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Zur Bewältigung des weiter anwachsenden Verkehrs müssen die einzelnen Verkehrsträger ihre jeweiligen Systemvorteile bestmöglich nutzen können. Dazu sollen sie noch besser vernetzt und verzahnt werden, um weiteren Verkehr auf die Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße zu verlagern. Als einen ersten Schritt hat Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im März 2015 die Untersuchung „Status Quo des Güterverkehrssystems in Deutschland – eine Metastudie unter besonderer Betrachtung der Vernetzung des Verkehrs“ in Auftrag gegeben. In der Meta-Studie werden unter Auswertung vorhandener Studien Erkenntnisdefizite beim Güterverkehr aufzeigt und der künftige Forschungsbedarf – nicht nur für das BMVI – verdeutlicht.

Die Untersuchung „Status quo des Güterverkehrssystems in Deutschland – eine Metastudie unter besonderer Betrachtung der Vernetzung des Verkehrs“ identifiziert gezielt Problemfelder im Bereich Güterverkehr und Logistik, die für künftige Entscheidungen von Politik, Verwaltung und Gewerbe relevant sind. Sie gibt einen möglichst aussagestarken Überblick über bislang gewonnene Erkenntnisse und Problemlösungsoptionen der Verkehrswissenschaft. In einer umfangreichen Literaturanalyse wurde der aktuelle Stand der Forschung im Bereich Güterverkehr und Logistik erfasst und in Maßnahmen-Cluster zusammengefasst, die zur Lösung der Problemfelder im Gesamtsystem „Güterverkehr“ beitragen können. Anhand von zehn Arbeitshypothesen wurde die Maßnahmen detailliert untersucht und hinsichtlich ihrer Wirkung auf gesellschaftliche, wirtschaftliche, ökonomische und raumordnerische Ziele bewertet. Um die Bewertung vornehmen zu können, wurde ein umfassendes Bewertungssystem mit den Zielbereichen Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft und Raumbetrachtung entwickelt und angewendet. Die so vorgenommene Bewertung der Maßnahmen zeigt an, wie stark und in welcher Richtung (zielverstärkend oder zielhemmend) jedes Cluster auf die einzelnen Teilziele wirkt, und wo Zielkonflikte zwischen den Zielbereichen auftreten bzw. zu erwarten sind. Die Interpretation dieser (Detail-)Ergebnisse führt schließlich zu Handlungsempfehlungen bzw. offenen Forschungsfragen, die abschließend zu denkbaren Eckpfeilern für ein Forschungsprogramm Güterverkehr und Logistik weiterentwickelt werden. Hier hat sich gezeigt, dass die Bereiche „Digitalisierung“, „Kooperation, Beteiligung“ und „Intermodale Vernetzung“ wesentliche Themen für ein Forschungsprogramm Güterverkehr und Logistik darstellen – und zwar in dieser Reihenfolge. Denn eine Intermodale Vernetzung funktioniert durch Kooperation verschiedener Akteure am Transportmarkt, die wiederum zwingend auf die Digitalisierung angewiesen ist. Auf der Ebene „Kooperation, Beteiligung“ war zu prüfen, welche Hemmnisse Kooperationen entgegenstehen, welche Anforderungen an die Kooperationspartner gestellt werden und welche Effizienzgewinne erzielt werden können. Damit Kooperationen sowie intermodale Vernetzung funktionieren, ist eine sichere und effiziente Kommunikation durch weitgehende Digitalisierung von Prozessen und Informationswegen erforderlich. Insgesamt lässt sich so aus der Studie ein umfassendes Forschungsprogramm ableiten und es werden Wege für dessen rasche Umsetzung aufgezeigt. Die verwendeten Instrumente – z.B. die Bewertungsmethoden – sind so flexibel gewählt, dass sie auch für vertiefende Fragen zur Ausgestaltung des Forschungsprogramms genutzt werden können. In Abhängigkeit vom jeweiligen Forschungszweck werden dabei unterschiedliche Akteure am Transportmarkt, sowie öffentliche Institutionen und die Privatwirtschaft angesprochen.

Die Meta-Studie wurde am 24. November 2016 im Rahmen einer Netzwerkkonferenz öffentlich vorgestellt. Die Meta-Studie enthält vielfältige Handlungsempfehlungen, wie intermodale Transporte weiter gestärkt werden können und zugleich die Effizienz aller Verkehrsträger erhöht und langfristig eine möglichst gleichmäßige Auslastung der Verkehrsträger erreicht werden kann. Das BMVI wird nun prüfen, wie vorhandenes Potential der Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße noch besser genutzt und durch Verbesserung der Möglichkeiten für intermodale Transporte weiter gestärkt werden kann. Gegebenenfalls werden dazu weitere in der Meta-Studie angeregte Untersuchungen in Auftrag gegeben.