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Bundesminister Alexander Dobrindt
Bundesminister Alexander Dobrindt

Quelle: BMVI

Wozu ein neues nationales Hafenkonzept? Das vorherige von Minister Tiefensee aus dem Jahre 2009 ist doch noch gar nicht vollständig umgesetzt.

Die Welt ändert sich rasant: politisch, wirtschaftlich, digital. Die deutschen See- und Binnenhäfen stehen vor großen Herausforderungen. Deshalb ist es notwendig, das Nationale Hafenkonzept weiterzuentwickeln. Deutschland ist eine der weltweit größten Schifffahrtsnationen, die maritime Wirtschaft hat ein jährliches Umsatzvolumen von mindestens 50 Milliarden Euro. Diese Spitzenposition wollen wir halten. Wir machen unsere Schifffahrt fit für das global-digitale Zeitalter. Das neue Nationale Hafenkonzept ist dabei der strategische Leitfaden.

Was ist das Ziel und wie viel Geld wird der Bund in den nächsten Jahren in die Hand nehmen, um die Häfen an Nord-und Ostsee wettbewerbsfähiger zu machen? Die Wettbewerber in Polen oder den Niederlanden schlafen nicht.

Das stimmt, aber auch wir sind hellwach. Deutschland wird mit dem Nationalen Hafenkonzept die Produktivität im maritimen Bereich weiter steigern. Die Bundesregierung bringt eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg. Zum Beispiel starte ich ein Förderprogramm für innovative Hafentechnologien, mit einem Volumen von 20 Millionen Euro. Damit finanzieren wir die Digitalisierung der Häfen, den Auf- und Ausbau von Breitband sowie Forschungs- und Technologieprogramme. Für die Schienenanbindung der Häfen habe ich zudem ein erfolgreiches Ausbauprogramm gestartet – Volumen: 350 Millionen Euro.

Wie haben Sie Reeder, Hafenbetreiber, WSV, die Deutsche Bahn oder Gewerkschaften mit in Ihr Konzept eingebunden?

Die Stärke des Nationalen Hafenkonzeptes ist, dass wir alle wichtigen Akteure einbinden. Wir haben eine Steuerungsgruppe gegründet, die die Fortschritte der Umsetzung unserer Maßnahmen regelmäßig überprüft und nötigenfalls nachsteuert.

Was genau passiert mit den Häfen in Kiel, Lübeck und Rostock sowie den entsprechenden Hinterlandanbindungen? Oder geht der Löwenanteil für den Hamburger Hafen drauf?

Der Hamburger Hafen ist der umsatzstärkste, aber auch die Häfen in Kiel, Lübeck und Rostock sind für die maritime Wirtschaft außerordentlich wichtig. Laut unserer Seeverkehrsprognose werden die deutschen Seehäfen auch 2030 den Güterumschlag in der Ostsee dominieren, während die Nordseehäfen von der starken Bindung an die Wachstumsmärkte in Asien und Amerika profitieren. Um diese hervorragende Wettbewerbsposition zu halten, wird die maritime Hafenwirtschaft ihre Umschlagkapazitäten erweitern.

Der Rostocker Überseehafen braucht dringend eine Fahrrinnenvertiefung. Wann kommt die?

Der Seehafen Rostock ist der einzige deutsche Tiefseewasserhafen an der Ostsee. Mit einer Vertiefung des Seekanals kann seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den europäischen Mitbewerbern gestärkt werden. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat das Vorhaben deshalb für den neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) angemeldet. Das Projekt wird nun bewertet und die Priorisierung gerade intensiv geprüft. Die Ergebnisse gilt es abzuwarten.

Welche Perspektiven sehen Sie für kleinere Ostsee-Häfen wie Wismar, Stralsund oder Sassnitz/Mukran?

Kleinere Ostsee-Häfen sind nach wie vor gut im Konzert der großen deutschen Häfen platziert, sie können beispielsweise im Kurzstreckenverkehr punkten oder auch bestimmte Spezialisierungen bedienen. Da geht es unter anderem um den Transport von Massengütern, Trailern sowie Projekt- und Schwerlastgütern. Eine breite Hafenlandschaft hält den Kurzstreckenseeverkehr attraktiv.

Das Interview führte Reinhard Zweigler.