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Die neue LL-Sohle für Güterzüge

Quelle: BMVI

Die Verlagerung von Verkehren auf die klimafreundliche Schiene gelingt nur, wenn die Akzeptanz der Bevölkerung und der Anlieger für den Aus- und Neubau von Eisenbahnstrecken erhöht werden kann. Anlieger fürchten insbesondere den vom Schienengüterverkehr ausgehenden Lärm. Der Schutz vor Schienenverkehrslärm gehört daher zu den Kernelementen einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik der Bundesregierung.

Im Mittelpunkt steht dabei die Lärmminderung an der Quelle durch Umrüstung der Bestandsgüterwagen auf lärmarme Bremstechniken. Bis 2020 wird die Bundesregierung den Schienenverkehrslärm halbieren – ausgehend vom Jahr 2008. Vom menschlichen Gehör wird eine Minderung um 10 dB (A) als Halbierung des Lärms empfunden.

Die zweite wichtige Säule zur Erreichung des Halbierungsziels ist der stationäre Lärmschutz an der Strecke.

Die Anpassung der rechtlichen Vorschriften wie z. B. die Abschaffung des Schienenbonus und das Schienenlärmschutzgesetz sind wesentliche Maßnahmen zur Zielerreichung.

Lärmminderung an der Quelle – die Umrüstung auf Verbundstoffbremssohlen

Nach Zulassung der LL-Sohle am 24. Juni 2013 werden auf Verbundstoffbremssohlen (LL oder K-Sohlen) umgerüsteten Güterwagen im Regelbetrieb eingesetzt. Diese Bremstechnik hält die Radlaufflächen glatt. Dadurch verursachen diese Wagen im Betrieb weniger Lärm als Güterwagen, die mit herkömmlichen Grauguss-Bremssohlen ausgerüstet sind. Leise Güterwagen sind bis zu 10 Dezibel leiser als herkömmliche Güterwagen. Das entspricht in der Wahrnehmung durch das menschliche Ohr einer Halbierung des Lärms.

Die Umrüstung der Bestandsgüterwagenflotte wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit 152 Mio. Euro die bis zum Ende des Fahrplanjahres 2019/2020 gefördert. Schon jetzt sind gut 50 Prozent der Güterwagen mit leisen Bremssohlen ausgestattet. Ab Ende 2020 werden Dank des von Bundestag und Bundesrat einstimmig beschlossenen Schienenlärmschutzgesetzes keine lauten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz fahren.

Lärmabhängige Trassenpreise

Seit Dezember 2012 gibt es das lärmabhängige Trassenpreissystem. Der Grundgedanke: einfach und effizient. Laute Wagen zahlen mehr als leise.

Mit den Mehreinnahmen und Zuschüssen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wird die Umrüstung von Güterwagen auf leisere Technik wie Verbundstoffbremssohlen finanziell gefördert. Der Bund stellt dafür bis zu 152 Millionen Euro bereit. Bis 2020 - innerhalb von acht Jahren - soll so die Modernisierung der in Deutschland verkehrenden Güterwagen abgeschlossen sein (neue Güterwagen müssen bereits seit 2005 niedrigere Lärmgrenzwerte einhalten). Bereits heute ist die Lärmminderung hörbar, da nahezu die Hälfte aller auf dem deutschen Netz verkehrenden Güterwagen mit leiser Bremstechnik ausgestattet sind. Ab Ende 2020 werden alle Güterwagen leise sein. Am 30.03.2017 hat der Bundestag einstimmig das Schienenlärmschutzgesetz verabschiedet, wonach ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 keine lauten Güterzüge mehr das deutsche Schienennetz befahren dürfen.

Stationärer Lärmschutz an der Strecke

Der Lärmschutz an der Strecke – zum Beispiel der Bau von Lärmschutzwänden oder der Einbau lärmdämpfender Technik an den Schienen – wird verstärkt. Neue Strecken werden mit Lärmschutz nach den geltenden, hohen Standards gebaut. Die Bundesregierung hat mit dem Gesamtkonzept Lärmsanierung rund 3.700 Kilometer besonders belasteter Güterstrecken identifiziert, die saniert werden. Dafür stehen seit 1999 Mittel im Verkehrshaushalt zur Verfügung. Seit 2016 sind im Bundeshaushalt jährlich 150 Millionen Euro für Lärmsanierung an Schienenwegen vorgesehen. Bisher konnten so rund 43 Prozent dieser Strecken bereits saniert werden. Über Sonderprogramme konnten weitere rund 100 Millionen Euro für die Erprobung innovativer Techniken im konventionellen Lärmschutz und die Lärmminderung in besonders belasteten Abschnitten investiert werden (davon 72 Millionen Euro von 2009 bis 2011 aus dem Konjunkturprogramm II und 27 Millionen Euro in den Jahren 2013 und 2014 aus dem Sonderprogramm Lärmschutz Schiene im Rahmen des Infrastrukturbeschleunigungs-programms II). Mit dem Zukunftsinvestitionsprogramm stehen für die Jahre 2016 bis 2018 weitere Sondermittel zur Verfügung, die in einen besseren Lärmschutz unter anderem an Lärmbrennpunkten sowie in innovative Projekte zur Lärmminderung investiert werden.

Anpassung des Rechtsrahmens

Die modernisierte Schallberechnungsvorschrift Schall 03:

Eine konsequente Einführung des Stands der Technik in die Praxis wurde durch die Änderung der Schallberechnungsvorschrift für den Schienenverkehr erreicht. Die Änderung des Anhangs 2 (Schall 03) der 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (16. BImschV) ist am 01.01.2015 in Kraft getreten. Damit stehen innovative Maß-nahmen zur Lärm- und Erschütterungsminderung wie z. B. Schienenstegdämpfer, niedrige Schallschutzwände, Schienenschmiereinrichtungen sowie zur Brückenentdröhnung zusätzlich zu den schon bisher verwendeten klassischen Lärmschutzwänden zur Verfügung. Zudem wurde die Möglichkeit geschaffen, neue Techniken zu verwenden, die derzeit noch entwickelt werden und akustisch noch nicht anerkannt sind. Mit der überarbeiteten Lärmberechnungsvorschrift Schall 03 setzt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zudem auf eine genauere Berechnung des Schienenlärms.

Seit 1. Januar 2015 abgeschafft: Der Schienenbonus

Zu mehr Lärmschutz an Schienenstrecken trägt auch die Abschaffung des Schienenbonus bei. Bislang wurde Schienenlärm um 5 Dezibel "besser" beurteilt als z. B. Straßenlärm. Dieses Privileg ist seit dem 1. Januar 2015 entfallen. Beim Aus- und Neubau von Schienenstrecken, für die das Planfeststellungsverfahren ab dem 1. Januar 2015 durch die Bekanntmachung der Planauslegung öffentlich gemacht wird, entfällt der Abschlag von 5 dB(A) bei der Festlegung des Beurteilungspegels. Damit werden die Anforderungen an Lärmschutzmaßnahmen beim Bau von Schienenstrecken künftig deutlich angehoben.

Seit 1. Januar 2016: Absenkung der Auslösewerte der Lärmsanierung

Im Haushaltsgesetz 2016 wurde der Auslösewert für Lärmsanierungen um 3 dB(A) abgesenkt. Dadurch haben mehr Anwohner an Bestandsstrecken Anspruch auf Lärmschutz. Es gelten damit für Schienen- und Straßenverkehrslärm die gleichen Auslösewerte. Für Anwohnerinnen und Anwohner von Eisenbahnstrecken kommt es hierdurch zu einem verbesserten Lärmschutz. , Zusammen mit dem Wegfall des Schienenbonus müssen Lärmschutzmaßnahmen damit 8 dB(A) mehr „Leistung“ bringen als noch 2014.

Das Schienenlärmschutzgesetz – Verbot lauter Güterwagen ab dem Fahrplanwechsel 2020/21

Nach Ablauf des Förderprogramms „lärmabhängiges Trassenpreissystem“ zum Ende der Fahrplanperiode 2019/2020 dürfen keine lauten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz verkehren. Um dies zu erreichen, hat der Deutsche Bundestag am 30.03.2017 einstimmig das Schienenlärmschutzgesetz verabschiedet. Das Gesetz verbietet ab dem 13.12.2020 grundsätzlich das Fahren lauter Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz.