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30D-Geschichte von Julian Braun & Dr. Katharina Köhler-Braun

Quelle: BMVI

  • Julian hat Poster gemeinsam mit seiner Mutter erstellt, mit Unterlagen, Fotos und Erinnerungen („Mum, was ist die DDR für dich?“).
  • Frau Dr. Köhler-Braun schrieb eine Geschichte über einen Advent 1980.

    • Familie erhielt großes Adventspaket von Tante Brigitte aus dem Westen.
    • Alle bekamen Geschenke, nur Katharina nicht.
    • Erst war sie traurig, dann entdeckte sie durch Zufall, dass sich hinter dem letzten Türchen im Adventskalender eine Schallplatte von Peter Maffay versteckte.
30D-Geschichte von Julian Braun & Dr. Katharina Köhler-Braun

Quelle: Privat - Katharina Köhler-Braun

30D-Geschichte von Julian Braun & Dr. Katharina Köhler-Braun

Quelle: Privat - Julian Braun

Ihr Wettbewerb „30D – Wege durch Deutschland“

Liebes Team rund um den 30D-Wettbewerb,

dreißig Jahre Mauerfall ... dieses Thema kenne ich nur aus dem Geschichtsunterricht bzw. aus dem Medien und aus Erzählungen. Um an Ihrem Wettbewerb teilzunehmen, habe ich nun meine Mutter gefragt, was sie mit dem Thema verbindet. Sie hat in ihren alten Unterlagen, Fotos und Erinnerungen gekramt und ich habe sie zusammengestellt, das Ergebnis sehen Sie auf dem beigefügten Poster.

Sicherlich spiegelt dieses Bild nur ihre persönlichen Eindrücke, doch für mich war es eine tolle Ergänzung zu den Berichten aus Geschichtsbüchern und Medien und ich hatte Spaß, meiner Mutter beim Schwelgen in schönen Erinnerungen zuzuhören und die Geschichten so – wenn auch nicht selbst – zu „erleben“.

Ich hoffe nun, dass auch Sie Freude beim Betrachten und Lesen meines Plakates haben und vielleicht die eine oder andere Erinnerung bestätigt bekommen.

Über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Julian Braun

30D-Geschichte von Julian Braun & Dr. Katharina Köhler-Braun

Quelle: Beitrag - Julian Braun

30 Jahre Mauerfall
- Aktion des BMVI zum Jahrestag –
Meine Geschichte für Sie

Roewisch im Vogtland, Advent 1980, ich war zwölf.

Es war also nun Ende November und vor uns stand das große Adventspaket von Tante Brigitte aus dem Westen, das soeben angekommen war. Ich machte große Augen, da es fast schon wie Weihnachten war, vor dieser großen Überraschungskisten zu sitzen. Auch meine Mutter war voller Vorfreude.

Also lösten wir die Kordeln, zerschnitten das Packband und öffneten das Paket. Was es dort alles zu sehen gab und was für uns in der DDR sonst unerreichbar gewesen wäre:

Zunächst die Ananas-Konserven. Die waren wichtig, weil meine Mutter zu besonderen Anlässen immer Toast Hawaii – nach West-Rezept – für uns zubereitete. Das Rezept kam von Brigitte und auch dieses Jahr zu Weihnachten sollte es wieder Toast Hawaii geben. Bei uns kosteten Ananasscheiben 18 Ost-Mark, unvorstellbar und fast unerreichbar.

Dann natürlich die Kokosraspeln. Dezember ist die Zeit des Backens und da Kokosraspeln nun mal zu Mamis Lieblingsplätzchenrezept gehörten, kamen diese gerade recht.

Auch das Sahnesteif, das zum Vorschein kam, war unbezahlbar, zum Beispiel für die Eistorte ohne Eis (ja, die gibt es wirklich), die meine Mutter immer zu besonderen Anlässen zubereitete.

Als weitere Lebensmittel kamen noch Schokolade und Nutella zum Vorschein. Haben Sie schon mal DDR-Schokolade gegessen? Wenn nein, ist es besser so. So schokoladig wie Milka-, Sarotti- oder Lindt-Schokolade schaffte es keine unserer ostdeutschen Sorten. Eher muffig und alt war der Geschmack.

Auch Kaffee war in dem Paket. Kein Gemisch aus Bohnenkaffee, Malzkaffee, Zichorie und Getreidekörnern als Streckmittel, wie es ihn bei uns in den Geschäften gab, sondern einfach nur frisch gemahlene Kaffeebohnen. Wie die schon rochen ... wunderbar!

Auch meinem Bruder wurde sein Herzenswunsch erfüllt. Die brandneue Levi’s und nicht die zweckmäßigen Standardhosen hier aus dem Kaufhaus. Mein Bruder, Rainer, war glücklich, zog mit seiner Hose ab und trug sie ab nun fast Tag und Nacht (wirklich!).

Für die Tochter meines Bruders kam dann das heißersehnte Monchichi zum Vorschein. Monchichis waren in der BRD gerade Kult und wer eines auch in der DDR sein eigen nennen durfte, war überglücklich, denn „Tiemi“ (das ähnliche DDR-Pendant aus der Spielzeugfabrik in Sonneberg) war leider nur ein Abklatsch des Originals.

Mein Vater bekam seine Schnitzmesser und das Holzschutzmittel, das zum Anstreichen unseres Zaunes schon lange auf seiner Wunschliste stand. Auch Holzschutzmittel – so unglaublich es klingt – war eine der sog. Bückwaren, die es nur unter der Hand gab und für die sich der Verkäufer unter den Ladentisch bücken musste und die – sollte man Glück haben, und welche ergattern – in ihrer Qualität sehr zu wünschen übrig ließen.

Der Karton wurde somit immer leerer und leerer und meine Enttäuschung wuchs. Hatte Tante Brigitte mich denn vollkommen vergessen? Waren meine ganzen Herzenswünsche unerhört geblieben?

Was schließlich noch im Karton übrig blieb, war ein Adventskalender, gefüllt mit Schokoladenstückchen, eines für jeden Tag im Advent.

Ja, das war schön und ich versuchte auch, mich zu freuen, doch so richtig gelang es mir nicht, hatte ich doch damit gerechnet, dass auch ich irgendetwas Unerreichbares als Überraschung bekommen würde.

Ich guckte nun also jeden Tag in diesem Dezember 1980 in meinen Adventskalender und lutschte mein Schokoladenstück.

An Heiligabend öffnete ich das letzte Türchen und wollte danach den Adventskalender zur Seite stellen. Doch dieser war noch ungewöhnlich schwer. „Komisch“, dachte ich. „Die ganze Schokolade verdrückt und eigentlich ist doch nur noch Papier und Pappe übrig?!"

Die Sache ließ mir keine Ruhe. Ich untersuchte den Adventskalender von vorne, von hinten, nichts schien auffällig und trotzdem war er unverhältnismäßig schwer.

Ich ließ also nicht locker und zerlegte den Adventskalender in seine Einzelteile. Ich öffnete die Falz und zog den Schokoladenstückchenhalter aus Plastik heraus. Und da geschah es: Nicht nur diese Plastikform kam mir entgegen, sondern auch noch eine große Überraschung, und zwar die neue Schallplatte von Peter Maffay „Revanche“, die ich mir so aus vollem Herzen gewünscht hatte.

Weihnachten 1980 war also die Platte „Revanche“ von Peter Maffay meine „Scheibe vom Glück“, im wahrsten Sinne des Wortes, und ich war überglücklich.

Herzliche Grüße

Ihre Kathrina Köhler- Braun