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Reifen

Quelle: Fotolia / lassedesignen

Welche Regelungen enthält die Straßenverkehrs-Ordnung zu Winterreifen?

§ 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung regelt für den Verkehrsteilnehmer nachvollziehbar, bei welchen Wetterverhältnissen M+S-Reifen zu verwenden sind.

Für Auto-, Motorrad-, Lkw- und Bus-Fahrer gilt:

  • Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte zählen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zu den winterlichen Wetterverhältnissen. Bei solchen Wetterverhältnissen kann bei Verwendung von Sommerreifen die Sicherheit des Straßenverkehrs beeinträchtigt werden.
  • Alle M+S-Reifen – Matsch und Schnee – gelten als Winterreifen. Auch Ganzjahresreifen, sofern sie mit M+S gekennzeichnet sind, fallen darunter. Sollte diese Kennzeichnung fehlen, der Reifen aber dennoch die erforderlichen Eigenschaften aufweisen, empfiehlt sich eine entsprechende Bescheinigung des Reifenherstellers.
  • Auch Motorräder sind Kraftfahrzeuge im Sinne der Vorschrift. Verfügen Motorräder nicht über M+S-Reifen, dürfen sie bei den genannten Wetterverhältnissen nicht fahren, da ansonsten eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht mehr möglich ist.
  • Schwere Nutzfahrzeuge (Busse und Lkw der Fahrzeugklassen M2, M3, N2 und N3) müssen auf den Antriebsachsen M+S-Reifen aufziehen. Hintergrund: Die Reifen an den übrigen Achsen haben aufgrund von erhöhten Naturkautschukanteilen bessere Haftungseigenschaften als Pkw-Sommerreifen und sind dadurch grundsätzlich für den Ganzjahreseinsatz geeignet.
  • Land- und Forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sind von den Vorschriften ausgenommen, da ihre Bereifung aufgrund des grobstolligen Profils bei winterlichen Wetterverhältnissen ausreichend Sicherheit bietet.

Wie erkenne ich Winterreifen?

  • Im Handel erhältliche Winterreifen sind mit einem M+S-Symbol gekennzeichnet, teilweise auch in Verbindung mit dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (Alpine Symbol).
  • M+S-Reifen sind Reifen, bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem auf Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen.
  • Das Profil der Lauffläche von M+S-Reifen ist im Allgemeinen durch größere Profilrillen und / oder Stollen gekennzeichnet. Diese sind durch größere Zwischenräume voneinander getrennt als bei normalen Reifen.

Bußgelder sollen die Einhaltung der Vorschriften garantieren

Das Fahren ohne M+S-Reifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte kostet 60 Euro. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer fallen 80 Euro an. Damit ist auch ein Eintrag eines Punktes im Fahreignungsregister verbunden.

Reifendruckkontrollsystem (RDKS)

Die Verordnung (EG) Nr. 661/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen, Kraftfahrzeuganhängern und von Systemen, Bauteilen und selbstständigen technischen Einheiten für diese Fahrzeuge hinsichtlich ihrer allgemeinen Sicherheit schreibt vor, dass Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz (Fahrzeuge der Klasse M1) mit einem präzisen System zur Überwachung des Reifendrucks ausgerüstet sein müssen, das die Fahrerin oder den Fahrer im Fahrzeug im Interesse eines optimalen Kraftstoffverbrauchs und der Gewährleistung der Sicherheit im Straßenverkehr warnt, wenn es in einem Reifen zu einem Druckverlust kommt.

Die Regelung gilt seit dem 01.11.2012 für neue Fahrzeugtypen der Klasse M1 und seit dem 01.11.2014 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge der Klasse M1.

Für Fahrzeuge, die über ein Reifendruckkontrollsystem verfügen, jedoch nicht verpflichtend mit einem solchen System ausgerüstet sein müssen stellt sich die Frage, ob zum Beispiel beim Wechsel auf Winterreifen diese auch mit den entsprechenden Sensoren ausgerüstet werden müssen, denn grundsätzlich müssen im Fahrzeug vorhandene sicherheits- und umweltrelevante Systeme ständig funktionstüchtig sein.

Im Oktober 2014 hat der Sonderausschuss "Räder und Reifen" des Fachausschusses Kraftfahrzeugtechnik im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) darüber beraten, ob Reifendruckkontrollsysteme auch in Fahrzeugen, die nicht verpflichtend mit diesen Systemen ausgerüstet sein müssen, dauerhaft funktionstüchtig sein müssen. Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass diese "freiwillig" verbauten Reifendruckkontrollsysteme nicht dauerhaft funktionstüchtig sein müssen. Das BMVI schließt sich fachlich dieser Auffassung an. 

Welche Informationen finde ich auf Reifen?

Auf einem Reifen finde ich alle Informationen, die für die sichere Ausstattung des Fahrzeugs wichtig sind. In der Zulassungsbescheinigung ist eine zulässige Reifengröße eingetragen. Über weitere zulässige Reifengrößen kann der Hersteller Auskunft geben. Wichtig: Bei Schneekettengebrauch müssen Sie die richtige Reifengröße beim Fahrzeughersteller erfragen.

Die Kennzeichnung der Reifenflanke /"Kenndaten"

Die Form der Kennzeichnung erfolgt nach folgendem Schema:

195/65R1691HReifennennbreite (in mm)
195/65R1691HHöhen- Breiten-Verhältnis (in %)
195/65R1691HBauart (in diesem Fall Radial)
195/65R1691HFelgendurchmesser (in Zoll)
195/65R1691HTragfähigkeitskennziffer (Last-Index)
195/65R1691HGeschwindigkeitssymbol (Speed-Index)

Reifenbreite

Die Reifenbreite wird in Millimetern angegeben (hier: 195 mm). Sie bezieht sich auf die breiteste Stelle des Reifens im unbelasteten Zustand. Je nach Hersteller kann die reale Reifenbreite fertigungsbedingt um wenige Millimeter von den Angaben abweichen. Zudem ist sie abhängig von der Breite der Felge, auf der der Reifen montiert ist.

Höhen-Breiten-Verhältnis ……/50, /60, /70, /80

An zweiter Stelle steht mit Schrägstrich abgetrennt das prozentuale Verhältnis von Reifenflanke zu Laufflächenbreite (in diesem Fall 65). Man spricht von "65-er Reifen". Ein /65 bedeutet dann, dass die Reifenhöhe 65 Prozent der Reifenbreite ausmacht. Ein /50 bedeutet, dass die Reifenhöhe halb so groß ist wie die Reifenbreite. Je kleiner die Verhältniszahlen, desto niedriger ist die Reifenflanke.

Bauart

"R" steht hier für "Radial". Es handelt sich um die heute übliche Bauart mit radial angeordneten Karkassfäden. 

Felgendurchmesser

Der Felgendurchmesser wird von Felgenrand zu Felgenrand gemessen und wie hier in Zoll 16 angegeben. Die gängigsten Maße reichen von 10 bis 20. Bei speziellen Rad-Reifen-Systemen können die Felgendurchmesser ausnahmsweise in Millimeter angegeben sein.

Tragfähigkeitskennziffer (LI für Last-Index)

Der Last-Index ist eine Kennzahl für die Belastbarkeit des Reifens. Jedem LI-Wert wird, auszugsweise dargestellt in nachfolgender Tabelle, eine bestimmte Belastbarkeit des Reifens bei einem vorgegebenen Luftdruck zugeordnet. Hier "91" steht für 615 Kilogramm bei einem Reifendruck von 2,5 bar. Mit sinkendem Reifendruck nimmt die Tragfähigkeit ab.

Last-Index (LI)

Kilogramm

 50 190
 51 195
 52 200
 53 206
 54 212
 55 218
 57 224
 57 230
 58 236
 59 243
 60 250
 61 257
 62 265
 63 272
 64 280
 65 290
 66 300
 67 307
 68 315
 69 325
 70 335
 71 345
 72 355
 73 365
 74 375
 75 387
 76 400
 77 412
 78 425
 79 437
 80 450
 81 462
 82 475
 83 487
 84 500
 85 515
 86 530
 87 545
 88 560
 89 580
 90 600
 91 615
 92 630
 93 650
 94 670
 95 690
 96 710
 97 730
 98 750
 99 775
 100 800
 101 825
 102 850
 103 875
 104 900
 105 925
 106 950
 107 975
 108 1000
 109 1030
 110 1060
 111 1090
 112 1120
 113 1150
 114 1180
 115 1215
 116 1250
 117 1285
 118 1320
 119 1360
 120 1400

Geschwindigkeitssymbol (Speed-Index)

Kennbuchstabe, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens angibt. Hier: mit einem "H" bezeichnete Reifen erlauben das Fahren mit bis zu 210 km/h.

Den Kennbuchstaben sind nachfolgende Höchstgeschwindigkeiten zugeordnet:

Geschwindigkeitssymbolzul. Höchstgeschwindigkeit in [km/h]
 F 80
 G 90
 J 100
 K 110
 L 120
 M 130
 N 140
 P 150
 Q 160
 R 170
 S 180
 T 190
 U 200
 H 210
 V 240
 VR >210
 W 270
 Y 300
 ZR >240

Witterungskennzeichnung

Für welche Witterungsverhältnisse ein Reifen ausgelegt ist, erfährt man am Symbol M+S: M+S steht für Matsch und Schnee und ist auf Reifen zu finden, die für den Wintereinsatz geeignet sind.

Zusätzliche Aufschriften

Neben den Pflichtangaben findet man auf Reifen noch zusätzliche Aufschriften: 

TL oder Tubeless:Es handelt sich um schlauchlose Reifen.
TT oder Tube Type:Es handelt sich um Reifen mit Schlauch.
T vor der Reifenbreite:Temporary Use – ein Notrad. Höchstgeschwindigkeit beachten!
Produktionsdatum...2510:Das Herstellungsdatum der Reifen findet sich in den letzten vier Ziffern. In diesem Fall die 25. Woche des Jahres 2010.

Kennzeichnung der Reifen durch Aufkleber

Seit dem 1. November 2011 gilt außerdem die Verordnung (EG) Nr. 1222/2009 über die Kennzeichnung von Reifen in Bezug auf die Kraftstoffeffizienz und andere wesentliche Parameter in der Fassung der Verordnung (EU) Nr. 1235/2011.

Die neue Verordnung gilt auch für Winterreifen.

Ziel der Kennzeichnung ist die Steigerung der Sicherheit sowie der wirtschaftlichen und ökologischen Effizienz im Straßenverkehr. Mit der Bereitstellung dieser harmonisierten Informationen zu Reifenparametern werden die Endnutzer in die Lage versetzt, beim Reifenkauf eine sachkundige Wahl zu treffen.

Reifenhändler müssen gewährleisten, dass auf der Lauffläche neuer Reifen ein Aufkleber mit einer Kennzeichnung der Kraftstoffeffizienzklasse, der Nasshaftungsklasse sowie der Klasse des externen Rollgeräuschs deutlich sichtbar auf dem Reifen angebracht ist oder der Aufkleber vor dem Verkauf des Reifens in der Verkaufsstelle gezeigt wird und unmittelbar in der Nähe des Reifens deutlich sichtbar angebracht ist.

Tipps und Hinweise

  • Rüsten Sie Ihr Fahrzeug mit M+S-Reifen aus, wenn Sie auch bei winterlichen Straßenverhältnissen auf ihr Fahrzeug angewiesen sind.
  • Bringen Sie das Schild mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit des M+S-Reifens sichtbar an, wenn der Speed-Index des M+S-Reifens niedriger ist, als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs.
  • Denken Sie auch an Eiskratzer und Besen zum Schnee abfegen sowie einen Türschlossenteiser in Jacke oder Tasche.
  • Säubern Sie alle Scheiben von Eis und Schnee, dies gilt auch für Beleuchtung und Kennzeichen. Zudem müssen auch Schnee und Eis vom Dach entfernt werden, damit diese nicht auf andere Verkehrsteilnehmer herunterfallen oder deren Sicht beeinträchtigen.
  • Überprüfen Sie die Fahrzeugbatterie, damit sie auch bei winterlichen Temperaturen ihren Dienst verrichtet.
  • Füllen Sie das Scheibenwaschwasser auch mit ausreichendem Frostschutz auf.

Trotz "Winterreifen" ist jeder Fahrzeugführer verpflichtet, seine Fahrgeschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Witterungs- und Sichtverhältnissen anzupassen.