Alle aktuellen Artikel Alle aktuellen Artikel
30D-Geschichte von Josef Gmeiner

Quelle: BMVI

  • Bearbeitete im Landratsamt die Anträge von Spätaussiedlern und sollte die Frau eines Klienten am Grenzübergang Rudolphstein abholen.
  • Die Frau kam aufgrund des großen Andrangs 7 Stunden zu spät.
  • Gmeiners Erlebnisse währenddessen: völlig überfüllte Parkplätze, überall positive Stimmung, große Dunstwolken wegen der Trabis, er reichte zwei Trabi-Fahrern jeweils 5 DM als Willkommensgeschenk.
30D-Geschichte von Josef Gmeiner

Quelle: Privat - Josef Gmeiner

30D-Geschichte von Josef Gmeiner

Quelle: Privat - Josef Gmeiner

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne teile ich Ihnen mein äußerst positives und angenehmes Erlebnis, das ich bei der Öffnung der Grenzen zur DDR hatte, mit:

Zu meinen Aufgaben am Landratsamt gehörte u.a. das Staatsangehörigkeitsrecht. Ein Teil davon war die Bearbeitung der Anträge von Spätaussiedlern. 1989 kam Leo L. aus Oppeln (Opole) / Oberschlesien. Irgendwann teilte er mir mit, dass seine Frau am 11. November mit dem Bus nach Deutschland kommen würde; er bat mich, sie am damaligen Grenzübergang Rudolphstein abzuholen. Gerne erfüllte ich ihm diesen Wunsch.

Um ungefähr 16:00 Uhr sollte der Bus am Grenzübergang ankommen. Auf dem Weg dorthin hörten wir im Radio ständig vom großen Ansturm aus der DDR nach Westen. Für den Grenzübergang Rudolphstein meldete der Rundfunk eine Wartezeit von 3 Stunden.

Als wir an der Rastanlage vor dem Grenzübergang ankamen, erlebten wir unglaubliches. Die Parkplätze waren völlig überfüllt, und selbst auf der Autobahn wurden die Fahrzeuge geparkt. Wir waren von einer enormen Dunstwolke umgeben, die von den Zweitaktmotoren der Trabis und Wartburgs verursacht wurde. Die Öffnung der Grenzen zur DDR verbreitete in der großen Menschenmenge eine außerordentlich positive Stimmung. Dies übertrug sich auch auf die Dunstwolke, die überhaupt nicht als unangenehm empfunden wurde. Ich versuchte, auch einen kleinen Beitrag zur guten Stimmung zu leisten, indem ich zwei Geldscheine (je 5 DM) gerne in je ein Auto reichte.

Der Bus mit Leos Frau kam ungefähr um 23:00 Uhr, also mit einer Verspätung von ca. 7 Stunden. Ich bedauere keine Minute davon; diese 7 Stunden sind eines meiner schönsten Erlebnisse. Ich werde sie immer in sehr positiver Erinnerung behalten.

Mit der Veröffentlichung meiner o.a. Geschichte bin ich selbstverständlich gerne einverstanden.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Gmeiner