Alle Formate Alle aktuellen Artikel
Fahrender Lastkraftwagen

Quelle: Fotolia / barbara Noskowski

Von den in Deutschland im Jahr 2010 zugelassenen gut 50 Millionen Kraftfahrzeugen sind an einem durchschnittlichen Werktag über 30 Millionen also rund 60 %, auf den Straßen unterwegs. Je Fahrzeug werden an Wochentagen täglich durchschnittlich 2,8 Fahrten gemacht und über 36 km Fahrstrecke zurückgelegt. Die Hälfte aller Fahrten ist 10 km oder kürzer. Am Wochenende oder an Feiertagen werden täglich rund 40 % der Fahrzeuge genutzt. Die zurückgelegte Fahrstrecke fällt an diesen Tagen mit knapp 23 km ebenfalls deutlich niedriger aus als an Wochentagen. In der Summe legten die Fahrzeuge über das Jahr 2010 knapp 42 Milliarden Fahrzeugfahrten zurück.

Ein Drittel aller Fahrzeugfahrten entfällt dabei auf den Wirtschaftsverkehr. Hierzu zählen neben dem Güterverkehr mit dem Lkw oder Sattelzug auch die Fahrten oder die Beförderung von Personen zu wirtschaftlichen, dienstlichen und gemeinwirtschaftlichen Zwecken. Sogar 40 % aller Kfz-Fahrten im Wirtschaftsverkehr sind Fahrten mit dem privaten Pkw, weitere 20 % mit Pkw gewerblicher Halter. Deren Einsatzmuster unterscheiden sich deutlich vom Privatverkehr und Güterverkehr mit Lkw.

Das sind einige Ergebnisse der groß angelegten Mobilitätsstudie "Kraftfahrzeugverkehr in Deutschland 2010 (KiD 2010)", die im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durchgeführt wurde. Die Leitung der Arbeitsgruppe oblag der WVI Prof. Dr. Wermuth Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH, Braunschweig. Weitere Mitglieder waren das IVT Institut für angewandte Verkehrs- und Tourismusforschung e. V., Heilbronn, das DLR Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V., Institut für Verkehrsforschung, Berlin, und das KBA Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg.

KiD  bedeutendste Wirtschaftsverkehrserhebung

Die Studie KiD 2010 ist ein Baustein im verkehrsstatistischen Angebot des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Das BMVI und seine nachgeordneten Behörden betreiben einen hohen Aufwand, das Basisangebot der Statistischen Ämter der Länder und des Bundes zu ergänzen. Insbesondere im Bereich des Straßenverkehrs und der Mobilität der privaten Haushalte stellt das BMVI mit seinen Erhebungen unverzichtbare Grundlagen für eine zielgenaue Infrastrukturplanung von Bund, Ländern und Kommunen wie auch für Fragestellungen der Wirtschaft und Wissenschaft bereit:

  • Die Güterkraftverkehrsstatistik des KBA liefert belastbare Eckwerte zum Güterverkehr großer Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen Nutzlast und von Sattelzugmaschinen.
  • Die Straßenverkehrszählungen und Fahrleistungserhebungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stellen ein umfangreiches Mengengerüst zur Streckenbelastung und zu den erbrachten Fahrleistungen der Kraftfahrzeuge zur Verfügung.
  • Die Mobilitätserhebungen des BMVI "Mobilität in Deutschland (MiD)" und "Deutsches Mobilitätspanel" haben einen besonderen Fokus auf den Verkehr privater Haushalte.

Die verbleibende Datenlücke hinsichtlich des Wirtschaftsverkehrs mit Pkw, mit Krafträdern und mit kleinen Lkw, also mit Lkw bis 3,5 Tonnen Nutzlast wird durch die Erhebung KiD 2010 geschlossen. Auf Bundesebene fließen die Ergebnisse unter anderem in die Verkehrsprognosen und in die Bundesverkehrswegeplanung ein. Der besondere Wert der KiD 2010 liegt jedoch in der Bereitstellung von mikroskopischen Daten für die Verkehrsmodellierung. Die Daten gehen z.B. ein in die Dimensionierung von Zufahrtstraßen zu Gewerbe- oder Wohngebieten oder die Stellplatzplanung. Aber auch Unternehmen nutzen die Ergebnisse der KiD 2010 für vielfältige Fragestellungen, z.B. nach Anforderungen für Elektrofahrzeuge.

KiD eine der umfangreichsten Befragungen in Deutschland

Die Erhebung und der gewählte Abstand zur Vorgängererhebung im Jahr 2002 wurden so konzipiert, dass Bürger und Unternehmen möglichst wenig belastet wurden. Mit 50.000 Fahrzeugen von insgesamt gut 50 Millionen Fahrzeugen wurde nur das für eine Repräsentativbefragung erforderliche Mindestmaß erfasst. Die Auswahl erfolgte per Zufallsverfahren aus verschiedenen Fahrzeuggruppen, die anhand von technischen Merkmalen des Fahrzeuges und Gruppenmerkmalen des Halters gebildet wurden. Um auch regionale Auswertungen zu ermöglichen, wurden im Auftrag einzelner Städte und Länder knapp 20.000 weitere Fahrzeughalter befragt. Die KiD 2010 ist damit eine der umfangreichsten Befragungen in Deutschland.

Mit Hilfe eines Fragebogens haben die Halter der ausgewählten Kraftfahrzeuge sämtliche an einem vorgegebenen Stichtag von ihnen durchgeführten Fahrten dokumentiert. Die Teilnahme war freiwillig, die Antwortbereitschaft mit 45 % außerordentlich hoch. Das BMVI bedankt sich bei allen, die mit ihrer Beteiligung an der Erhebung "Kraftfahrzeugverkehr in Deutschland" dazu beigetragen haben, ein realitätsgetreues Bild des Kraftfahrzeugverkehrs in Deutschland zu zeichnen und damit zu guten Planungsgrundlagen für eine bedarfsgerechte Straßeninfrastruktur zu kommen.

Einen Überblick über die Ergebnisse finden Sie in der Anlage.