Alle aktuellen Artikel Alle aktuellen Artikel
30D-Geschichte von Doreen & Roberto Zielke

Quelle: BMVI

  • Im Herbst 1989 studierte Doreen im 1. Semester Pädagogik in der Nähe von Leipzig. Ihr Verlobter machte als DJ am Montagabend Disco-Veranstaltungen (sollten Jugendlichen von Montagsdemos in Leipzig abhalten).
  • Via Fax bekam er eine Einladung nach Goslar von den Verwandten.
  • Im Februar 1990 zogen sie nach Goslar.
  • „Goslar ist unsere Heimat geworden.“ + „Hier haben wir am 09.09.1999 geheiratet und hier wollen wir gemeinsam alt werden.“
30D-Geschichte von Doreen & Roberto Zielke

Quelle: Privat - Doreen Zielke

30D-Geschichte von Doreen & Roberto Zielke

Quelle: Privat - Doreen Zielke

30D-Geschichte von Doreen & Roberto Zielke

Quelle: Privat - Doreen Zielke

Wir waren noch recht jung – damals im Herbst 1989. Ich studierte im 1. Semester Pädagogik in der Nähe von Leipzig. Grenzöffnung ... was wird mit dem Studium?

Mein Verlobter machte damals als DJ Montagabend Disco-Veranstaltungen, die die Jugendlichen von den Montagsdemos in Leipzig abhalten sollten ...

Er bekam ein Fax von den Verwandten aus Goslar – wir sollen sie besuchen kommen. Doch wie kommt man ohne Auto von Eilenburg nach Goslar, im Jahre 1989?

Okay mit dem Zug bis nach Wernigerode, mit dem Bus bis nach Stapelburg und von dort zu Fuß über die Grenze nach Eckertal, an den Grenzposten vorbei ... komisches Gefühl.

Und in Eckertal nahm uns ein Student namens Franz per Anhalter mit nach Goslar.

Er hatte auf eine Familie mit Kindern gehofft und hatte ca. 10 Tafeln Milka-Schokolade im Gepäck – worüber ich mich aber auch riesig gefreut habe.

Er fuhr uns nicht nur nach Goslar, sondern lud uns auf Getränke in die damaligen Kneipen "Pupasch" und "Muckefuck" ein, ein Erlebnis für uns.

Er brachte uns zur Sparkasse, wo wir unser Begrüßungsgeld abgeholt haben ...

100 DM, die ich ewig nicht ausgeben wollte, weil ich mich nicht entscheiden konnte.

Die Leute in den Geschäften waren sehr nett und freundlich und man lag sich mit Fremden in den Armen ... es gab Sekt und auch alkoholfreie Getränke und Knabbereien.

Ich wollte mir weiße Turnschuhe von dem Geld kaufen, um mir einen Traum zu erfüllen Ü die Cousine hatte aber welche in meiner Größe, die sie mir schenkte. Wow!

Mein Verlobter träumte von einer Musikanlage, die es für 99 DM gab. Noch 1 kg Bananen gekauft für 1 DM und schon war sein Geld alle.

Aber das Glücksgefühl war unbeschreiblich ...

Im Februar 1990 zogen wir dann mit Sack und Pack (es passte alles in einen Trabbi mit Anhänger, mehr hatten wir nicht) zu den Verwandten.

Es hat viele Gespräche gedauert, bis wir alle unsere Bedenken (Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, usw.) über Bord geworfen haben und nach Goslar gezogen sind.

Heute, fast 30 Jahre später – bin ich im August 2020 schon 30 Jahre Angestellte bei der Sparkasse. Wer hätte das gedacht?

Damals wusste ich nicht einmal wie eine Überweisung aussieht...

Ein weiterer Goslar-Besuch bleibt mir auch ewig in Erinnerung, weil ich vor lauter Aufregung gefühlt alle 2 Minuten zur Toilette musste und gefühlt alle Toiletten vom Goslarer Bahnhof bis zu den Verwandten in der Breiten Straße kennengelernt habe.

Goslar ist unsere Heimat geworden. Eigentlich komme ich von der Ostsee, einem kleinen Ort nahe Boltenhagen.

1989 kannte in Goslar niemand den schönen Badeort, heute kennen auch viele Kollegen und Kunden Boltenhagen, ob durch Fahrradtouren oder Mutter-Kind-Kur oder Familienurlaub.

Wir haben es nie bereut, dass wir nach Goslar gezogen sind – eine wunderschöne Stadt. Hier haben wir viele Freunde, nette Kollegen und hilfsbereite Verwandte gefunden.

Hier haben wir am 09.09.1999 geheiratet und hier wollen wir gemeinsam alt werden.

Mein Name ist Doreen – ein Name, der in der damaligen DDR sehr häufig und nichts Besonderes war ... in Goslar aber meinten viele Leute, das das aber ein schöner und seltener Name sei ...