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Das deutsche Streckennetz hat eine Betriebslänge von insgesamt 33.600 Kilometern und ist damit das längste in Europa. Der Verkehr ist dicht vertaktet: Jeden Tag sind über fünf Millionen Menschen in rund 26.000 Personenzügen unterwegs, um einen der etwa 5.400 aktiven Bahnhöfe zu erreichen. Hinzu kommt der Schienengüterverkehr, der im selben Netz wie Hochgeschwindigkeitszüge, Regional- und Nahverkehrszüge unterwegs ist.

Nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz tragen die Unternehmen die uneingeschränkte Verantwortung für die Sicherheit des Schienenverkehrs. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), als obere Bundesbehörde, ist Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für die Eisenbahnen des Bundes. Es ist für die Planfeststellung der Betriebsanlagen der Eisenbahnen des Bundes zuständig und überwacht im Rahmen der Eisenbahnaufsicht, ob die Eisenbahnunternehmen ihrer gesetzlich normierten Verantwortung nachkommen und bei der Erstellung, dem Betrieb und der Instandhaltung ihrer Infrastrukturanlagen sowie ihrer Fahrzeuge die geltenden rechtlichen Vorschriften und Sicherheitsanforderungen einhalten. Des Weiteren ist es für die Abnahme und Inbetriebnahme-Genehmigung von Lokomotiven und Personenfahrzeugen sowie Güter-, Maschinen- und Nebenfahrzeugen zuständig.

Das Eisenbahn-Bundesamt bietet exklusiv ein technisches Referendariat in der Fachrichtung „Bahnwesen“ mit den Vertiefungsrichtungen „Bauingenieurwesen“, „Maschinen- und Elektrotechnik“ sowie „Signal-, Telekommunikations- und Elektrotechnik“ an. Dieses Angebot richtet sich je nach Ausbildungsschwerpunkt an Ingenieure der Studiengänge Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik und Nachrichtentechnik. Neben der Vertiefung des Fachwissens, ergänzt um die spezifischen Belange von Eisenbahnbetrieb und -sicherheit, steht insbesondere die Vermittlung von Führungs- und Managementkompetenzen sowie Kenntnissen im öffentlichen und privaten Recht im Fokus der Ausbildung, um die Referendare auf anspruchsvolle Fachaufgaben und Leitungsfunktionen in öffentlicher Verwaltung und freier Wirtschaft vorzubereiten.

Nach Abschluss des Referendariats stehen den Absolventinnen und Absolventen im Eisenbahn-Bundesamt und seinen Außenstellen vielfältige berufliche Möglichkeiten offen. Häufig erfolgt ein Einstieg als Referent für besonders anspruchsvolle Aufgabenfelder im Bereich Planfeststellung und Überwachung bei der Erstellung, dem Betrieb und der Instandhaltung von Ingenieurbau-, Oberbau- und Hochbau- sowie Signal-, Telekommunikations- und Elektrotechnischen Anlagen, Zulassung und Betrieb von Fahrzeugen, Gefahrguttransporte oder Arbeits- und Umweltschutz. Diese Tätigkeit ist oft mit der Vertretung einer Führungs- und Leitungskraft verbunden. Zu den darauf aufbauenden Positionen mit dauerhafter Führungs- und Leitungsfunktion zählen Sachbereichsleitungen an einem der 15 Standorte des Eisenbahn-Bundesamts sowie die Leitung einer der zwölf Außenstellen ebenso wie Referatsleitungen und Abteilungsleitungen in der Zentrale des Eisenbahn-Bundesamts in Bonn. Zu möglichen Aufgabengebieten außerhalb des EBA zählen die Unterabteilung „Eisenbahnen“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Europäische Eisenbahnagentur, die Zertifizierungsstelle für komplexe Eisenbahnsysteme und Komponenten Eisenbahn-Cert sowie die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes, die nach schweren Unfällen im Eisenbahnbetrieb Untersuchungen durchführt bzw. bei gefährlichen Ereignissen, die zu einem schweren Unfall hätten führen können.

Auch jenseits der öffentlichen Verwaltung finden sich für technische Assessorinnen und Assessoren der Fachrichtung „Bahnwesen“ vielfältige Verwendungen: private Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen sowie Hersteller von Eisenbahninfrastruktur und Eisenbahnfahrzeugen bieten interessante berufliche Möglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist die Befähigung zur Eisenbahnbetriebsleitung nach der Eisenbahnbetriebsleiterverordnung, die der Abschluss des Referendariats im Bereich „Bahnwesen“ umfasst. Für einen Einstieg in die abwechslungsreiche Tätigkeit als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter, den jedes Eisenbahnunternehmen für sein Unternehmen bestellen muss, sind damit alle Voraussetzungen gegeben. Darüber hinaus ergibt sich eine Vielzahl von interessanten beruflichen Möglichkeiten in der Bahnindustrie sowie in Ingenieurbüros und Prüfstellen für Bahntechniken.

Das technische Referendariat eröffnet facettenreiche Einblicke in die komplexen Zusammenhänge des gesamten Bahnwesens und bietet die Möglichkeit, das an der Universität erworbene Wissen praktisch anzuwenden und zu vertiefen. Durch die Vermittlung von zusätzlichen Kenntnissen in den Bereichen Verwaltung, Recht und Management sowie von Führungskompetenzen werden die besten Voraussetzungen für die Wahrnehmung von interessanten und verantwortungsvollen Aufgaben und eine abwechslungsreiche berufliche Tätigkeit geschaffen.