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Fotocollage Lärmschutzwände
Lärmschutzwände

Quelle: DB Netz AG

Für viele Menschen in Deutschland bedeutet Verkehrslärm eine große Belastung ihres Wohlbefindens und ihrer Gesundheit. Das gilt auch für Lärm, der durch Schienengüterverkehr verursacht wird. Für die Bundesregierung gehört deshalb der Schutz vor Schienenverkehrslärm zu den Kernelementen einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Daher hat sie im Koalitionsvertrag nochmals bekräftigt, den Schienenverkehrslärm bis 2020 – ausgehend vom Jahr 2008 – deutschlandweit zu halbieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Programmen eingerichtet und durchgeführt.

Seit 1999: Das Lärmsanierungsprogramm - Das Kernelement der örtlichen Lärmminderung

Mit dem Lärmsanierungsprogramm wird seit 1999 systematisch ein ganz wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Lärmbelastung geleistet. Seit 2007 werden jährlich 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt für Lärmschutzmaßnahmen investiert. Nach der Erhöhung im Jahr 2014 auf jährlich 130 Millionen Euro stehen seit 2016 für Lärmsanierung an Schienenwegen jährlich 150 Millionen Euro zur Verfügung. Im Jahr 2019 werden diese Mittel einmalig auf 176 Millionen Euro angehoben.

2008 – 2012: Das Pilot- und Innovationsprogramm leiser Güterverkehr - Ein Paradigmenwechsel hin zum Lärmschutz an der Quelle

Im Jahr 2008 wurde unter der Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das interministeriell begleitete Pilot- und Innovationsprogramm „Leiser Güterverkehr“ zur Reduzierung des Lärms durch Güterverkehr auf der Schiene initiiert, um hiermit die Voraussetzungen zu schaffen, die Bestandsflotte der Güterwagen auf leise Technologien umzurüsten.

Das Programm umfasste die Programmbausteine mit

  • Pilotprojekt „Leiser Rhein“
  • Innovationsprogramm „Verbundstoff-Bremsklotzsohlen“
  • Untersuchungen zur Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems.

2009 – 2011: Das Konjunkturprogramm II – Erprobung innovativer Maßnahmen und Verfahren an Gleisanlagen

Mit der politischen Zielstellung „Wir bauen Zukunft“ flossen von 2009 bis 2011 rund 72 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II in das Vorhaben „Einzelmaßnahmen zur Lärm- und Erschütterungsminderung am Fahrweg“. In 82 Einzelprojekten wurden 13 Technologien zur Lärm- und Erschütterungsminderung erprobt, z. B. Schienenstegdämpfer, niedrige Schallschutzwände, Schienenschmiereinrichtungen sowie Maßnahmen zur Brückenentdröhnung.

Die tauglichen Maßnahmen zur Lärmminderung wurden bei der Novellierung in die 16. BImSchV aufgenommen. Damit wurde das Maßnahmenportfolio für Lärmschutzmaßnahmen erweitert und neue Möglichkeiten der Gestaltung des Lärmschutzes eröffnet.

2010 – 2014: Das Verbundprojekt LäGiV – Lärmreduzierter Güterverkehr durch innovative Verbundstoff-Bremsklotzsohlen

Das Verbundprojekt LäGiV verfolgte das Ziel, technisch und wirtschaftlich optimierte Verbundstoff-Bremsklotzsohlen, sogenannte Flüsterbremsen, für den Einsatz in Güterwagen zu entwickeln und damit Lärmemissionen zu reduzieren. Von den beteiligten Herstellern aus dem Kreis der mittelständischen Unternehmen wurden Verbundstoff-Bremsklotzsohlen für unterschiedliche Konfigurationen und Bauformen entwickelt und nach internationalen Vorschriften erprobt. Das Projekt wurde vom BMVI und vom BMWi begleitet und vom BMWi mit einer Zuwendung in Höhe von 6,9 Millionen Euro gefördert.

2012 - 2020: Das lärmabhängige Trassenpreissystem (laTPS) - Bonus für lärmarme Güterwagen

Seit dem Fahrplanwechsel 2012/2013 gilt das lärmabhängige Trassenpreissystem. Laute Züge zahlen pro Kilometer mehr als leise. Mit den Mehreinnahmen und Zuschüssen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wird die Umrüstung von Güterwagen auf leisere Technik wie Verbundstoffbremssohlen finanziell gefördert. Der Bund stellt dafür bis zu 152 Millionen Euro bereit. Bis 2020 - innerhalb von acht Jahren - soll so die Modernisierung der in Deutschland verkehrenden Güterzüge abgeschlossen sein (neue Güterzüge müssen bereits den neuen Lärmgrenzen entsprechen). Bereits heute ist die Umrüstung hörbar, weil nahezu zwei Drittel aller auf dem deutschen Netz verkehrenden Güterwagen mit leiser Bremstechnik ausgestattet sind. Ab 2020 werden alle Güterwagen leise sein. Der Bundestag und der Bundesrat haben jeweils einstimmig das Schienenlärmschutzgesetz verabschiedet, wonach ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 keine lauten Güterzüge mehr das deutsche Schienennetz befahren dürfen. Weitere Informationen zum lärmabhängigen Trassenpreissystem sind unter interne Links bereitgestellt.

2013 – 2014: Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene

Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene als Teil des Infrastrukturbeschleunigungsprogramms II diente der Minderung des Lärms an Brennpunkten und wurde unabhängig vom bestehenden Lärmsanierungsprogramm eingerichtet. In den Jahren 2013 und 2014 wurden insgesamt 27 Millionen Euro für die Erprobung innovativer Techniken und die Minderung von Lärm in besonders belasteten Abschnitten investiert.

2016 – 2018: Das Zukunftsinvestitionsprogramm – Lärmschutz an Brennpunkten und Förderung von Innovationen

Die für die Jahre 2016 bis 2018 zusätzlich vorgesehenen Mittel für Lärmschutz wurden unabhängig vom Lärmsanierungstitel bereitgestellt und für ein Sonderprogramm eingesetzt, das insbesondere den Lärm an Brennpunkten weiter reduzieren sollte. Das Sonderprogramm ermöglichte dabei auch die Erprobung, Weiterentwicklung und den Einsatz innovativer Techniken. Hierzu gehören auch die folgenden Projekte:

Auftragsforschungsprojekt „Innovativer Güterwagen“

Das vom BMVI initiierte Auftragsforschungsprojekt lief von 2016 bis April 2019. Ziel war die Entwicklung von energieeffizienten, leisen und zudem kostengünstigen Güterwagen. Die Wagen wurden von Januar 2018 bis März 2019 in Mess- und Testphasen und einer europaweiten Betriebserprobung über 150.000 km umfassend untersucht. Im Sommer 2019 wurden die abschließenden Ergebnisse vorgelegt. Im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms wurden hierfür etwa 21,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert (I-LENA):

Das BMVI startete im April 2016 eine neue Lärmschutz-Initiative unter dem Titel: „Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert (I-LENA)“. In Kooperation mit der DB AG werden Innovationen auf Teststrecken der DB AG in der Praxis erprobt. Diese Initiative gibt Entwicklern und Entwicklerinnen sowie Produzenten und Produzentinnen von Lärmschutzmaßnahmen an der Infrastruktur erstmals die Gelegenheit, Innovationen auf einer DB-Teststrecke in der Praxis für sie kostenfrei zu erproben. So können weitere und optimierte innovative Lärmschutzmaßnahmen für den Lärmschutz an Schienenwegen schneller anerkannt und in die Anwendung gebracht werden. Ziel von I-LENA ist es, Lärmschutz-Innovationen im Bereich Infrastruktur zu befördern und den Wettbewerb in diesem Bereich anzuregen. Aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm stehen die Einrichtung der Techniken am Gleis, für die Messung sowie für deren Rückbau 5,7 Millionen Euro bereit, danach erfolgt die Finanzierung aus dem Lärmsanierungstitel. Die Initiative läuft bis zum Jahr 2020.
Ausführliche Informationen sind unter: www.deutschebahn.com/laermschutz erhältlich.

2017: Innovationsprämie TSI Lärm +

Eine weitere Maßnahme, die Innovationsprämie TSI Lärm +, schafft neue Fördermöglichkeiten für besonders leise Güterwagen. Besonders leise Güterwagen unterschreiten die Emissionsgrenzwerte für Schienenfahrzeuge der TSI Lärm deutlich. Gefördert werden Umbau und Neubeschaffung. Neu beschaffte Güterwagen müssen um mindestens 5 dB(A) leiser sein als Güterwagen, die den derzeit geltenden TSI-Lärm Grenzwert einhalten. Bei einer Neubeschaffung muss für jeden geförderten Güterwagen ein Bestandsgüterwagen verschrottet werden.

Ebenfalls gefördert wird der Umbau vorhandener Güterwagen mit neuen, leiseren Teilkomponenten, wenn dadurch die Emissionswerte um mindestens 3 dB(A) unter die bisherigen TSI Lärm-Grenzwerte fallen. Diese Anforderung kann allein durch eine Umrüstung auf LL-Sohlen nicht erfüllt werden. Das BMVI hat die für die Förderung notwendigen Regelungen in einer Förderrichtlinie festlegt.

Mehr Transparenz im Lärmschutz durch deutschlandweites Lärm-Monitoring im Schienengüterverkehr

Das BMVI hat ein deutschlandweites Lärm-Monitoringsystem eingeführt. An stark befahrenen Bahnstrecken erfassen Messstationen die Lärmemissionen vorbeifahrender Güterzüge dauerhaft und nach einer einheitlichen Methode. Damit sollen die Aktivitäten der Bundesregierung zur Verringerung des Schienenverkehrslärms, wie der Fortschritt der Umrüstung von Güterwagen auf LL-Sohlen und der vermehrte Einsatz leiser Güterwagen, transparent und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar dargestellt werden.

Die 19 Messstationen befinden sich in allen Flächenländern an Hauptkorridoren des Schienengüterverkehrs und erfassen Tag und Nacht mehr als 70 % der Güterzüge.

Die Standorte der Messstationen und ihre Messdaten können im Internet auf www.laerm-monitoring.de abgerufen werden.

Weitere Informationen

Lärmsanierungsprogramm

Vorrangig sollen solche Streckenabschnitte saniert werden, bei denen die Wirkung der Maßnahme besonders hoch ist. Die Wirkung der Lärmsanierung lässt sich beschreiben in der erreichbaren Lärmminderung und der Anzahl der Anwohner, für die vor der Lärmsanierung Lärmbelastungen oberhalb der Lärmsanierungsgrenzwerte vorliegen.

Durch den Wegfall des Schienenbonus von 5 dB(A) und die Absenkung der Auslösewerte für die Lärmsanierung um 3 dB(A) wurde eine vollständige Neuerstellung des Gesamtkonzepts der Lärmsanierung notwendig, die im Jahr 2017 begonnen wurde. Hierfür war eine Neuberechnung des Bedarfs für die Lärmsanierung erforderlich, die das gesamte Schienennetz der Eisenbahnen in der Baulast des Bundes betraf (diese Überprüfung erfolgte rechnerisch). Dabei wurden auch die bereits sanierten Abschnitte mit betrachtet. Somit kam es zu einer vollständigen Überarbeitung der Priorisierungsliste. Alle sanierungsbedürftigen Abschnitte wurden mit neuen Priorisierungskennziffern nach den aktuellen Bemessungswerten versehen. Dadurch ist eine transparente Reihung der sanierungsbedürftigen Abschnitte auf fachlich gesicherter Grundlage entstanden.

Parallel hierzu erfolgt eine Fortschreibung der Förderrichtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes (Förderrichtlinie Lärmsanierung). Sie ist Grundlage für die Gewährung der Zuwendungen für die Lärmsanierung an Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes. Die neue Förderrichtlinie Lärmsanierung ist am 01.01.2019 in Kraft getreten. Bei der Prüfung und Aktualisierung der Förderrichtlinie wurde auch die Vorgabe aus dem Koalitionsvertrag 2018 zur Gestaltung von Lärmschutzmaßnahmen im Schienenverkehr berücksichtigt. Dieser sieht vor, dass bei der Gestaltung von Lärmschutzmaßnahmen mehr Rücksicht auf die Interessen der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft genommen wird. Erstmalig können in besonders sensiblen Gebieten mit besonderer touristischer oder gesundheitswirtschaftlicher Bedeutung auch aufwendiger konzipierte Lärmschutzwände gefördert werden. In solchen besonders sensiblen Bereichen können künftig Varianten in Betracht gezogen werden, die durch ihre Gestaltung den besonderen Anforderungen gerecht werden. Dadurch erhält der Lärmschutz eine qualitative Verbesserung.

Mit dem neuen Gesamtkonzept hat sich der Gesamtbedarf der zu sanierenden Strecken um ca. 2.800 Kilometer auf 6.500 Kilometer erhöht und umfasst nunmehr 2.200 Städte und Gemeinden. Seit 1999 sind insgesamt über 1,3 Milliarden Euro in den Lärmschutz investiert worden. Die Gesamtlänge des Streckennetzes der DB Netz AG beträgt rd. 33.500 Kilometer.

Weitere Informationen zur Lärmvorsorge und Lärmsanierung sind als interner Link bereitgestellt.

Verbundstoff Bremsklotzsohlen

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur setzt besonders auch auf die Lärmvermeidung im Fahrzeugbereich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bremssohlen aus Grauguss halten die LL-Sohlen und K-Sohlen aus Verbundwerkstoffen die Lauffläche der Eisenbahnräder dauerhaft in glattgeschliffenem Zustand. Die beiden Sohlentypen gehören damit zu den sogenannten „Flüsterbremsen“. Die Abrollgeräusche der Güterwagen werden durch Verwendung dieser Bremssohlen in Verbindung mit glatten Schienenoberflächen deutlich reduziert. Neue Wagen werden grundsätzlich mit der neuen Technik (LL-Sohlen oder K-Sohle) gebaut. Die Lärmminderung an der Quelle durch die Umrüstung der vorhandenen Güterwagenflotte führt im Gegensatz zu fast allen anderen Lärmschutzmaßnahmen, die nur punktuelle Wirkung haben, zu einer flächendeckenden Lärmreduzierung.