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30D-Geschichte von Gregor Schröder

Quelle: BMVI

  • Erlebte am 9.11.89 den Mauer live mit, als er auf dem Heimweg war.
  • Kam von einem Abendessen in Schönebeck und wollte um kurz nach 20 Uhr seinen Vater in Pretzien abholen.
  • Dort kamen ihm schon alle freudig entgegen und riefen: „Die Grenzen sind offen!“
  • Zwischen 22 und 23 Uhr kamen sie am Grenzübergang Helmstedt an und wurden von planlosen ostdeutschen Zöllnern ohne Kontrolle durchgewinkt.
  • Sie hatten dann noch über 500 Kilometer Heimfahrt vor sich und hörten sich im Radio die Liveübertragung aus Berlin an.

Ich habe die Maueröffnung am 9. November 1989 selbst live miterlebt, denn ich war Anfang November 1989 mit meinem Vater zum 50. Geburtstag meiner Tante (der Schwester meines Vaters) in der DDR. Mein Vater stammte aus Pretzien bei Magdeburg und so war meine Familie auch immer in Ost und West geteilt. Väterlicherseits lebten mein Opa, meine Oma, meine Tante, Onkel und zwei Cousins und eine Cousine in der DDR und meine Eltern, meine beiden Schwestern und ich in Zweibrücken im Westen. Ich war ab 1978 regelmäßig in den Sommerferien einige Wochen bei meinen Verwandten in der DDR zu Besuch gewesen und habe das Leben in der DDR auch als „Wessi“ ein wenig kennenlernen dürfen.

Im November 1989 war allerdings vieles ganz anders. Ich habe den Geist der Veränderung, des Aufbruchs und der Hoffnung bei meinen Verwandten und im gesamten Land gespürt. Ich hatte mir in dieser Zeit die Berliner Mauer von der Ostberliner Seite aus angesehen, im Magdeburger Dom die vielen Protestplakate gelesen und die Kundgebungen im Fernsehen verfolgt und habe die Veränderung im Denken und Reden in der gesamten DDR sehr aufmerksam wahrgenommen. Meine daraus gewonnene Einschätzung, dass die Mauer nicht mehr lange stehen würde, wurde aber in diesen Tagen noch abfällig kommentiert und belächelt.

Und dann kam der 9. November 1989. Wir wollten am Abend über die Grenze (Helmstedt) zurück nach Zweibrücken fahren (den Ausreisestempel 9. November 1989 habe ich in meinem Reisepass). Vorher war ich mit meiner Cousine und ihrer Familie in Schönebeck noch zum Abendessen.

Als ich kurz nach 20 Uhr meinen Vater in Pretzien abholen wollte, kamen alle ganz freudig aufgelöst auf mich zu: „Die Grenze ist offen“, dies wurde gerade in den Nachrichten mitgeteilt. Als ich mit meinem Vater so zwischen 22 und 23 Uhr an den Grenzübergang Helmstedt kam, war alles ganz verändert. Die ostdeutschen Zöllner liefen planlos umher und wussten nicht so genau, wie sie sich verhalten sollen. Wir wurden diesmal ohne Kontrolle durchgewunken und auf der westdeutschen Seite warteten schon die Fernsehkameras, die an einem Westauto natürlich kein Interesse zeigten. Wir hatten noch über 500 Kilometer Heimfahrt vor uns und konnten im Radio die Liveübertragungen aus Berlin mit den Jubelfeiern die ganze Nacht hochemotional miterleben. Ich werde diese Nacht nie vergessen, denn sie wird in meinem Leben immer ein Highlight sein. Es ist für mich ein Geschenk, dabei gewesen zu sein.