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30D-Geschichte von Christiane Högermann

Quelle: BMVI

  • Unternahm einen Tagesausflug mit dem Kommilitonen Peter von Osnabrück nach West-Berlin im Januar 1990.
  • Peter hatte immer frische Schokoladentafeln aus der Schokoladenfirma seines Vaters dabei.
  • An den Überresten der Berliner Mauer standen noch als Attraktion Wachposten.
  • Peter schenkte einem streng guckenden Wachposten eine Tafel der frischen Schokolade und der strenge Blick verwandelte sich in ein Lächeln.

Kurz nach der Öffnung der Grenze, im kalten Januar 1990, habe ich zusammen mit meinem Kommilitonen Peter eine Tages-Busfahrt nach Berlin gemacht. Da der Vater meines Freundes bei einer großen Schokoladenfirma beschäftigt war und regelmäßig sein Schoko-Kontingent erhielt, hatte mein Freund fast immer eine oder auch mehrere Schokoladentafeln dabei und pflegte zu sagen: „Musst Du gleich aufessen, ist ganz frisch vom Werk.“ So auch an diesem eiskalten Januartag an den Überresten der Berliner Mauer, wo ernst dreinschauende (ehemalige) Wachposten eine – der Begriff sei mir verziehen – „Scheinwache“ hielten. Nie werde ich das Gesicht eines „Vopos“ vergessen, das sich von einem harten, strafenden Blick in ein mildes dankbares Lächeln verwandelte, als Peter in die Innentasche seiner Winterjacke griff, eine Schokolade herauszog und zum Wachposten sagte: „Die für Sie, ganz schnell aufessen, denn die ist ganz frisch.“ Auch nach über dreißig Jahren denke ich jedes Mal an diese emotionale Situation, wenn ich eine Schokolade der Firma XXX sehe.