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ÖPP-Projekte im Bundesfernstraßenbereich umfassen auch Betrieb und Erhaltung. Denn die Leistungsbereiche Bau und Betrieb sowie Erhaltung und Betrieb sind technisch eng miteinander verbunden. Sollte z. B. in einem Bereich eine mangelhafte Leistung erbracht werden, so kann sich das auf den anderen Leistungsbereich unmittelbar (wirtschaftlich) negativ auswirken.

Würden diese Aufgaben von unterschiedlichen Einheiten erledigt, könnte es in derartigen Situationen zu Konflikten und im Ergebnis zu einer Verlagerung von Risiken kommen. Deshalb ist es vertragsrechtlich und wirtschaftlich sinnvoll, derartige Schnittstellen zu vermeiden. Zudem kann nur bei einer Integration des Betriebsdienstes in den ÖPP-Vertrag - vom ÖPP-Auftragnehmer zentral gesteuert - der Lebenszyklusansatz bereits von Beginn an in allen Leistungsbereichen implementiert werden. Wenn der ÖPP-Auftragnehmer wie beim V-Modell nach der Verfügbarkeit der Strecke für die Verkehrsteilnehmer bezahlt wird, muss er darauf auch Einfluss haben können, d. h. den Betriebsdienst und die Erhaltung selbst gestalten können. Würde der Betriebsdienst durch andere als den ÖPP-Auftragnehmer erbracht, hätte er auf diese Dritten keinen, allenfalls nur begrenzten, Einfluss und könnte damit die Verfügbarkeit der Strecke und damit die Höhe seiner Vergütung nur eingeschränkt beeinflussen. Das dürfte wiederum Risikoaufschläge nach sich ziehen, da der Auftragnehmer die wirtschaftlichen Konsequenzen zu tragen hat, was er nicht beeinflussen kann. Zudem hat auch der öffentliche Auftraggeber ein erhebliches Interesse an der Realisierung einer hohen Verfügbarkeit der Strecke durch den Auftragnehmer, gerade auf hochbelasteten Bundesautobahnen.

Bisher konnten für alle Mitarbeiter von staatlichen Meistereien sozialverträgliche Lösungen gefunden werden: Entweder sind die Mitarbeiter in der Überwachung des ÖPP-Auftragnehmers tätig oder arbeiten an einem anderen (Betriebsdienst-) Standort des öffentlichen Auftraggebers. In einigen Fällen haben Betriebsdienstmitarbeiter aber auch freiwillig einen Wechsel zum ÖPP-Auftragnehmer vorgenommen. Auch bei künftigen ÖPP-Projekten sind sozialverträgliche Lösungen vorgesehen.