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30D-Geschichte von Matthias Gräber

Quelle: BMVI

  • Matthias und Bruno haben sich spontan als Busfahrer aus Mainz zur Aushilfe im bisher für sie unbekannten West-Berlin beworben;
  • haben an einem Tag mit Block und Stift die Fahrroute der Line 86 erkundet;
  • sind zu Beginn Umwege gefahren und mussten sich erst an das Fahren mit einem Doppelstockbus gewöhnen;
  • sie wurden teilweise von den Fahrgästen durch die Stadt navigiert;
  • verbrachten ihre Freizeit gemeinsam in Ost- und West-Berlin;
  • stoßen dieses Jahr auf ihre 30-jährige Freundschaft an!
30D-Geschichte von Matthias Gräber

Quelle: Privat - Matthias Gräber

Matthias und Bruno in Uniform der Stadtwerke Mainz (1990)

Ein Stück Zeitgeschichte inkl. einer neuen Freundschaft

Als ich in meiner Tätigkeit als Busfahrer bei den Stadtwerken Mainz den Aushang gelesen habe „Berlin braucht Busfahrer“, habe ich im März 1990 sofort „ja“ gesagt.

In diesem Zeitraum benötigte Berlin Busse und Fahrer, um dem Ansturm, der die Grenzöffnung mit sich brachte, Herr zu werden. Dazu gab es einen Aufruf an alle großen Städte im Westen, hierzu Fahrer und wenn möglich auch Fahrzeuge abzustellen.

Gesagt getan, 4 Wochen lang ab ins IBIS Hotel nach Berlin. Dass dies mein erster Flug (Ffm-Berlin) war, nur so am Rande.

Aber ich war nicht allein. Ein mir bis dato unbekannter Kollege aus Mainz kam mit mir, sodass unsere Aufgabe darin bestand, uns im Betriebshof 5 einzufinden und dort die Linie 86 (Berlin Grunewald) in einer Früh- u. Spätschicht zu besetzen (Die Taktzeit damals lag bei ungefähr 10 Min.).

Da Berlin im Gegensatz zu Mainz ein klein wenig größer ausfällt, bestand die erste Herausforderung darin, den Betriebshof zu finden, die Fahrkartenpreise zu lernen, den Weg zum Startpunkt der Linie 86 abzustimmen und den eigentlichen Weg der Linie 86 kennen zu lernen.

Dazu hatten wir nur einen Tag Zeit. Wir haben uns dann gemeinsam mit Block und Stift bewaffnet in die Linie gesetzt und alles aufgeschrieben. (Blaues Haus links, Kirche rechts; Schöffelstraße wieder rechts u.s.w.)

Was soll man sagen, wir haben mal abgesehen von ein paar kleinen Umwegen (früh morgens sind eben alle Häuser dunkel), dass uns nachfolgende Busse mehrmals überrundeten und dem Umstand, auf einmal ein zweites Stockwerk über dem Kopf zu haben (Doppeldecker), es letztendlich doch geschafft, unseren Beitrag zu leisten.

Dabei haben wir in unserer freien Zeit Ost- und West-Berlin wirklich hautnah miterleben dürfen und könnten auch dazu noch einige Geschichten liefern.

Nicht nur beide Länder sind zu einem geworden, sondern auch wir beide pflegen seit dieser Zeit eine enge Freundschaft, die trotz unterschiedlicher Berufswege, Familienstände und Wohnorte immer noch Bestand hat! So werden wir beide ebenfalls gemeinsam auf unsere 30-jährige Freundschaft anstoßen unter dem Motto: „Den Sozialismus in seinem Lauf ...“