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30D-Geschichte von Hans Joachim „Hajo“ Busch

Quelle: BMVI

  • Sah Ostberlin Ende November 1989 das erste Mal bei einer Dienstreise.
  • Hat sich eine lang gewünschte Weihnachtspyramide gekauft, die aufgrund des Wechselkurses sehr günstig war.
  • Hat mit einer Frau Geld getauscht und diese später zum Essen eingeladen.
  • Hat später Mitarbeiter*innen des DDR-Verkehrsministeriums umgeschult.
30D-Geschichte von Hans Joachim „Hajo“ Busch

Quelle: Privat - Hans Joachim Busch

30 Jahre Mauerfall; was mich bei diesen Worten besonders bewegt!

Mein Name ist Hans Joachim Busch, immer noch wegen meiner Vortragstätigkeit als „Hajo Busch“ bekannt!

Ich bin als RD am 31.8.2000 nach 33-jähriger Tätigkeit im damaligen BMVBW Bonn in den Ruhestand gegangen. Letztes Amt = Vertreter im Referat „Transport gefährlicher Güter“.

Zur Zeit wohne ich in Hamburg und arbeite dort immer noch für den Rechtsbereich „Transport gefährlicher Güter“, als Sachverständiger, Fachjournalist und Gefahrgutbeauftragter S, E u M.

Bei Beginn der Wiedervereinigung von BRD und DDR mit dem Mauerfall am 3.11.1989 habe ich mich in Stockholm (Teilnahme an einer internationalen Konferenz zum MOU) aufgehalten. Ich habe den Mauerfall also nur aus der Ferne beobachten können!

Erst Ende November hatte ich dienstlich wieder in Berlin zu tun und habe während des mehrtägigen Aufenthaltes erstmalig den Osten der Stadt besucht. Hierbei hatte ich ein besonderes Erlebnis, an das ich immer wieder gerade in der Adventzeit erinnert werde und welches ich als meinen besonderen persönlichen Beitrag zur Wiedervereinigung ansehe!

Erstmalig sah ich das Brandenburger Tor von der Ostseite aus und bin dann „Unter den Linden“ bis zum Alexanderplatz durchgegangen. Sehr erstaunt war ich über die gut erhaltenen historischen Bauten!

Plötzlich sah ich in einem Geschäft eine Weihnachtspyramide für einen Preis um ca. 220 Ostmark. Die Westmark wurde zu dem Zeitpunkt unter der Hand mit 1:10 gehandelt! Eine unheimlich günstige Gelegenheit, eine schon lange gewünschte Weihnachtspyramide zu kaufen. Als ich bezahlen wollte, erklärte mir der Ladeninhaber, dass ich nur mit Ostmark bezahlen könne! Diese hatte ich aber nicht! Das hatten andere Käufer mitbekommen und boten mir sofort den Umtausch meiner Westmark in Ostmark an. Ich entschied mich für eine charmante Dame, bekam die benötigten Ostmark und konnte die Weihnachtspyramide damit sehr günstig erstehen!

Der Dame bot ich als Dank an, mit mir essen zu gehen. Sie nahm die Einladung für den nächsten Tag mit dem Vorschlag an, dass es sich um ein chinesisches Essen handeln sollte! Gleichzeitig schlug Sie als Treffpunkt ein in der Nähe liegendes Inter-Hotel vor. Gesagt getan! Am nächsten Abend wurde ich nicht müde, die heute besonders hübsch aufgemachte Dame gut zu unterhalten und zu allem Möglichen (Essen und Trinken) zu animieren, da ich davon ausging, bei dem derzeitigen Umrechnungskurs sehr günstig davon zu kommen! Ich wusste nicht, dass in einem Inter-Hotel die Preise schon zu diesem Zeitpunkt in Westmark zu begleichen waren. Damit wurde es eine ganz schön teure Einladung! Hinzu kam, dass ich als Bonner die Bekanntschaft mit meinem Gast nicht aufrechterhalten wollte, weil diese in einem DDR-Ministerium tätig war, zu dem ich damals keine Berührung haben wollte.

Meine Sitzungsteilnehmer in West-Berlin haben sich am nächsten Tag ganz schön über meine Naivität amüsiert!

Folgendes ist dabei zu berücksichtigen: In der Vergangenheit durfte ich die damalige DDR (einschließlich des Ostsektors Berlin) wegen meiner Tätigkeit (u.a. „streng geheim“ verpflichtet) nicht betreten. Nach Berlin bin ich jahrelang ausschließlich auf dem Luftweg gelangt.

Ich habe die DDR und ihre Vertreter nur während internationaler Konferenzen insbesondere bei der UNECE in Genf und IMO in London dadurch kennengelernt, dass ich wegen eines Einspruchs des DDR-Vertreters (der deutschen Delegation gehörten widerrechtlich Vertreter West-Berlins an) die USA, UK und F absprachegemäß auffordern musste, den Einspruch als unbegründet zurückzuweisen. Ein besonderes Erlebnis war, aufgrund einer Intervention der schwedischen Regierung Mitte der achtziger Jahre in Rügen von einem schwedischen Schiff als Einzelperson unter Polizeiüberwachung an Land zu gehen und zunächst mit einem Dienstwagen zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Berlin zu fahren, um an einer internationalen Konferenz in Paris teilnehmen zu können!

Für mich hatte die Existenz der DDR somit häufig nur negative Auswirkungen auf meine Dienstgeschäfte! So habe ich mehrere Male im ehemaligen Regierungsbunker und in Brüssel bei der NATO an WINTEX-Übungen teilgenommen!

In den folgenden Monaten war ich dann zeitweise auch an den Regierungsverhandlungen persönlich beteiligt. Dabei habe ich erstmalig die größten und aus meiner Sicht schönsten Städte der DDR (u. a. Dresden, Leipzig, Erfurt, Halle, Chemnitz, Jena, Rostock, Schwerin und Stralsund) ansehen können. Hinzu kam, dass ich Mitarbeiter(innen) des DDR-Verkehrsministeriums für eine spätere Tätigkeit im BMV schulen konnte und dabei auch ihre menschlichen Qualitäten schätzen lernte. Noch heute sind diese im BMVI tätig!

An die Wiedervereinigung werde ich als damaliger Mitarbeiter des BMVBW somit jedes Mal während der Adventzeit erinnert, da die damals erworbene Pyramide immer wieder Mittelpunkt unseres weihnachtlich geschmückten Hauses ist!

Wie sehr ich heute das wiedervereinigte Deutschland liebe, wird dadurch deutlich, dass ich mindestens einmal im Jahr eine Stadt oder eine Landschaft in der ehemaligen DDR für mehrere Tage besuche und dabei auch versuche, Kontakte zu den Bewohnern herzustellen. In diesem Jahr hat dieser Besuch der Stadt Weimar gegolten.