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Schriftzug mit "Innovation der Woche Nr. 1"

Quelle: BMVI

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen regelmäßig das Fahrrad, auch für die Fahrt
zur Arbeit bzw. Ausbildungsstätte. Das gaben immerhin 39 Prozent der Befragten einer
Studie des Marktforschungsunternehmens Sinus* an. Allerdings kombiniert davon nur knapp
jeder Dritte Rad und ÖPNV. Als Hauptgrund dagegen wurde mit 52 Prozent das Fehlen von
sicheren Stellplätzen an Bahnhöfen und Haltestellen genannt.

Fahrradständer, meist in Form von in den Boden eingelassenen Stahlbügeln, gibt es bereits
an vielen Bahnstationen. Unbewacht und nicht überdacht bieten sie jedoch keinen
ausreichenden Schutz vor Diebstahl und Witterung – für viele Pendler keine geeignete
Möglichkeit, ihr Rad für einen längeren Zeitraum zurückzulassen. Ohnehin sind die
Stellflächen vielerorts voll ausgelastet, "wild" geparkte Fahrräder blockieren häufig
Rettungswege und behindern Fußgänger, besonders solche mit Gepäck oder Kinderwagen
und Rollstuhlfahrer.

Diese Situation herrschte auch am Bahnhof von Offenburg in Baden-Württemberg. Darum
entwickelte 2013 die Stadt gemeinsam mit dem Unternehmen Nussbaum Technologies das
"Radhaus", ein vollautomatisches Parkhaus für Fahrräder. Von außen nicht zugänglich, bietet
das Gebäude auf einer Grundfläche von 55 Quadratmetern 120 Stellplätze in einzelnen
Boxen. Die Nutzung erfolgt für registrierte Nutzer per Chipkarte. Das System verteilt
eingestellte Räder selbstständig auf fünf Etagen und verwahrt sie bis zur Abholung
diebstahlsicher und wettergeschützt. Das Projekt überzeugte auch die Jury des jährlich
verliehenen Deutschen Fahrradpreises und gewann 2015 in der Kategorie "Infrastruktur" den
zweiten Platz.

Mit der steigenden Verbreitung von hochwertigen Rädern und Pedelecs erhöht sich in
Zukunft nicht nur bei Pendlern der Bedarf nach angemessenen Abstellmöglichkeiten, wie sie
das "Radhaus" bietet. In Offenburg hat sich die Anlage erfolgreich etabliert. Nachdem eine
Warteliste für die Plätze angelegt werden musste, denkt man mittlerweile über den Bau
eines zweiten Fahrradparkhauses am Bahnhof nach.

Die Reihe "Innovation der Woche" stellt in 20 Teilen besondere Projekte der "Landkarte der
innovativen Orte" vor. Beide sind Teil der Jubiläumskampagne "200 Jahre Fahrrad – made in
Germany" des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

*Quelle: Fahrrad-Monitor Deutschland 2015, durchgeführt von Sinus Markt- und
Sozialforschung GmbH; gefördert durch das BMVI. N=2.000


Das Unternehmen:
Die Planung und Umsetzung des Radhauses erfolgte durch das in Kehl-Sundheim ansässige
Unternehmen Nussbaum Technologies GmbH. Das Projekt wurde von der Stadt Offenburg
finanziert und mit Fördermitteln unterstützt, Betreiber ist die TGO - Tarifverbund Ortenau
GmbH.