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Bundesminister Dobrindt
Bundesminister Dobrindt

Quelle: BMVI

Das Weltverkehrsforum in Leipzig ist die Denkfabrik für die Verkehrsströme der Zukunft. Dort diskutieren Verkehrsminister mit Wissenschaftlern und Experten über Lösungen für die Zukunft. SUPERillu sprach mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) über die Mobilität in einer vernetzten Welt - und dem Fahren ohne Fahrer.

Was erwarten Sie vom Weltverkehrsforumin Leipzig?

Das Weltverkehrsforum ist eine Ideenschmiede für die Verkehre der Welt. Minister, Wissenschaftler und Experten aus der Praxis – alle bringen sich dabei ein. Dieses Jahr steht der Sprung zur Mobilität 4.0 im Mittelpunkt der Gespräche. Wir wollen die Chancen, die in der Digitalisierung der Mobilität stecken, voll ausschöpfen. Für einen sicheren, leistungsfähigen und umweltfreundlichen Verkehr. Das achte Treffen fällt in das Jahr, in dem die Stadt Leipzig ihren 1000. Geburtstag feiert. Ich freue mich sehr, auch in diesem historischen Jahr Gastgeber für das Weltverkehrsforum zu sein.

Konnte es in der Vergangenheit bereits Impulse setzen?

Das Weltverkehrsforum hat sich als die wichtigste, verkehrsträgerübergreifende internationale Konferenz etabliert. Dieses Jahr treffen sich rund 1.100 Vertreter aus 70 Staaten, mehr als jemals zuvor. Die Zahl der Mitgliedsstaaten des Weltverkehrsforums steigt auf 57: Argentinien, Israel und Marokko kommen neu dazu. Gemeinsam erarbeiten wir in Leipzig Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: zunehmende Verkehre, mehr Sicherheit im Straßenverkehr und natürlich die Digitalisierung als Mega-Thema. Ein Schlüssel liegt in der Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und der Straße bzw. zwischen den Fahrzeugen untereinander – also der vernetzten Mobilität.

Wann kommt das erste selbstfahrende Fahrzeug?

Das selbstfahrende Auto ist keine Science-Fiction mehr. Teilautomatisierte Autos fahren schon heute auf den Straßen. Assistenzsysteme übernehmen immer mehr Aufgaben des Fahrers: vom Einparken über Abstand zum Vordermann bis zur Einhaltung von Geschwindigkeitsgrenzen. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden hochautomatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr unterwegs sein, bei denen der Fahrer das Steuer nicht mehr permanent überwachen muss. Das ist eine Entwicklung, die unseren Straßenverkehr sicherer und effizienter machen wird. Staus werden reduziert, die Verkehrssicherheit erhöht und die Infrastruktur optimaler ausgelastet.

Wie unterstützen Sie Forschung und Entwicklung?

Mit meinem Ministerium richte ich zum Beispiel ein Digitales Testfeld auf der A9 in Bayern ein. Unsere Autoindustrie hat die attraktivsten Produkte in der Welt. Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt von der Autoindustrie ab. Auch beim automatisierten Fahren muss unsere Autoindustrie weltspitze bleiben. Wir wollen als führendes Automobilland Vorreiter werden für die Mobilität 4.0, dem nächsten großen digitalen Innovationsfeld.

Das heißt?

Jetzt geht es darum, die Voraussetzungen für den Übergang vom teilautomatisierten zum hochautomatisierten Fahren zu schaffen – also für die nächsten Entwicklungsschritte. Im Bundesverkehrsministerium haben wir einen Runden Tisch "Automatisiertes Fahren" ins Leben gerufen. Mit Vertretern von Industrie und Wissenschaft erarbeiten wir eine gemeinsame Position zu einer Vielzahl grundlegender Fragen, die sich durch das automatisierte Fahren ergeben, zum Beispiel Haftungs- und Versicherungsfragen. Bis zur IAA im September werde ich erste Eckpunkte vorlegen, mit dem wir dem automatisierten Fahren in Deutschland weitere Dynamik verleihen.

Trotzdem, amerikanische Internetkonzerne geben den Takt vor …

… auf den sich die deutschen Autobauer aber bereits eingestellt haben. Wir befinden uns an einer Weggabelung. Die deutschen Autohersteller müssen und werden ihre Marktführerschaft in der digitalen Zeit verteidigen. Zur Aufgabe unserer Industrie gehört es, darauf zu achten, dass wir nicht zur digitalen Kolonie werden. Wir dürfen nicht von Datenkonzernen in Amerika wie Google abhängig sein. Sonst findet die Wertschöpfung in den USA und nicht mehr in Deutschland stat