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GALILEO Satelliten
Trennung zweier GALILEO Satelliten von der Fregat Oberstufe beim Erreichen der vorgesehenen Umlaufbahn

Quelle: ESA / Pierre Carril

Mit GALILEO verschafft sich Europa unabhängigen Zugang zur Schlüsseltechnologie Satellitennavigation.

Bereits heute sind die satellitengestützten Anwendungen fester Bestandteil des täglichen Lebens: zum Beispiel bei der Nutzung von Car Sharing-Modellen im urbanen Raum, der Nachverfolgung von Lieferungen, bei Rettungseinsätzen und Krisenlagen oder zur Steigerung der Effizienz in der Landwirtschaft.

Die Wertschöpfungspotenziale damit verbundener Innovationen bieten enorme Wachstums- und Wohlstandschancen für Deutschland und Europa.

Mit dem GALILEO - Public Regulated Service (Public Regulated Service), einem der Navigationsdienste des Systems, bietet GALILEO zudem erstmals ein besonders geschütztes, verschlüsseltes Navigationssignal für die zivile Nutzung.

Der aktuelle Entwicklungsstatus der GALILEO-Konstellation

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Im Dezember 2016 ist das GALILEO System mit der Erklärung sog. ‚erster Dienste‘ in die operationelle Phase eingetreten. Seither können Nutzer Signale von GALILEO Satelliten im All verwenden.

Verfügbar sind zunächst der offene Dienst (Open Service, OS), der Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue, SAR) sowie der öffentlich-regulierte Dienst (Public Regulated Service, PRS).

Grundlage dieses Schrittes ist der kontinuierlich voranschreitende Aufbau des GALILEO Systems mit insgesamt sechs gelungenen Starts seit 2015 vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana.

Teil dieser Erfolgsserie waren unter anderem zwei Starts mit der europäischen Trägerrakete Ariane 5 im November 2016 und zuletzt im Dezember 2017 – nie zuvor waren jeweils vier Navigationssatelliten zeitgleich ins All verbracht worden.

Die Anzahl der sich im All befindlichen Satelliten beträgt nunmehr 22.
Der nächste Start ist für Mitte 2018 vorgesehen.

Der vollständige Ausbau von GALILEO in der Vollkonstellation mit bis zu 30 Satelliten ist bis 2020 geplant. In der Konstellation von 26 Satelliten ab Mitte 2018 werden die GALILEO Dienste aber schon vorher bereits uneingeschränkt nutzbar sein.

Die Dienste des GALILEO Programms

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GALILEO bietet unterschiedliche Dienste für verschiedene Anwendungsbereiche:

  • Der offene Dienst (Open Service, OS) ist für Anwendungen aller Art frei und kostenlos verfügbar.
  • Über den Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue, SAR) können in Notlagen Hilferufe abgegeben werden. In der GALILEO Vollkonstellation wird der Empfang des Notrufs über ein Rücksignal bestätigt werden: „Hilfe ist unterwegs“.
  • Mit dem öffentlich-regulierten Dienst (Public Regulated Service, PRS) wird erstmals ein besonders geschütztes, verschlüsseltes Navigationssignal für autorisierte zivile Nutzer verfügbar.
  • Zukünftig wird schließlich der kommerzielle Dienst (Commercial Service, CS) professionellen Nutzern, die auf hochpräzise, authentifizierte Positionsbestimmung angewiesen sind, gegen Gebühr zur Verfügung stehen.

Finanzierung

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Der Systemaufbau von Galileo wird ausschließlich aus dem Haushalt der Europäischen Union finanziert. Für den Zeitraum 2014 - 2020 sieht der Mehrjährige Finanzrahmen der Union für Galileo EUR 6,3 Milliarden zu Preisen von 2011 vor. Daneben stehen Gelder aus dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon 2020 zur Verfügung.

Deutschland im All – Die wirtschaftliche Bedeutung GALILEOs für die Bundesrepublik

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GALILEO ermöglicht Europa und Deutschland den direkten und fairen Zugang zum Wachstumsmarkt Satellitennavigation. Weltweit wird dieser auf EUR 175 Milliarden geschätzt (Quelle: GSA Market Report, Issue IV).
Bis 2020 wird ein Anstieg der GNSS-fähigen Produkte (Global Navigation Satellite System) von heute rund 5 Milliarden in 2017 auf 8 Milliarden weltweit erwartet – jeder Mensch auf der Erde wird dann im Schnitt also ein Gerät besitzen, das Satellitennavigation verwendet.

Darüber hinaus ist die deutsche Raumfahrtindustrie umfassend an Aufbau und Betrieb des Systems beteiligt. Alle bisher beauftragten Satelliten wurden in Deutschland von Astrium Deutschland (heute: Airbus Defence & Space; 4 Satelliten) sowie der OHB System AG (22 Satelliten) gebaut. In Oberpfaffenhofen befindet sich der Standort eines von zwei Bodenkontrollzentren zur Steuerung des Betriebs von GALILEO.

Um das Wertschöpfungspotential satellitengestützter Innovationen gezielt zu stimulieren sowie die deutsche Wirtschaft bei der erfolgreichen Positionierung im Zukunftsmarkt für GNSS-Anwendungen und Dienste zu unterstützen, setzt das BMVI ein Bündel an flankierenden, zielgerichteten Maßnahmen um: zum Beispiel die BMVI Navigationskonferenz, das Bühnenmagazin ‚intelligente Welt‘, das nationale Programm zur Förderung von GALILEO PRS oder den BMVI PRS-Spezialpreis.

EGNOS – das regionale Ergänzungssystem

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EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) ist Europas regionales Ergänzungssystem für satellitengestützte Positionsbestimmung. Über ein Netz an Bodenstationen und geostationären Satelliten steigert es die Genauigkeit offener Signale globaler Satellitennavigationssysteme auf 1 bis 2 Meter.

Darüber hinaus bietet es mit dem sog. Safety-of-Life Dienst eine Integritätsmeldung. Sobald die Positionsgenauigkeit der Signale nicht mehr in vorgegebenen Grenzen liegt, erhält der/die Nutzer/in eine Warnmeldung. Hierdurch wird der weitergehende Einsatz von satellitengestützter Navigation auch in sicherheitskritischen Anwendungen, beispielsweise im Luftverkehr, ermöglicht.

EGNOS ist bereits seit 2009, der Safety-of-Life Dienst seit 2011 verfügbar. Bereits heute ist an nahezu 200 Flugplätzen in Europa ein EGNOS-gestütztes Anflugverfahren eingerichtet, unter anderem am Großflughafen Paris-Charles-de-Gaulle. Durch die zukünftige Einbindung des offenen Signals von GALILEO wird die Qualität von EGNOS in Zukunft weiter erhöht werden.