Alle Formate Alle aktuellen Artikel
Bushaltestelle

Quelle: Fotolia / Bjoern Wylezich

Ländliche Regionen, die vom demografischen Wandel stark betroffen sind, stehen vor großen Herausforderungen im Hinblick auf die Sicherstellung einer ausreichenden Mobilität für die in diesen Regionen lebende Bevölkerung. Durch den Rückgang der Schülerverkehre wird die wirtschaftliche Basis der Verkehrsunternehmen für die Vorhaltung einer ausreichenden Versorgung mit Verkehrsdienstleistungen zunehmend geschwächt.

Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten 30 Jahren im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verschiedene bedarfsgestützte Angebotsformen herausgebildet, die mit jeweils wechselnden Flexibilisierungsgraden und Organisations- sowie Betreiberkonzepten in Kombination mit dem konventionellen Linienverkehr auf unterschiedliche Raum- und Nachfragestrukturen reagieren. Integrierte ÖPNV-Konzepte schließen alternative Angebote, wie Carsharing oder Hol- und Bringdienste mit ein. Viele Verkehrsunternehmen haben inzwischen die Chance erkannt, sich vom reinen Bus- und Bahnanbieter zum integrierten Verkehrsdienstleister mit breiter Angebotspalette zu entwickeln.

Cover der Publikation "Mobilitäts- und Angebotsstrategien in ländlichen Räumen"
Publikation "Mobilitäts- und Angebotsstrategien in ländlichen Räumen"

Quelle: BMVI

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass flexible Angebotsformen ein geeignetes Instrument sind, um den klassischen ÖPNV zu ergänzen bzw. zu ersetzen und ein ÖPNV-Angebot auch in nachfrageschwachen Räumen bzw. in Schwachverkehrszeiten zu vertretbaren Konditionen anbieten zu können. Dies betrifft sowohl ein aus Kundensicht attraktiveres Verkehrsangebot mit einem zusätzlichen Fahrtenangebot und ausgeweiteten Betriebszeiten als auch eine bessere Wirtschaftlichkeit. Im Gegensatz zum klassischen Linienverkehr fällt ein beträchtlicher Teil der Kosten nur dann an, wenn das Fahrtenangebot tatsächlich nachgefragt wird. Je weniger Fahrten in Anspruch genommen werden, desto wirtschaftlicher sind flexible Angebotsformen im Vergleich zum klassischen Linienverkehr.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass auch flexible Angebote an wirtschaftliche Grenzen stoßen und einer sorgfältigen Planung bedürfen. Bei sehr geringer Nachfrage steigen auch bei flexiblen Angebotsformen die Kosten je Fahrgast stark an. Dem Planer fehlten bisher leicht verwertbare Informationen über strategische Herangehensweisen, kontextbezogene Planungsansätze und wirtschaftliche Grundlagen zur Integration flexibler und alternativer Angebotsformen in eine Gesamtstrategie zur Sicherung der Mobilitätschancen.

Mit dem im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) entwickelten Planungsleitfaden und der Toolbox ÖPNV, einer kostenlosen Sammlung von Softwarebausteinen zur Planung und Bewertung des ÖPNV im ländlichen Raum, stehen dem Planer nun Hilfsmittel zur Verfügung, die eine effiziente und zielgerichtete Planung unterstützen.

Dieser Planungsleitfaden und ein Bestellformular für die Toolbox können ab sofort im Expertenforum auf der Homepage des VDV unter https://www.vdv.de/experteninformationen-personenverkehr.aspx in der Rubrik "Umwelt, Betrieb & Technik" abgerufen werden.
Neben einer Beschreibung der für den ländlichen Raum in Frage kommenden Angebotsformen wurde eine Schritt-für-Schritt-Anweisung für die Planung des ÖPNV im ländlichen Raum entwickelt, der die Planung in die Phasen "Problemanalyse", "Wahl der Angebotsform anhand raumspezifischer Merkmale", "Planung des passgenauen Angebotes", "Abschätzung der Fahrgastnachfrage", "Wirkungsanalyse", "Bewertung", "Abwägung und Entscheidung", "Umsetzung", "Wirkungskontrolle/Evaluation" und "Beteiligungsprozess" untergliedert.