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Hochgeschwindigkeitszug
Hochgeschwindigkeitszug

Quelle: Fotolia / matteo avanzi

Ein wichtiger Baustein der Erarbeitung des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030 ist die Aktualisierung und methodische Weiterentwicklung des Bewertungsverfahrens. Mit Hilfe des Bewertungsverfahrens werden die Wirkungen von Verkehrsinfrastrukturvorhaben ermittelt und bewertet, um auf dieser Grundlage über die Aufnahme in den BVWP 2030 und ggf. die Dringlichkeitseinstufung innerhalb des BVWP 2030 zu entscheiden. Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem BVWP 2003 und der letzten Bedarfsplanüberprüfung wurde das Bewertungsverfahren auf Grundlage mehrerer Forschungsprojekte überprüft und weiterentwickelt. Der Entwurf des Bewertungsverfahrens setzt sich aus den folgenden vier Bewertungsmodulen zusammen:

  • Bewertungsmodul A: Nutzen-Kosten-Analyse
  • Bewertungsmodul B: Umwelt- und naturschutzfachliche Beurteilung
  • Bewertungsmodul C: Raumordnerische Beurteilung
  • Bewertungsmodul D: Städtebauliche Beurteilung

Die monetarisierbaren Wirkungseffekte sind in der Nutzen-Kosten-Analyse (NKA) erfasst (Modul A). Sie liefert im Ergebnis einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Indikator, welcher die Rentabilität der eingesetzten Finanzmittel widerspiegelt. Die NKA umfasst Nutzenwirkungen wie Transportkostensenkungen und Verkehrssicherheitseffekte; auch Umweltindikatoren (z. B. Lärm und CO2) und Erreichbarkeitsindikatoren (Reisezeitgewinne) sind bereits enthalten. Dennoch verbleiben Wirkungsbereiche, die nicht vollständig über die NKA abbildbar sind. Dazu zählen weitere Umweltwirkungen wie z.B. Flächeninanspruchnahme oder Zerschneidungswirkungen.

Die nicht-monetarisierbaren umweltbezogenen Indikatoren werden in der Umwelt- und Naturschutzfachlichen Beurteilung (Modul B) abgebildet.

Als drittes Bewertungsmodul umfasst die Raumordnerische Beurteilung (Modul C) die nichtmonetarisierbaren Anbindungs- und Erreichbarkeitsqualitäten. Dabei werden einerseits die Mängel der Verbindungsqualitäten zwischen Oberzentren und Metropolkernen gemessen. Andererseits wird die Erreichbarkeit von Regionen in Bezug auf die nächstgelegene Infrastruktur (z.B. Autobahnanschluss, Flughafen, Fernverkehrsbahnhof etc.) untersucht. Im Gegensatz zur NKA, welche die gesamtwirtschaftliche netzweite Summe der Erreichbarkeitsverbesserung in Form von Reisezeitgewinnen erfasst (allokative Effekte), berücksichtigt die
Raumordnerische Beurteilung verteilungstheoretische Aspekte wie die Frage von Mindest-Erreichbarkeiten von Regionen (distributive Effekte).

Das vierte Modul bildet die Städtebauliche Beurteilung (Modul D) von Verkehrsinfrastrukturprojekten. Darin wird das Ziel abgebildet, dass insbesondere Straßenprojekte bebaute Bereiche entlasten sollen, um die Wohn- und Arbeitsqualität zu verbessern. Darunter fallen beispielsweise neue Raumnutzungsmöglichkeiten an Ortsdurchfahrten (z.B. Aufenthaltsflächen wie Plätze) oder Sanierungseffekte (z.B. Erneuerung anliegender Bebauung) durch Entlastung von Ortskernen von hohem Verkehrsaufkommen.

Am 15.10.2013 fand zum Modul A (Nutzen-Kosten-Analyse) eine Expertenkreissitzung statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dort mit den Gutachtern dieses FE-Projektes und dem BMVI erste Zwischenergebnisse diskutiert. Am 07.04.2014 fand zu allen vier Bewertungsmodulen ein Konsultationsgespräch für Verbände statt.

Informationen zu den bereits abgeschlossenen und zum Teil laufenden Forschungsvorhaben finden Sie im Folgenden:

FE-Projekte zum Modul A (Nutzen-Kosten-Analyse)

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Übergeordnetes FE-Projekt zum Modul A: Grundsätzliche Überprüfung NKA: Grundsätzliche Überprüfung und Weiterentwicklung der Nutzen-Kosten-Analyse im Bewertungsverfahren der Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Die Nutzen-Kosten-Analyse ist das bedeutendste Element im BVWP-Bewertungsverfahren. Im FE-Vorhaben soll - neben der Würdigung des Gesamtkonzeptes - jede Komponente auf die fachliche Notwendigkeit hin geprüft werden. Dabei sind der Aufwand für die Ermittlung sowie der zu erwartende Beitrag zum Gesamtergebnis darzustellen. Die Berechnungsmethodik und der Monetarisierungsansatz sollen an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst werden. Das Forschungsvorhaben bildet die inhaltliche Klammer über alle anderen Forschungsprojekte hinweg und führt die Teilergebnisse der anderen Forschungsprojekte zu einem konsistenten Gesamtverfahren zusammen.

FE-Projekt Analyse der verkehrsprognostischen Instrumente

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde das aktuelle Prognoseverfahren für die Bundesverkehrswegeplanung einer kritischen Bestandsaufnahme unterzogen. Die bislang verwendete, stufenweise und modulare Methodik wird insgesamt als adäquat angesehen. Gravierender als einzelne methodische Defizite erscheinen die aufgetretenen Abstimmungsschwierigkeiten und Inkonsistenzen zwischen den einzelnen Prognosestufen. Als wichtigster Kritikpunkt am bisherigen Verfahren wurde die mangelnde Transparenz festgehalten.

FE-Projekt Investitionskostenplausibilisierung und Umweltbewertung: Entwicklung eines kombinierten Verfahrens zur Abschätzung von Investitionskosten und zur Bewertung umwelt- und naturschutzfachlicher Wirkungen von Verkehrsinfrastrukturvorhaben in der Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Bei den meisten Verkehrsinfrastrukturprojekten liegen die Ist-Kosten deutlich über den ursprünglich geschätzten Kosten. Das Forschungsprojekt soll die Zuverlässigkeit von Kostenschätzungen steigern, in dem ein Verfahren zur Plausibilisierung von Investitionskosten neuer Projekte entwickelt wurde. Dabei wurde auch der Einfluss der Umweltbegebenheiten auf die Trassierung berücksichtigt.

FE-ProjektZeitkosten Personenverkehr: Ermittlung von Bewertungsansätzen für Reisezeiten und Zuverlässigkeit auf Basis der Schätzung eines Modells für modale Verlagerungen im nicht-gewerblichen und gewerblichen Personenverkehr für die Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Weitestgehend abgeschlossen – Entwurf Endbericht verfügbar (siehe Anlagen)

Kurzbeschreibung des Projekts:

Die bisher verwandten Zeitkostensätze im Personenverkehr wurden in den letzten 20 Jahren lediglich fortgeschrieben, aber nicht grundsätzlich überprüft. Da Reisezeiteinsparungen die mit Abstand wichtigste Nutzenkomponente im Bewertungsverfahren darstellen, ist eine Aktualisierung dringend angezeigt. Im Forschungsprojekt werden die Modelle und Kostensätze für Reisezeitgewinne (und evtl. Zuverlässigkeit) und die dadurch induzierten modalen Verlagerungen im Personenverkehr erneuert. Dafür wird eine repräsentative Befragung zu Zahlungsbereitschaften für Zeit- und Zuverlässigkeitsgewinne durchgeführt.

FE-ProjektZeitkosten Güterverkehr Entwicklung eines Modells zur Berechnung von modalen Verlagerungen im Güterverkehr für die Ableitung konsistenter Bewertungsansätze für die Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Weitestgehend abgeschlossen – Entwurf Endbericht verfügbar (siehe Anlagen)

Kurzbeschreibung des Projekts:

Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Nutzen-Kosten-Analyse kommt dem entstehenden Nutzen aus Transportkostensenkungen im Güterverkehr zu. Diese Nutzen resultieren insbesondere aus Zeitgewinnen beim Transportvorgang (v.a.vor allem bei Straße und Schiene), aus Verlagerungswirkungen (v.a. bei Schiene, aber auch bei Wasserstraße), aus Effizienzgewinnen im gesamten Transportvorgang (z. B. beim Umschlag, Reduzierung von Leerfahrten) sowie bei der Wasserstraße aus der maßnahmebedingten Zunahme der Abladetiefen und der Lichtraumprofile. Analog zum Personenverkehr müssen auch die Zeitbewertungen des Güterverkehrs in der Nutzen-Kosten-Analyse sowie in den Modellen für modale Verlagerungen überprüft werden. Dafür wird eine umfangreiche Befragung zu Zahlungsbereitschaften für Zeit- und Zuverlässigkeitsgewinne bei Verladern und Spediteuren für alle drei Verkehrsträger durchgeführt.

FE-Projekt Vorstudie Zuverlässigkeit: Erfassung des Indikators "Zuverlässigkeit des Verkehrsablaufs" im Bewertungsverfahren der Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr kann die Zuverlässigkeit von geplanten Ankunftszeiten eine höhere Bedeutung haben als die reine Fahrzeitverkürzung. Die Machbarkeitsstudie prüft, inwieweit die Zuverlässigkeit des Verkehrsablaufs zukünftig als ein Bewertungskriterium in den BVWP integriert werden kann. Im Projekt wird auf Basis von Literaturanalysen und Expertenbefragungen eine Definition für den Begriff der Zuverlässigkeit für die Verkehrsträger Straße, Schiene bzw. Wasserstraße und eine Implementierungsstrategie abgeleitet.

FE-Projekt Ermittlung des Zusammenhangs von Infrastruktur und Zuverlässigkeit des Verkehrsablaufs für den Verkehrsträger Straße

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Auf Basis der Vorstudie wird eine anwendbare Methodik zur Ermittlung der Zuverlässigkeitseffekte von Infrastruktur für den Verkehrsträger Straße entwickelt. Grundlage bilden Simulationen sowie empirische Daten zu Reisezeitverlusten im Bundesfernstraßennetz. Das FE-Projekt ermittelt daraus eine Funktion zur Vorhersage der Zuverlässigkeit (gemessen in Standardabweichung der Verlustzeiten) in Abhängigkeit des Auslastungsrades.

FE-Projekt Ermittlung des Einflusses der Infrastruktur auf die Zuverlässigkeit des Verkehrsablaufs für den Verkehrsträger Schiene

Status des Projekts:

Weitestgehend abgeschlossen – Endbericht wird erarbeitet (siehe Anlagen)

Kurzbeschreibung des Projekts:

Auf Basis der Vorstudie wird eine anwendbare Methodik zur Ermittlung der Zuverlässigkeitseffekte von Infrastruktur für den Verkehrsträger Schiene entwickelt. Grundlage bilden Simulationen sowie empirische Daten zu Verspätungen im Bundeseisenbahnnetz. Im FE-Projektsoll ein funktionaler Zusammenhang zwischen der Infrastrukturausstattung, dem Auslastungsgrad und den auftretenden Verspätungen ermittelt werden.

FE-Projekte zum Modul B (Umwelt- und Naturschutzfachliche Beurteilung)

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FE-Projekt SUP: Erarbeitung eines Konzepts zur Integration einer Strategischen Umweltprüfung in die Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Gemäß § 14b Abs. 1 UVPG sind zukünftige Verkehrswegeplanungen des Bundes einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) zu unterziehen. Für eine solche SUP erarbeitet das FE-Vorhaben ausgehend von den bisherigen Planungsansätzen auf Bundesebene – BVWP und Bedarfsplanung – ein Konzept. Dieses SUP-Konzept umfasst einen Vorschlag für einen SUP-konformen Verfahrensablauf und für die durch den jeweiligen Plan veranlassten Inhalte der SUP.

FE-Projekt Investitionskosten-Plausibilisierung und Umweltbewertung: Entwicklung eines kombinierten Verfahrens zur Abschätzung von Investitionskosten und zur Bewertung umwelt- und naturschutzfachlicher Wirkungen von Verkehrsinfrastrukturvorhaben in der Bundesverkehrswegeplanung

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Auf Grundlage des Forschungsprojektes zur Strategischen Umweltprüfung (siehe oben) wurde das Verfahren für die Umwelt- und Naturschutzfachliche Beurteilung entwickelt. Es umfasst eine Methodik zur Umweltbewertung von Einzelprojekten sowie zur Ausweisung der Gesamtplanwirkungen des BVWP.

FE-Projekt zum Modul C (Raumordnerische Beurteilung)

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Internes FE-Projekt des BBSR: Methodik für die Raumwirksamkeitsanalyse Bundesverkehrswegeplanung 2015

Status des Projekts:

Weitestgehend abgeschlossen – Entwurf Endbericht verfügbar (siehe Anlagen)

Kurzbeschreibung des Projekts:

Die Gewährleistung einer angemessenen Erreichbarkeit von Regionen sowie Teilräumen und die qualitativ hochwertige Anbindung an Zentren der Daseinsvorsorge und der Wirtschaft sind wichtige Bausteine innerhalb der Bundesverkehrswegeplanung. Die Raumwirksamkeitsanalyse erfasst die nicht-monetarisierbaren Wirkungen von Erreichbarkeits- und Anbindungsverbesserungen von Infrastrukturprojekten. Die Methodik wird durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entwickelt.

FE-Projekt zum Modul D (Städtebauliche Beurteilung)

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FE-Projekt Städtebauliche Effekte:

Status des Projekts:

Abgeschlossen; der Entwurf des Endberichts kann auf der Internetseite des BMVI abgerufen werden

Kurzbeschreibung des Projekts:

Es ist erforderlich, den Teil "Städtebauliche Effekte" der BVWP-Methodik zu modernisieren, weil sich aus den Erfahrungen bei der Durchführung des BVWP 2003 zeigt, dass bestimmte Beurteilungen nicht konform mit dem Gesamtsystem der BVWP-Methodik sind. Darüber hinaus sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu berücksichtigen.
Ziel ist es, ein Verfahren zur Einbeziehung der Städtebaulichen Effekte in die BVWP zu entwickeln, das den aktuellen und absehbaren Stand der Regelwerke widerspiegelt, die Erfahrungen aus dem letzten BVWP berücksichtigt und eine aufwandsoptimierte qualifizierte Bearbeitung dieses Methodenteils gewährleistet.