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Sie haben Ihr Bauingenieurstudium erfolgreich als Diplomingenieur oder als Master beendet und suchen eine interessante, vielseitige und spannende Beschäftigung? Sie suchen eine Alternative zu einem Ingenieurbüro oder zu einer Bauunternehmung? Dann kann das Stadtbauwesen-Referendariat ein Angebot sein, um sich für den Arbeitgeber „Öffentlicher Dienst“ für Führungspositionen weiter zu qualifizieren.

Öffentliche Bauherren – das sind Städte und Kreise, Landesverwaltungen und öffentliche Unternehmen – vergeben rund zwei Drittel des jährlichen Bauvolumens in Deutschland und realisieren eine Vielzahl von Projekten: Straßen, Brücken, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Bau von U- und Stadtbahnen, Gewässerausbau, Hochwasserschutz und vieles mehr. All dies dient der kommunalen Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger. Ein Milliardenvermögen an technischer Infrastruktur ist zu erhalten und zu modernisieren. Dafür benötigt die öffentliche Bauverwaltung kreative Köpfe mit Engagement und Blick für das Ganze, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

Hierfür werden Sie im Referendariat, das mit einem Traineeprogramm vergleichbar ist,  ausgebildet. Vor dem Hintergrund Ihres im Studium erworbenen Wissens erhalten Sie weitere Kompetenzen, um Projekte im öffentlichen Bauwesen zu planen, zu bauen, zu betreiben und zu steuern. So erhalten Sie zum Beispiel Antworten auf die Frage, wie Projekte in der fachlichen und politischen Diskussion von Ihnen zur Entscheidung gebracht werden. Sie werden für Managementaufgaben qualifiziert und erweitern Ihre Kenntnisse über fachrechtliche Grundlagen: Wann darf gebaut werden, welche Genehmigungen sind erforderlich, woher kommt die Finanzierung, wer soll das Gebaute am Ende betreiben? Und nicht zuletzt dürfen Sie Ihr Arbeitsergebnis überzeugend in Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern vertreten, um diese in den Prozess einzubinden.

Wesentlicher Inhalt des Referendariats ist darüber hinaus die Vermittlung von Führungs- und Leitungstechniken, denn in ihrem zukünftigen Aufgabenbereich arbeiten sie in häufig schon von Beginn an als Vorgesetzte/r eines Teams.

Mehr als jedes Traineeprogramm eines Unternehmens der Privatwirtschaft leisten kann, werden Sie auf Aufgaben bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Arbeitgebern vorbereitet. Denn das Baureferendariat eröffnet Ihnen die Chance, bei nahezu jeder öffentlichen Bauverwaltung in Deutschland arbeiten zu können. Mit dem Abschluss des Assessors öffnet sich für Sie die Tür zu einer Karriere im so genannten Höheren Dienst, an deren Ende zum Beispiel die Leitung eines Tiefbauamtes oder eine Beigeordnetenstelle in einer Kommunalverwaltung stehen kann. Das Referendariat fügt Ihrer mit dem Diplom- oder Masterabschluss erworbenen Qualifikation eine Erweiterung hinzu.

Nicht mehr in jedem Bauingenieurstudium wird das Fach Stadtbauwesen gelehrt. Warum also ein Referendariat im Stadtbauwesen? Das Stadtbauwesen versteht sich als besonders interdisziplinär angelegtes Fachgebiet. Ein Referendariat im Straßenwesen konzentriert sich auf Aspekte des Straßenbaus und im Wasserwesen werden spezielle Belange der Wasserwirtschaft behandelt. Das Stadtbauwesen bildet einen großen fachlichen Rahmen und bündelt die Qualifikation für das Geschehen im öffentlichen Raum z.B. einer Großstadt. Es ist dabei weit mehr als Straßen- und Kanalbau. Handlungsfeld ist die Stadt, die Metropolregion – eine Gebietskörperschaft unterschiedlicher Größe.

Städte erleben seit Jahren eine Renaissance. Viele Menschen sehen ihren Lebensmittelpunkt in den Zentren. Gleichzeitig müssen zahlreiche Städte in vielerlei Hinsicht erneuert werden. Ein verändertes Verständnis von lebenswerter Urbanität erfordert überdachte Herangehensweisen. Manche Städte haben dagegen Einwohner verloren oder befinden sich noch in einem Schrumpfungsprozess – der Stadtumbau muss gestaltet werden. Außerdem stellt die demografische Entwicklung eine große Herausforderung für die kommunale Infrastruktur dar.

Vor diesem Hintergrund ist die Themenvielfalt in der Fachrichtung Stadtbauwesen spannend und breit. Sie reicht vom Erhalt oder Rückbau der technischen Infrastruktur über die Gestaltung des Klimawandels (z.B. durch Risikobetrachtungen für „Urbane Sturzfluten/Starkregenereignisse“ und Hochwasserereignisse mit innovativen Lösungsansätzen), Energieeffizienz und ökologisch-orientiertem Gewässerausbau bis hin zu Fragen zukünftiger Mobilität. Damit verknüpft sind Themen wie städtebauliche Nachverdichtung ohne zusätzliche Verkehrserzeugung, Management des täglichen Verkehrsaufkommens, Ausbau vorhandener ÖPNV-Systeme oder auch neue Mobilitätskonzepte. Anforderungen anderer Fachbereiche wie Stadtentwicklung, Stadtgrün oder Abfallbeseitigung gilt es zu berücksichtigen. Diese Beispiele sollen verdeutlichen, wie vielfältig die Aufgaben einer Bauingenieurinnen oder eines Bauingenieurs mit Staatsexamen im städtebaulichen Geschehen sind. Auf einen Nenner gebracht: Das Stadtbauwesen umfasst ein Vielzahl von Aufgaben, um Städte und Gemeinden – ob groß oder klein – zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Als interdisziplinär verstandenes Fachgebiet erhalten Sie während des Referendariats Einblick in alle relevanten Aufgabenfelder. Dabei ist die Ausbildung als Kombination aus praktischer Tätigkeit und Theorie in Lehrgängen aufgebaut. Einblick in die Praxis erhalten Sie u.a. in kommunalen Tiefbauämtern, beispielsweise im Entwurf für Brücken oder in der Bauaufsicht im Straßenbau. Sie lernen die Aufgaben einer Wasserbehörde genauso kennen wie die Planungsaufgaben einer Stadt. Auch öffentliche Betriebe für Abwasserbeseitigung, Wasserversorgung oder Abfallbeseitigung gehören zum Spektrum der möglichen Ausbildungsstationen. Darüber hinaus können Sie Aufgabenfelder auf Kreis- oder Landesebene kennenlernen. Die einzelnen Stationen unterscheiden sich dabei in Länge und Aufgabenumfang und sollen den Referendarinnen und Referendare die gesamte Bandbreite der kommunalen Aufgaben näher bringen.

Ausbildungsbegleitende Seminare und Lehrgänge versorgen Sie mit den nötigen Kenntnissen im allgemeinen Verwaltungsrecht, Fachrecht, dem Finanzwesen, Staatsrecht sowie Zivil- und Bauvertragsrecht. Hierzu besuchen Sie Seminare auf Bundesebene, bei denen sie zusammen mit Referendaren aus anderen Bundesländern und zum Teil anderen Fachrichtungen unterrichtet werden. Die Referentinnen und Referenten kommen in der Regel aus der Praxis, so dass die Stoffvermittlung einen starken Anwendungsbezug hat. Öffentliche Haushalte sind heutzutage genauso wie in Unternehmen der freien Wirtschaft aufgestellt – auch die hierzu notwendigen Kenntnisse werden ihnen vermittelt. Die Lehrinhalte reichen von der Organisations- und Führungslehre über die Durchführung von Genehmigungsverfahren (z.B. Planfeststellungsverfahren) bis hin zu Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Projekten. Das erfolgreich absolvierte technische Referendariat qualifiziert die technischen Assessorinnen und Assessoren für die Übernahme von herausfordernden Aufgaben bei Landesbehörden, Städten, Kreisen oder sonstigen öffentlichen Arbeitgebern. Auch Ingenieurbüros oder andere Unternehmen der freien Wirtschaft sind aufgrund der speziellen Qualifikation an den Absolventinnen und Absolventen interessiert und bieten vielfältige Beschäftigungsfelder.