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Systematische Brückenertüchtigung
BAB A 7, Ersatzneubau der Sinntalbrücke bei Riedenberg

Quelle: René Legrand

Im Netz der Bundesfernstraßen befinden sich aktuell etwa 39.500 Brücken, die je nach Bauart und Brückenquerschnitt in Teilbauwerke untergliedert werden, so dass insgesamt etwa 51.300 Teilbauwerke mit einer Gesamtlänge von über 2.100 km und einer Gesamtfläche von über 30 Millionen zu betreuen sind.

Die meisten Brücken wurden im Zeitraum von 1965 bis 1985 gebaut, insbesondere fast alle großen Talbrücken in den alten Bundesländern. Für diese Brücken ist aufgrund der starken Zunahme des Schwerverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten quasi eine Nutzungsänderung eingetreten. Dadurch werden die nach damaligen Erkenntnissen erheblichen Belastungsreserven aufgezehrt und die Bauwerke haben teilweise ihre Leistungsgrenze erreicht. Hinzu können bei diesen Bauwerken auch noch bauart- und bauzeitbedingte Defizite der Tragfähigkeit kommen.

Vor diesem Hintergrund besteht die dringende Notwendigkeit, ältere Brücken der Bundesfernstraßen zukunftsfähig zu ertüchtigen. Während die Verkehrsentwicklung beim Neubau von Brücken durch die Anpassung der Verkehrslastmodelle berücksichtigt wird, stellt sich für eine hohe Anzahl der Straßenbrücken im Bestand die Frage, ob deren Tragfähigkeit erhöht werden kann.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat bereits im Jahr 2013 gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und in Abstimmung mit den zuständigen Straßenbauverwaltungen der Länder die "Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen" entwickelt, die seitdem umgesetzt wird. Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Themas wurde der Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Deutschen Bundestages in dem Bericht vom 22. Mai 2013 über das konzeptionelle Vorgehen zur Ertüchtigung der Straßenbrücken informiert.

Die große Anzahl der betroffenen Brücken macht eine Reihung der zu untersuchenden Bauwerke erforderlich. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen und Gutachten sowie nach bundesweiten Erhebungen wurden rund 2.500 Brücken-Teilbauwerke identifiziert, die hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit vordringlich näher zu untersuchen sind. Aufgrund des hohen Anteils an Großbrücken sind mit rund 7 Mio. fast 25 % des Brückenbestandes bezogen auf die Brückenfläche betroffen. Besonders stark betroffene Länder sind Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Die Bauwerke werden zunächst statisch nachgerechnet und müssen je nach Ergebnis instandgesetzt, verstärkt oder erneuert werden. Dabei ist ein bundeseinheitliches Vorgehen wichtig. Die Strategie zur systematischen Ertüchtigung des Brückenbestandes wird länderübergreifend und netzbezogen vorangetrieben. Trotz zahlreicher anstehender Baumaßnahmen sollen Korridore für den Schwerverkehr gewährleistet werden. Für jede Baumaßnahme sind die verkehrlichen Auswirkungen im Vorfeld abzuschätzen und auf ein Minimum zu beschränken. Ziel aller Anstrengungen muss es sein, umfangreiche Verkehrseinschränkungen bis hin zur Sperrung einer Brücke zu verhindern. Da sich viele der zu untersuchenden Brücken im Zuge hoch belasteter Autobahnen und Bundesstraßen befinden, sind neue Maßstäbe für das Bauen im Bestand zu setzen. Die Priorisierung von Maßnahmen soll dabei möglichst auch unter Berücksichtigung verkehrsstarker Korridore erfolgen.

Die erforderlichen Baumaßnahmen zur Instandsetzung, Verstärkung oder zum Ersatzneubau werden sowohl in das Um- und Ausbauprogramm als auch in das "klassische" Erhaltungsprogramm des Bundes eingebracht – das heißt, die systematische Brückenertüchtigung ist Teil der Erhaltungsplanung der Bundesfernstraßen. Die Umsetzung der Strategie zur Brückenertüchtigung ist langfristig angelegt und wird bei Bund und Ländern erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen erfordern.

Die Bundesregierung hat die Investitionen in die Erhaltung der Bundesfernstraßen in den letzten Jahren kräftig aufgestockt. Für das Jahr 2015 stehen insgesamt 2,8 Milliarden Euro Erhaltungsmittel bereit, die in der Finanzplanung bis 2018 auf 3,9 Milliarden Euro erhöht werden sollen. Gemäß den Planungen der Länder sollen von diesen Mitteln in diesem Jahr rund 980 Millionen Euro in die Brückensanierung fließen, 2016 sogar rund 1.130 Millionen Euro und 2017 rund 1.220 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bis ins Jahr 2009 wurden im Schnitt nur rund 330 Millionen Euro pro Jahr in die Reparatur der Bauwerke investiert.

Maßnahmen der Brückenertüchtigung mit einem jeweiligen Bauvolumen über 5 Millionen Euro werden zudem ab dem Haushaltsjahr 2015 in einem eigenen Programm, dem „Sonderprogramm Brückenmodernisierung“ geführt.

Angesichts der hohen Investitionen für die Ertüchtigung des Brückenbestandes und der Vielzahl der betroffenen Bauwerke wurde dem Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages ein Bericht vom 26.Oktober 2015 übergeben, der u. a. über den aktuellen Stand der Umsetzung der Strategie zur Brückenertüchtigung informiert.