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Fotocollage Lärmschutzwände
Lärmschutzwände

Quelle: DB Projektbau GmbH

Für viele Menschen in Deutschland bedeutet Verkehrslärm eine große Belastung ihres Wohlbefindens und ihrer Gesundheit. Das gilt auch für Lärm, der durch Schienengüterverkehr verursacht wird.

Die Bundesregierung will mit dem Nationalen Verkehrslärmschutzpaket II von 2009 Schienenlärm bis 2020 um 50 Prozent (auf der Basis 2008) senken. Dieses Ziel hat auch die Große Koalition der CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag "Deutschlands Zukunft gestalten" vom 16.12.2013 nochmals bekräftigt.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Programmen eingerichtet und durchgeführt.

Seit 1999: Das Lärmsanierungsprogramm - Das Kernelement der örtlichen Lärmminderung

Mit dem Lärmsanierungsprogramm wird seit 1999 systematisch ein ganz wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Lärmbelastung geleistet. Seit 2007 werden jährlich 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt für Lärmschutzmaßnahmen investiert. Nach der Erhöhung im Jahr 2014 auf jährlich 130 Millionen Euro, stehen seit 2016 für Lärmsanierung an Schienenwegen nunmehr 150 Millionen Euro zur Verfügung.

2008 – 2012: Das Pilot- und Innovationsprogramm leiser Güterverkehr - Ein Paradigmenwechsel hin zum Lärmschutz an der Quelle

Im Jahr 2008 wurde unter der Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das interministeriell begleitete Pilot- und Innovationsprogramm "Leiser Güterverkehr" zur Reduzierung des Lärms durch Güterverkehr auf der Schiene initiiert, um hiermit die Voraussetzungen zu schaffen, die Bestandsflotte der Güterwagen auf leise Technologien umzurüsten.

Das Programm umfasste die Programmbausteine mit

  • Pilotprojekt "Leiser Rhein"
  • Innovationsprogramm "Verbundstoff-Bremsklotzsohlen"
  • Untersuchungen zur Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems.

2009 – 2011: Das Konjunkturprogramm II – Erprobung innovativer Maßnahmen und Verfahren an Gleisanlagen

Mit der politischen Zielstellung "Wir bauen Zukunft" flossen von 2009 bis 2011 rund 72 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II in das Vorhaben "Einzelmaßnahmen zur Lärm- und Erschütterungsminderung am Fahrweg". In 82 Einzelprojekten wurden 13 Technologien zur Lärm- und Erschütterungsminderung erprobt, z.B. Schienenstegdämpfer, niedrige Schallschutzwände, Schienenschmiereinrichtungen sowie Maßnahmen zur Brückenentdröhnung.

Die tauglichen Maßnahmen zur Lärmminderung wurden bei der Novellierung in die 16. BImSchV aufgenommen. Damit wurde das Maßnahmenportfolio für Lärmschutzmaßnahmen erweitert und neue Möglichkeiten der Gestaltung des Lärmschutzes wurden eröffnet.

2010 – 2014: Das Verbundprojekt LäGiV – Lärmreduzierter Güterverkehr durch innovative Verbundstoff-Bremsklotzsohlen

Das Verbundprojekt LäGiV verfolgte das Ziel, technisch und wirtschaftlich optimierte Verbundstoff-Bremsklotzsohlen, sogenannte Flüsterbremsen, für den Einsatz in Güterwagen zu entwickeln und damit Lärmemissionen zu reduzieren. Von den beteiligten Herstellern aus dem Kreis der mittelständischen Unternehmen wurden Verbundstoff-Bremsklotzsohlen für unterschiedliche Konfigurationen und Bauformen entwickelt und nach internationalen Vorschriften erprobt. Das Projekt wurde vom BMVI und vom BMWi begleitet und vom BMWi mit einer Zuwendung in Höhe von 6,9 Millionen Euro gefördert.

2012 - 2020: Das lärmabhängige Trassenpreissystem (laTPS)

Seit dem Fahrplanwechsel 2012/2013 gilt das lärmabhängige Trassenpreissystem. Laute Züge zahlen mehr pro Kilometer als leise. Mit den Mehreinnahmen und Zuschüssen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wird die Umrüstung von Güterwagen auf leisere Technik wie Verbundstoffbremssohlen finanziell gefördert. Der Bund stellt dafür bis zu 152 Millionen Euro bereit. Bis 2020 - innerhalb von acht Jahren - soll so die Modernisierung der in Deutschland verkehrenden Güterzüge abgeschlossen sein (neue Güterzüge müssen bereits den neuen Lärmgrenzen entsprechen). Ziel der Bundesregierung ist es, dass nach Ende der Laufzeit des lärmabhängigen Trassenpreissystems, also ab 2020, laute Güterwagen das deutsche Schienennetz nicht mehr befahren dürfen. Damit soll sichergestellt werden, dass die mit der Umrüstung erzielte Lärmminderung dauerhaft erhalten bleibt. Sollte bis 2016 nicht mindestens die Hälfte der in Deutschland verkehrenden Güterwagen leise sein, werden noch in dieser Wahlperiode ordnungsrechtliche Maßnahmen umgesetzt. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine entsprechende Anschlussregelung an das lärmabhängige Trassenpreissystem werden derzeit geschaffen. Weitere Informationen zum lärmabhängigen Trassenpreissystem sind unter interne Links bereitgestellt.

2013 – 2014: Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene

Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene als Teil des Infrastrukturbeschleunigungsprogramms II diente der Minderung des Lärms an Brennpunkten und wurde unabhängig vom bestehenden Lärmsanierungsprogramm eingerichtet. In den Jahren 2013 und 2014 wurden insgesamt 27 Millionen Euro für die Erprobung innovativer Techniken und die Minderung von Lärm in besonders belasteten Abschnitten investiert. 

Weitere Informationen

Lärmsanierungsprogramm

Vorrangig sollen solche Streckenabschnitte saniert werden, bei denen die Wirkung der Maßnahme besonders hoch ist. Die Wirkung der Lärmsanierung lässt sich beschreiben in der erreichbaren Lärmminderung und der Anzahl der Anwohner, für die vor der Lärmsanierung Lärmbelastungen oberhalb der Lärmsanierungsgrenzwerte vorliegen. Bei der DB Netz AG besteht bei 3.690 Kilometern Bedarf für Lärmsanierung bei einem Streckennetz von rd. 33.600 Kilometern Gesamtlänge. Bis Ende 2015 konnten mit Mitteln des Lärmsanierungsprogramms rund 40 Prozent der als sanierungswürdig eingestuften Strecken lärmsaniert werden. Weitere Informationen zur Lärmvorsorge und Lärmsanierung sind als interner Link bereitgestellt.

Verbundstoff Bremsklotzsohlen

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur setzt besonders auch auf die Lärmvermeidung im Fahrzeugbereich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bremssohlen aus Grauguss halten die LL-Sohlen und K-Sohlen aus Verbundwerkstoffen die Lauffläche der Eisenbahnräder dauerhaft in glattgeschliffenem Zustand. Die beiden Sohlentypen gehören damit zu den sogenannten "Flüsterbremsen". Die Abrollgeräusche der Güterwagen werden durch Verwendung dieser Bremssohlen in Verbindung mit glatten Schienenoberflächen deutlich reduziert. Neue Wagen werden grundsätzlich mit der neuen Technik (LL-Sohlen oder K-Sohle) gebaut. Die Lärmminderung an der Quelle durch die Umrüstung der vorhandenen Güterwagenflotte führt im Gegensatz zu fast allen anderen Lärmschutzmaßnahmen, die nur punktuelle Wirkung haben, zu einer flächendeckenden Lärmreduzierung. Das Ziel dieser flächendeckenden und wahrnehmbaren Lärmreduzierung ist jedoch erst dann erreicht, wenn ca. 80 Prozent der vorhandenen Güterwagen mit Verbundstoff-Bremsklotzsohlen ausgerüstet sind.

Pilotprojekt Leiser Rhein

Mit dem Pilotprojekt "Leiser Rhein" wurde die Möglichkeit geschaffen, die Umrüstung von bis zu 5000 Güterwagen auf K-Sohlen oder LL-Sohlen zu fördern, um somit die Hürden einer erstmaligen Umrüstung zu senken, indem Erkenntnisse zum notwendigen Engineering und zu erforderlichen Zulassungen praktisch gewonnen und erprobt werden konnten. Insgesamt konnten Förderbescheide für die Umrüstung von 1.494 Güterwagen mit einem Fördervolumen von mehr als 8,5 Millionen Euro an die Wagenhalter ausgereicht werden. Der erste Ganzzug bestehend aus umgerüsteten Güterwagen ist am 01.10.2012 durch das Rheintal gerollt. Da sich insbesondere die LL-Sohlen, die direkt mit den GG-Sohlen tauschbar sind, bis Mai 2013 noch im Erprobungsstadium befanden, investierte der Bund weitere Mittel in der Größenordnung von einer Millionen Euro, um die für die Erteilung der Inbetriebnahmegenehmigung erforderlichen Untersuchungen und Gutachten zu erstellen.

Verbundprojekt LäGiV – Lärmreduzierter Güterverkehr durch innovative Verbundstoff-Bremsklotzsohlen

Das Verbundprojekt "LäGiV – Lärmreduzierter Güterverkehr durch innovative Verbundstoff-Bremsklotzsohlen" verfolgte das Ziel, technisch und wirtschaftlich optimierte Verbundstoff-Bremsklotzsohlen für den Einsatz in Güterwagen zu entwickeln und damit Geräuschemissionen zu reduzieren. Dafür sollen die Verbundstoff-Bremsklotzsohlen so weit entwickelt werden, dass sie auch ohne technische Defizite im Bestand und in Neufahrzeugen eingesetzt werden können. Es werden deshalb neue, innovative Materialkombinationen sowohl für LL-Sohlen als auch für K-Sohlen getestet.