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Piktogrammkette – Radverkehrsführung für ein rücksichtsvolles Miteinander

1. Platz in der Kategorie Infrastruktur

Projektbeschreibung:

Nicht viele Radwege sind benutzungspflichtig. Bei allen anderen können Radfahrende entscheiden, ob sie den Radweg oder die Fahrbahn nutzen. Dabei hat letzteres diverse Vorteile. Diese Wahlfreiheit hat die Landeshauptstadt Mainz kreativ mittels Markierungen verdeutlicht. Aneinandergereihte Symbole auf der Fahrbahn setzen ein Signal an Auto - wie auch Radfahrende. So sollen Konflikte reduziert und die Rücksichtnahme erhöht werden. Die Umsetzung wird von Zählungen begleitet, welche die Nutzung vor und nach der Maßnahme eruieren soll. Die in Mainz gewählten Piktogrammmarkierungen mit Richtungspfeil auf der Fahrbahn stehen jedoch nicht im Einklang mit der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Deshalb sollten Markierungen verwendet werden, die nicht den Eindruck erwecken, dass sie ein Mittel der StVO sind.

Projektmanagement:

Projektmanagement: Landeshauptstadt Mainz, Stadtplanungsamt, Abteilung Verkehrswesen

Projektzeitraum:

Umsetzung der Maßnahme im Juni 2016

Ziel:

Die Piktogrammkette hat zum Ziel, die Konflikte zwischen Rad- und Kfz-Verkehr auf der Fahrbahn zu reduzieren und die Radverkehrsführung auf der Fahrbahn zu verdeutlichen.

Bisherige Ergebnisse:

Überwiegend positive Rückmeldungen aller Verkehrsteilnehmer, verbesserte Wahrnehmung, eindeutigere Führung

  • Symbole in Ein- und Ausfahrten
  • Aufstellflächen für Radfahrer in Kreuzungsbereichen
  • Pilotmaßnahme auf einer Strecke von 450 Metern und einer Strecke von 2,5 Kilometern

Finanzierung:

Aus den städtischen Haushaltsmitteln für den Radverkehr (8.500 Euro)

Jurybegründung

Infrastruktur: Piktogrammkette - Radverkehrsführung für ein Rücksichtsvolles Miteinander - 20

Radweg oder Straße - Wo gehört der Radfahrer hin? Die meisten Radwege sind nicht benutzungspflichtig, so dass die Radfahrenden die Wahl zwischen dem Radweg oder der Fahrbahn haben. Bei den Verkehrsteilnehmern herrscht häufig Unklarheit über diese Situation. Konflikte sind oft vorprogrammiert. Mit der Piktogrammkette zeigt die Stadt Mainz, dass die Radfahrer auch die Straße nutzen dürfen, selbst wenn ein nicht benutzungspflichtiger Radweg vorhanden ist. Die auf die Fahrbahn aufgebrachten Fahrradsymbole sorgen für Klarheit bei allen Verkehrsteilnehmern und erhöhen die objektive und subjektive Sicherheit von Radfahrenden, stehen aber in der gewählten Form nicht im Einklang mit der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Die Jury hat das Projekt dennoch dem Grunde nach überzeugt, weil mit einfachen Mitteln eine wirkungsvolle, flexible und auf andere Städte übertragbare Lösung geschaffen werden könnte. Das Pilotprojekt gibt anderen Kommunen einen Anstoß, aktiv zu werden und legt einen soliden Grundstein für den Umgang mit diesem Problem. Es sollte allerdings eine Konformität mit der StVO gewährleistet sein, dann danach dienen Schriftzeichen und die Wiedergabe von Verkehrszeichen auf der Fahrbahn allein dem Hinweis auf ein angebrachtes Verkehrszeichen. Es sollten daher weder Schriftzeichen noch Piktogramme verwendet werden, welche den Eindruck erwecken, dass sie ein Mittel der StVO sind (Es sollten also nicht die für Verkehrszeichen einschließlich Markierungen üblichen Farben - insbesondere weder gelb noch weiß -, das Piktogramm für den Radverkehr oder Pfeilpiktogramme und auch nicht die gewöhnliche Schriftart für Schriftzeichen verwendet werden). Nur so kann verdeutlicht werden, dass es sich um einen nicht amtlichen Hinweis handelt, der allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt und zu einem rücksichtsvolleren Verhalten im Verkehr beitragen kann.

TINK – Transportradinitiative nachhaltiger Kommunen

1. Platz in Kategorie Service

Projektbeschreibung:

Die Idee von TINK ist, Transporträder in Konstanz und Norderstedt durch ein einfaches und kostengünstiges Mietsystem öffentlich verfügbar zu machen und damit die umweltfreundliche Beförderung von Kindern und den Transport größerer Gegenstände zu erleichtern.

  • Größte Transportrad-Mietflotten in Europa
  • Flächendeckendes Angebot in den Modellstädten bzw. Stadtteilen
  • Vollautomatische Anmietung rund um die Uhr (Ausleihe per Internet, App, Telefon und an Terminals (Norderstedt) bzw. über Boardcomputer (Konstanz))
  • Umweltpsychologische Begleitung

Projektmanagement:

e-fect eG

Projekthomepage:

www.tink.bike und www.facebook.com/tink.bike

Projektstart:

1. August 2015 (Analyse und Konzeption), Start des Verleihsystems am Sommer 2016

Ziel:

Förderung nachhaltiger Mobilität durch öffentliche, einfache und günstige Transportrad-Mietsysteme

Bisherige Ergebnisse:

Gesamt:

  • Über 4.505 Anmietungen und 9.000 Nutzungsstunden im ersten halben Jahr

Konstanz:

  • 26 Räder an 13 Stationen
  • Über 1.700 registrierte Nutzer

Norderstedt:

  • 24 Räder an 14 Stationen
  • Über 300 registrierte Nutzer

Finanzierung:

Gesamt 511.000 Euro: 80 Prozent (394.000 Euro) Förderung durch den Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und 20 Prozent Eigenanteil der Städte Konstanz und Norderstedt sowie des Projektpartners InnoZ GmbH

Konditionen:

  • Kostenlose Registrierung
  • Die Nutzung ist für die erste halbe Stunde (Norderstedt) bzw. erste Stunde (Konstanz) kostenlos
  • Jede weitere halbe Stunde kostet einen Euro Gebühr
  • Maximalpreis pro 24 Stunden neun Euro
  • Räder können kostenlos an anderen Stationen als der Entleihstation abgegeben werden

Jurybegründung:

Dass Lastenräder eine umweltfreundliche Alternative für den Transport von Einkäufen, schweren Gegenständen oder die Beförderung von Kindern sind, ist nicht neu – die Qualität des Lastenradangebotes TINK in Konstanz und Norderstedt allerdings schon. Das flächendeckende und vollautomatische Angebot der Transportradinitiative nachhaltiger Kommunen (TINK) macht eine einfache und niedrigschwellige Nutzung der Räder rund um die Uhr und für Jedermann möglich. Der Nutzer ist an keine Ladenöffnungszeiten gebunden und muss zudem keine weiten Wege bis zum nächsten Transportrad zurücklegen. Die große Zahl an Rädern im öffentlichen Raum in den Städten führt gleichzeitig zu einer hohen Sichtbarkeit des umweltfreundlichen Transportmittels und hat damit ganz nebenbei einen Marketingeffekt. Außergewöhnlich ist auch, dass das Projekt in zwei relativ kleinen und sehr weit auseinander liegenden Kommunen – Konstanz und Norderstedt – realisiert wird. So können während der zweijährigen Pilotphase Erfahrungen in unterschiedlich geprägten Regionen gesammelt werden. Durch einen Leitfaden können andere Kommunen das Konzept ebenfalls umsetzen. Die Jury ist von der einfachen Handhabung, der Größe der Mietradflotte und dem ausgeklügelten Rahmen- und Servicekonzept überzeugt und hofft auf zahlreiche Nachahmer.

#woparkstdudenn - Aktion "Denkzettel" gegen das Parken auf Radwegen in Heidelberg

1. Platz in der Kategorie Kommunikation

Projektbeschreibung:

Schon kurzzeitiges Parken auf Radwegen, Fahrradstraßen und Gehwegen kann zu gefährlichen Situationen führen. Mit der Aktion „Denkzettel“ erinnern die Stadt Heidelberg und die AGFK-BW unter dem Hashtag #woparkstdudenn? daran, Wege für Radfahrer nicht zu blockieren. Ein absichtlich in einer Fahrradstraße geparktes Auto wurde vollständig mit Denkzetteln in Form von Post-its mit der Aufschrift "#woparkstdudenn?" umhüllt. Gleichzeitig wurden die bedruckten Post-its auch an Passanten verteilt. Die Kombination aus dem Event mit Nachwirkung in den sozialen Netzwerken und dem daraus entstandenen Imagefilm sorgt dafür, dass das Thema im Gespräch bleibt. Durch das Verteilen der Post-its können die Bürger künftig selbst aktiv werden.

Projektmanagement:

Stadt Heidelberg und AGFK-BW e.V.

Projekthomepage:

www.agfk-bw.de/projekte/woparkstdudenn (inkl. Video)

Projektzeitraum:

Denkzettel-Event im September 2016

Ziel:

Gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer, Sensibilisierung zum Radwegeparken

Bisherige Ergebnisse:

Deutliche Reduktion der Parkproblematik, vor allem in Kombination mit der Verwendung der Post-its

Finanzierung:

Finanzierung durch AGFK-BW e.V. (mit Landesförderung Baden-Württemberg) und die Stadt Heidelberg

Medienresonanz:

  • Videoaufrufe bei Youtube: 4.113 (Stand 17.3.2017)
  • Bundesweite Berichterstattung in den Tageszeitungen

Jurybegründung:

"Ich will nur kurz ...", "Bin gleich wieder da", "Geht ganz schnell" – Wer kennt sie nicht, die Ausreden der Radwegeparker. Doch kurzzeitiges Halten auf Radwegen behindert nicht nur den Verkehrsfluss, es ist auch eine Gefahr für Radfahrer, die zum Ausweichen auf die Straße gezwungen werden. Viele von ihnen würden den Falschparkern deshalb gerne einen Denkzettel verpassen. Das hat die Stadt Heidelberg jetzt stellvertretend übernommen. Mit #woparkstdudenn – der Aktion "Denkzettel" gegen das Parken auf Radwegen in Heidelberg hat die Stadt eine spielerische, aber effektvolle Aktion umgesetzt, die jeden Autofahrer zum Nachdenken anregen dürfte. Ein absichtlich falsch geparktes Auto wurde zu einer ungewöhnlichen Installation im Straßenraum, indem es komplett mit Denkzetteln in Form von Post-its mit der Aufschrift "#woparkstdudenn?" umhüllt wurde. Dabei wurde mit einem Minimum an Aufwand ein Aha-Effekt erzielt – ein oder gerne auch mehrere liebevolle Denkzettel (Post-its), die überraschten und verblüfften. Die Aktion wurde mit einer Leichtigkeit durchgeführt, die trotz des konfliktvollen Themas zum Schmunzeln anregt. So hat die Aktion nicht nur die Jury überzeugt, sondern auch die Medienvertreter, die zahlreich über die Aktion berichteten und somit den Effekt verstärkt haben.