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Nutzfahrzeuge verursachen derzeit etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor. Insbesondere der heute nahezu ausschließlich mit Dieselkraftstoff betriebene schwere Straßengüterfernverkehr ist aufgrund der hohen Fahrleistungen ein großer Verursacher von CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr. In diesem Bereich sind durch effizientere Antriebseinheiten, optimierte Abgasreinigungstechnik und eine verbesserte Kraftstoffqualität im Vergleich zu 1995 die spezifischen Emissionen pro Verkehrsaufwand (je Tonnenkilometer) gesunken. Die Verkehrsleistung des Straßengüterverkehrs hat seitdem jedoch um circa 80 Prozent zugenommen (Quelle: UBA).

Im schweren Straßengüterverkehr eingesetzte Nutzfahrzeuge erbringen regelmäßig eine hohe jährliche Fahrleistung. Die Einsatzdauer der Fahrzeuge ist dementsprechend vergleichsweise kurz. Ein Flottenaustausch zugunsten alternativer Antriebstechnologien kann somit ein wirksamer Hebel zur Verringerung von CO2-Emissionen des Verkehrssektors sein.

Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben – das sind batterieelektrische Antriebe, Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe und hybride (Oberleitungs-)antriebe – sind derzeit noch selten im Praxiseinsatz auf der Straße zu entdecken. Während leichte Nutzfahrzeuge (LNF, bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht) mit batterieelektrischen Antrieben bereits in größeren Stückzahlen auf dem Markt sind, befinden sich bei schweren Nutzfahrzeugen (SNF, ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht) alternative Antriebe momentan überwiegend noch in einem Entwicklungs- beziehungsweise Vorserienstadium. Zudem ist die erforderliche Tank-, Lade- und Oberleitungsinfrastruktur derzeit vielfach nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

Für den schweren Straßengüterverkehr formuliert das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung das Ziel, dass bis 2030 etwa ein Drittel der Fahrleistung elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe erbracht werden soll.

Informationen zu dem Themenbereich „Klimaschutz bei Bussen“, die ebenfalls zu den Nutzfahrzeugen zählen, finden Sie auf der Seite „Öffentlicher Verkehr“.

Lkw auf einer Landstraße

Quelle: Adobe Stock / m.mphoto

Klimaschutzmaßnahmen

Die europäische Gesetzgebung bildet den Rahmen für die nationalen Klimaschutzaktivitäten im Nutzfahrzeugbereich: Die EU-Verordnungen (EU) 2019/1242 und (EU) 2019/631 legen die CO2-Flottenzielwerte für neue Nutzfahrzeuge fest. Danach sollen die CO2-Emissionen bei schweren Nutzfahrzeugen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent sowie bei leichten Nutzfahrzeugen um 31 Prozent reduziert werden.

Zur Erreichung des nationalen Ziels, dass 2030 ein Drittel der Fahrleistung der schweren Nutzfahrzeuge elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe erbracht werden soll, wird die europäische Flottenzielsetzung durch nationale Maßnahmen ergänzt. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung enthält deshalb ein integriertes Maßnahmenpaket zur weiteren Verringerung der Treibhausgasemissionen im Straßengüterverkehr. Es bildet das Grundgerüst für die Ausrichtung der Klimapolitik im Bereich der alternativen Antriebe im Straßengüterverkehr in Deutschland bis 2030 und besteht aus den Elementen Fahrzeugförderung, Infrastrukturaufbau und regulatorische Rahmenbedingungen.

In dem im November 2020 vom BMDV veröffentlichten Gesamtkonzept klimafreundliche Nutzfahrzeuge wird die weitere Ausgestaltung der drei Elemente skizziert und der Weg für eine zielgerichtete Umsetzung der Maßnahmen aufgezeigt. In die Umsetzung der Maßnahmen werden die praktischen Erfahrungen aller relevanten Akteure eingebunden. Das BMDV setzt für diese gemeinsame Umsetzung Ad-hoc-Task-Forces ein, die offene technologieübergreifende und spezifische Fragestellungen klären werden. Die erste Task-Force im Rahmen der Umsetzung des Gesamtkonzepts klimafreundliche Nutzfahrzeuge hat den Themenbereich „Mindeststandards bei der Umrüstung von Nutzfahrzeugen auf alternative Antriebe“ adressiert und in einem Ergebnisbericht veröffentlicht. Weitere Task-Forces befinden sich in der Vorbereitung und werden folgen.

Im Bereich der Fahrzeugförderung unterstützte das BMDV seit Juli 2018 mit der Förderrichtlinie für Energieeffiziente und/oder CO2-arme schwere Nutzfahrzeuge „EEN“ die Anschaffung von mautpflichtigen Nutzfahrzeugen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mit Erdgas- (Compressed Natural GasCNG, Liquefied Natural GasLNG), Batterie- und Wasserstoffantrieb. Bezuschusst wurden die Investitionsmehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrzeug bis zu einer Höhe von 40 Prozent. Die Förderrichtlinie EEN ist zum 31.03.2021 außer Kraft getreten.

Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb wurden durch die Bundesregierung seit 2007 im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP I und II) gefördert. Die Maßnahmen im NIP umfassen dabei die Entwicklung, Marktvorbereitung und Beschaffung von Brennstoffzellentechnologien für den Einsatz im Verkehr, u. a. in Nutzfahrzeugen.

In den kommenden Jahren wird die Fahrzeugförderung durch ein neues Förderprogramm deutlich ausgeweitet: Basierend auf einer neuen Förderrichtlinie für Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben (Batterie-Fahrzeuge, Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge sowie von außen aufladbare (Oberleitungs-) Hybridelektro-Fahrzeuge) und dazugehöriger Tank- und Ladeinfrastruktur sollen zukünftig Investitionsmehrausgaben bei der Fahrzeug- und Infrastrukturbeschaffung mit 80 Prozent gefördert werden. Die Richtlinie befindet sich derzeit zur Notifizierung bei der Europäischen Kommission.

Um die notwendigen Voraussetzungen für eine Marktdurchdringung von klimafreundlichen Nutzfahrzeugen zu schaffen, steuert das BMDV zudem den Aufbau einer mit dem Fahrzeughochlauf abgestimmten Tank- und Ladeinfrastruktur. Im ersten Schritt werden in einer Skalierungsphase bis 2023/2024 für batterieelektrische Antriebe, Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe und hybride Oberleitungsantriebe unter anderem die praktische Einsetzbarkeit in realen logistischen Prozessen erprobt und konkrete Pläne für einen flächendeckenden Aufbau der erforderlichen Infrastruktur erarbeitet. Am Ende der Skalierungsphase sollen basierend auf den erarbeiteten Ergebnissen Pfadentscheidungen über den Einsatz der Technologien getroffen werden. In der sich anschließenden Roll-out-Phase erfolgt bis 2030 der koordinierte bundesweite Aufbau der benötigten Energieversorgungsinfrastrukturen.

Bis 2024 stehen für die Förderung von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben Haushaltsmittel in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro und für den Ausbau der Tank-, Lade- und Oberleitungsinfrastruktur (Pkw und Nutzfahrzeuge) Mittel in Höhe von rund 5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Das BMDV schafft überdies geeignete regulatorische Voraussetzungen für umweltfreundliche Nutzfahrzeuge, indem es sich für eine Differenzierung der Lkw-Maut nach dem CO2-Ausstoß der Fahrzeuge ab 2023 einsetzt.

Erstmalig soll ein vom CO2- Ausstoß abhängiger Aufschlag auf die Lkw-Maut erhoben werden. Dagegen sollen Lkw, die nur wenig oder gar kein CO2 emittieren, eine Ermäßigung der Infrastrukturgebühr von bis zu 75 Prozent gegenüber der Infrastrukturgebühr für die emissionsstärksten Fahrzeuge erhalten. Für diesen Mechanismus setzt sich das BMDV bei der Novellierung der Eurovignettenrichtlinie auf europäischer Ebene ein.

Weitere aktuelle Informationen zu Klimaschutzaktivitäten im Bereich der Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben sind auf www.klimafreundliche-nutzfahrzeuge.de zusammengestellt.