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S-Bahn wartet am Bahnsteig

Quelle: Fotolia / Petair

Für Fahrgäste im Eisenbahnverkehr gilt europaweit die Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr.
Daneben gelten für den Nahverkehr noch weitergehende Rechte nach der nationalen Eisenbahn-Verkehrsordnung.

Ein Überblick über die wichtigsten Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr:

1. Rechte bei Verspätung oder Ausfall von Zügen

  • Ab einer Verspätung von 60 Minuten am Zielort besteht ein Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 25% des Fahrpreises, ab einer Verspätung von 120 Minuten auf 50% des Fahrpreises.
  • Bahnreisende können bei einer zu erwartenden Verspätung von mehr als 60 Minuten ihre Reise abbrechen oder von der Fahrt absehen, wenn sie für den Reisenden sinnlos geworden ist. Sie können dann den Fahrpreis erstattet bekommen. Alternativ können sie die Fahrt auch zu einem späteren Zeitpunkt durchführen, auch mit geänderter Streckenführung.
  • Im Nahverkehr kann der Fahrgast bei einer absehbaren Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort jeden anderen Zug nutzen - auch einen Fernverkehrszug, aber keine reservierungspflichtigen Züge.
  • Im Nahverkehr kann der Fahrgast bei einer absehbaren Verspätung von 60 Minuten am Zielort auch ein anderes Verkehrsmittel (ggf. auch Taxi) nutzen, wenn seine planmäßige Ankunftszeit in den Zeitraum zwischen 0.00 und 5.00 Uhr fällt oder der Reisende die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages nutzen wollte und er den Zielbahnhof nicht ohne die Nutzung des anderen Verkehrsmittels bis 24.00 Uhr erreichen kann.
  • Ab einer Verspätung von mehr als 60 Minuten ist dem Fahrgast kostenlos eine Hotelübernachtung anzubieten, wenn dieses notwendig wird, weiterhin sind Mahlzeiten und Erfrischungen anzubieten, sofern diese verfügbar sind.
  • Fahrgäste sind bei Verspätungen über die geschätzte Abfahrts- und Ankunftszeit zu unterrichten.

2. Informationspflichten

  • Eisenbahnunternehmen haben den Fahrgast beim Fahrkartenverkauf auf Nachfrage z.B. zu folgenden Punkten zu informieren: Verbindungen mit der kürzesten Fahrzeit oder dem günstigsten Fahrpreis, die allgemeinen Beförderungsbedingungen oder die Zugänglichkeit von Einrichtungen für Personen mit eingeschränkter Mobilität.
  • Während der Fahrt hat das Eisenbahnunternehmen den Fahrgast u.a. über Verspätungen sowie wichtige Anschlusszüge zu informieren.

3. Rechte von Personen mit Behinderungen und eingeschränkter Mobilität

  • Eisenbahnunternehmen und Bahnhofbetreiber müssen auf Anfrage über die Zugänglichkeit von Eisenbahnverkehrsdiensten informieren und, wenn entsprechender Bedarf spätestens 48 Stunden vor Reisebeginn angemeldet wird, kostenlos Hilfe beim Ein- und Aussteigen und bei der Fahrt leisten, soweit Personal vorhanden ist.

4. Haftung bei Schäden und Verlusten

  • Haftung für Personenschäden und Gepäck
  • Bei einem Eisenbahnunfall, bei dem eine Fahrgast verletzt oder getötet wurde, müssen Eisenbahnunternehmen einen Vorschuss zahlen, der die unmittelbaren wirtschaftlichen Bedürfnisse des Fahrgastes oder seiner Angehörigen deckt.

5. Beschwerdeverfahren der Eisenbahnunternehmen

  • Die Eisenbahnunternehmen sind verpflichtet, ein Verfahren zur Bearbeitung von Beschwerden einzurichten.
  • Entschädigungsforderungen gegenüber der Deutschen Bahn AG und einer Vielzahl sonstiger Eisenbahnunternehmen können geltend gemacht werden über das

    Servicecenter Fahrgastrechte
    60647 Frankfurt
    Telefon 0180 6202178
    www.fahrgastrechte.info

6. Durchsetzungsstellen für Fahrgastrechte

  • Bei den Eisenbahnaufsichtsbehörden, welche die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften über die Fahrgastrechte überwachen, insbesondere dem Eisenbahn-Bundesamt, kann der Fahrgast sich über mutmaßliche Gesetzesverstöße beschweren. Die Eisenbahnaufsichtsbehörde wird prüfen, ob und inwieweit das Unternehmen gegen seine Verpflichtungen verstoßen hat. Die Beschwerden können in jedem Fall an das Eisenbahn-Bundesamt gerichtet werden, welches die Beschwerde ggf. an die zuständige Eisenbahnaufsichtsbehörde weiterleitet:

    Eisenbahn-Bundesamt
    Heinemannstraße 6
    53175 Bonn
    Telefon +49 (0) 228 30795400
    www.eba.bund.de

7. Schlichtungsverfahren

  • Darüber hinaus hat der Fahrgast die Möglichkeit, eine Schlichtungsstelle anzurufen. In Betracht kommen die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e. V. (söp) oder verschiedene regionale Schlichtungsstellen für den Nahverkehr.