt.