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30D-Geschichte von Stefan Schlett

Quelle: BMVI

  • War von August bis Dezember in den USA für extremsportliche Aktivitäten unterwegs.
  • Erlebte Mauerfall am 9.11.89 in Hawaii vor dem Fernseher.
  • 03.-05.10.1990: Nonstop-Fahrt von Aachen nach Görlitz (750 km in 50 h)
  • Zog nach Rückkehr nach Berlin und nahm dort an sportlichen Veranstaltungen teil, wie z.B. Berliner Silvesterlauf, Gesamtberliner Neujahrslauf etc.
30D-Geschichte von Stefan Schlett

Quelle: Privat - Stefan Schlett


Von links nach rechts: Stephanie Weis-Gerhardt (Bürgermeisterin der Stadt Aachen), Stefan Schlett, Barbara Köstner und Michael Purwins (beide Betreuer)

30D-Geschichte von Stefan Schlett

Quelle: Privat - Stefan Schlett

30D-Geschichte von Stefan Schlett

Quelle: Privat - Stefan Schlett

Wendegeschichte eines Wessis

-Mauerfall in Hawaii-

Von August bis Dezember 1989 war ich in Amerika unterwegs, um als Extremsportler und „freiberuflicher Abenteurer“ eine Liste von außergewöhnlichen Projekten abzuarbeiten. Auf meiner Agenda standen Triathlons in Chicago und Rhode Island, der Double Ironman in Huntsville/Alabama (7,6 km Schwimmen/360 km Radfahren/84,4 km Laufen), Fallschirmspringen in Florida, der Sri Chinmoy 1300-Meilen-Lauf in New York und nicht zuletzt ausgedehnte Reisen im Osten der USA. Das Finale sollte der Ultraman in Hawaii bilden, ein 3-tägiger Extremtriathlon (10 km Ozeanschwimmen/420 km Radfahren/84,4 km Laufen) in dessen Verlauf die Insel Big Island komplett umrundet wird.

Als ich in Miami Anfang September zufällig in einer Tageszeitung Berichte über die Massenflucht von ostdeutschen Bürgern in die BRD lass, konnte ich damit beim besten Willen nichts anfangen. Von der Vorgeschichte und auch der angespannten politischen Lage in der DDR seit den Wahlfälschungen im Mai hatte ich nichts mitbekommen. Aufgrund meiner Aktivitäten blieben mir auch in den folgenden Wochen die internationalen Nachrichten verborgen.

Erst als ich im November auf Hawaii eintraf und bei einer befreundeten Familie Unterschlupf fand, hatte ich wieder regelmäßigen Zugang zu den Tagesnachrichten und erfuhr, welch revolutionäre Ereignisse sich in deutschen Landen abspielten. So erlebte ich (mit 11 Stunden Zeitunterschied) den Mauerfall am 9. November 1989 in Hawaii vor dem Fernseher!

Mitte Dezember kam ich zurück in ein neues, verändertes Deutschland. Intuitiv zog es mich dann gleich zum Jahresende nach Berlin – DEM Symbol der Teilung Deutschlands. Steineklopfen an der verhassten Mauer, Teilnahmen am Berliner Silvesterlauf über den Teufelsberg, dem ersten Gesamtberliner Neujahrslauf durch das Brandenburger Tor, sowie an der Premiere der größten Silvesterparty Deutschlands am Brandenburger Tor, waren sehr emotionelle Ereignisse. Mit einer Nonstopfahrt auf dem Fahrrad vom 3.-5.10.1990 von Aachen nach Görlitz, der längsten West-Ost-Ausdehnung Deutschlands (750 km in 50 Stunden) zelebrierte ich dann die Wiedervereinigung Deutschlands und das glücklicherweise friedliche Ende von 40 Jahren sozialistischem Irrsinn.

Der Reigen schloss sich nach 20 Jahren, als ich im Sommer 2009 anlässlich der faszinierenden Open Air Ausstellung am Alexanderplatz in Berlin zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls die gesamte Geschichte der friedlichen Revolution und Wiedervereinigung Deutschlands nachlesen konnte. Dreieinhalb Stunden Studium vor den Schautafeln ergaben dann einen Marathon der besonderen Art, durch Raum, Zeit und Geschichte. Irgendwann passiert das, was bei uns möglich war, auch in Korea und Zypern. Aber ob das meine Generation noch erleben darf? Vielleicht sollte ich in nächster Zeit doch mal wieder zu einer Viermonatigen Extremreise aufbrechen ...