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30D-Geschichte von Burkhard Zscheischler

Quelle: BMVI

  • Zog ihn „nach einer Generation“ wieder nach Sachsen, genauer nach Dresden (u.a. wegen seines Berufes: Journalisten, ehem. Süddt. Zeitung).
  • 1990 kaufte er in Radebeul ein Haus (zog mit Frau und drei Kindern um).
  • Baumaterial besorgte er sich in BY, weil es in SN einen Preisaufschlag von 10-15 % auf Baumaterial gab.
  • Umzug (zwischen Grafing und Radebeul) verlief holperig.
  • In Folgejahren wurde die Autobahn viel genutzt (Familie & Freunde lebten noch in BY).
  • „Ich habe den Ausbau der Infrastruktur „live“ mitbekommen.“

„Wann a Katz in am Fischlod'n Junge wirft, san's no lang koane Fisch."

Solche Sprüche musste man sich als in Bayern geborener Sohn eines 1945 eingewanderten Sachsen anhören. Vielleicht war das ein Grund, warum es mich nach einer Generation in die Heimat der Vorväter trieb. Genauer: Nach Dresden. Ein weiterer Grund war, dass für einen Journalisten (ehem. Süddt. Zeitung) 1990 die Geschichten im Osten buchstäblich auf der Straße lagen.

Ich zog mit „Mann und Maus" bzw. Frau und 3 Kindern um, kaufte in Radebeul 1990 ein Haus und musste das Baumaterial in unserem VW-Bus aus Bayern herankarren. In Sachsen gab es nach 1990 einen Preisaufschlag von 10-15 % auf Baumaterial, weil alles aus dem Westen heran gekarrt werden musste. Also: Selbst ist der Mann! Aber, au weh, auf welchen Wegen! Den Umzug, inklusive Klavier und Kachelofen, bewerkstelligten wir eigenhändig mit einem 7,5-Tonner zwischen Grafing und Radebeul. Kurz vor Wilsdruff fiel durch das Gerüttel auf der "Hitler-Autobahn" die Kupplung aus und dann ging's nur noch im zweiten Gang die letzten 40 km weiter. Das war anno 1990, wenige Tage vor Weihnachten.

Da die Eltern und viele Freunde in Bayern blieben, verbrauchten wir in den Folgejahren einiges an Reifen, Benzin und Nerven, ob auf abenteuerlichen Wegen durch das Vogtland oder über tschechische Nebenwege. Ich habe den Ausbau der Infrastruktur „live" mitbekommen. Den aus DDR-Zeiten bekannten "Mumien-Express" (so genannt, weil er von Ost nach West nur von Rentnern genutzt werden konnte), auch Interzonenzug genannt, nutzten wir nie. Die Fahrt von Dresden nach München gab es zwar direkt, aber unter 8 Stunden ging das nie ab, auch wenn der stundenlange Zwangshalt in Gutenfürst abgeschafft war. Es war spannend, den abschnittweisen Ausbau der A72 und den der A93 von Hof nach Regensburg zu erleben. Die 72, übrigens, wurde in bayerischer Amtshilfe auf einer bereits in den 1940er Jahren geplanten Trasse fertig gestellt. Die sah also relativ modern aus, hatte aber eine Gradiente, nach der man anderswo aktuell nie mehr so gebaut hätte.

Darf man an der Stelle mal festhalten. Ich finde sie schön. Man kann sie halt nicht entlang rasen. Unter der Elstertalbrücke gab es auf der quälenden Umleitungsstrecke bis gegen '93 eine leckere Curry-Wurst in einem Imbiss. Wo der wohl abgeblieben ist? Neben der im Bau befindlichen 93 gab es, irgendwo im Großraum Selb-Wunsiedel, auf einer Umleitungsstrecke einen Forellenteichbesitzer, bei dem wir in den 90er Jahren oft fangfrischen Fisch mitnahmen. Nach Fertigstellung der Autobahn haben wir den nach einigen Jahren mal wieder gesucht - und leider nicht gefunden.

1992 wechselte ich die Seiten, war fast 2 Jahrzehnte Pressesprecher von Behörden und Ministerien. Ein Faux Pas ersten Ranges war mein Versprechen einer Fertigstellung der Autobahn Chemnitz-Leipzig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Oh je, die ist ja heute noch nicht fertig! Da waren wir mit dem Leipziger City-Tunnel schneller. Die nagelneue A17 Dresden-Prag bin ich am Vortag der Freigabe mit dem Fahrrad abgefahren. Als späterer Sprecher des Autobahnamtes gehörten regelmäßige Besuche der Meistereien zu meinen Aufgaben. Gerne wäre ich selber Schneepflug gefahren, durfte leider nur daneben sitzen.
Was soll man weiter erzählen? Mittlerweile sind die Eltern gestorben. Ich fahre nur noch selten in mein Geburtsland und wenn, dann ganz gemütlich die m.E. nach wie vor schönste Autobahn, schön kurvig über Regensburg Richtung Oberbayern. So viel Zeit muss sein, in Selb Porzellan zu kaufen oder Lebkuchen in Weißenstadt. Gerne mache ich Rast in der Regensburger Wurstkuchel neben der Steinernen Brücke. Dabei stelle ich fest: Die Deckschicht der Fahrbahn sollte mal wieder erneuert werden. Aber wieso eigentlich? Die ist doch nagelneu! Das war doch alles erst gestern!! Wie man sich irren kann.

Bin auch schon wieder 27 Jahre für den Freistaat Sachsen tätig. Ob ich vor der Rente noch die Elektrifizierung bestimmter Bahn-Strecken in Sachsen erlebe? Kaum zu glauben, dass wir das in den vergangenen 30 Jahren nicht geschafft haben. Aber ich, das muss ich einräumen, bin ja selbst erstmal hauptsächlich Auto gefahren. Altersmäßig bin ich so weit, dass ich mich in den Mumienexpress setzen könnte. Dienstlich fahre ich eher nach Berlin Hbf. Von dort gehe ich meist zu Fuß zu Besprechungen bei größeren Bundeskonglomeraten, die mit 4 Buchstaben abgekürzt werden. Zum Beispiel, ja, morgen! Einer davon schicke ich diese Mail, ihrem tagesaktuellen Aufruf folgend. Wir könnten noch das Eine oder Andere gemeinsam fertig bringen. Das Meiste ist getan. Darf man stolz drauf sein.