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Nahaufnahme einer Gleisanlage

Quelle: Deutsche Bahn AG / Max Lautenschläger

Deutschland war schon in der Vergangenheit ein Standort vielfältiger und profilierter Forschung im Bereich des Schienenverkehrs. Aber wer Innovationen den Weg bereiten möchte, muss selbst innovativ bleiben. Mit der Gründung des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF) mit Sitz in Dresden und Bonn wurde im Mai 2019 Neuland betreten und ein wichtiger Schritt getan, um auf lange Sicht eine echte Plattform zur Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft zu etablieren.

Forschung und Innovation gelten nicht nur bei der Schiene als das Fundament für Wachstum, Effizienz und wirtschaftlichen Erfolg. Die innovative Bahn hat bei der Vorbereitung des Schienenpaktes und des Masterplans Schienenverkehr mit gutem Grund eine bedeutende Rolle gespielt und war dort Thema einer eigenen Arbeitsgruppe. Dort bestand Einigkeit unter den Beteiligten darüber, dass die Erkenntnisse aus der Forschung künftig schneller und besser für das Gesamtsystem Schiene nutzbar gemacht werden müssen, wenn dem Verkehrsträger der notwendige Innovationsschub verliehen werden soll. Der Schlüssel für die Beschleunigung dieser Prozesse liegt in der anwendungsorientierten Forschung.

Diese ist ohne die Möglichkeit praxisnaher Tests und Erprobungen jedoch so gut wie undenkbar. Die vorhandenen europäischen Testeinrichtungen können nicht oder nur eingeschränkt für Forschungszwecke genutzt werden, weil sie mit kommerziellen Versuchen und Zulassungsverfahren ausgelastet sind. Um diese Lücke zu schließen, wird unter Leitung des DZSF ein offenes digitales Testfeld eingerichtet. Das Testfeld schafft Grundlagen für die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs. Hier wird Forschung unter Realbedingungen möglich. Ein Schwerpunkt dieses Testfeldes wird das LärmLab 21 sein, mit dem in besonders belasteten Regionen Verfahren für einen besseren Lärmschutz entwickelt und erprobt werden sollen.

Das Versuchsgebiet erstreckt sich über die Haupt- und Nebenstrecken im Streckennetz Halle – Cottbus – Niesky. Testfahrten und Versuche am Gleis und an Bahnanlagen stehen ebenso auf der Agenda wie Untersuchungen im Umfeld, bei denen es zum Beispiel um Fahrgäste, Anwohner und Umwelt geht. Die Versuche sollen vom DZSF selbst durchgeführt werden, sowohl im Rahmen seiner Eigenforschung als auch im Auftrag Dritter.

Kartenausschnitt des Versuchsgebietes über die Haupt- und Nebenstrecken im Streckennetz Halle – Cottbus – Niesky

Quelle: Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF)

Das offene digitale Testfeld dient u.a. zur Umsetzung des Bundesforschungsprogrammes Schiene durch das DZSF und steht auch anderen Forschungseinrichtungen und dem Sektor zur Verfügung.

  • Testen im Realbetrieb
    Das offene digitale Testfeld ermöglicht als einziges Testfeld in Europa die Erprobung neuer Technologien und weiterer Innovationen auf dem bestehenden Streckennetz unter Realbedingungen. Dabei wird nahezu die komplette Bandbreite an eisenbahnbetrieblichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen abgedeckt. Durch die Forschung unter Realbedingungen können Fragestellungen erforscht werden, die auf den existierenden Testeinrichtungen nicht umsetzbar sind.
  • Offener Zugang für den Sektor
    Das offene digitale Testfeld bietet kurzfristige und flexibel verfügbare Kapazitäten für die Erprobung schienenbezogener Innovationen. Adressaten sind über den Eisenbahnsektor hinaus auch Unternehmen anderer Wirtschaftszweige und nicht kommerzielle Forschungseinrichtungen. Das DZSF unterstützt die Durchführung der Tests organisatorisch, indem es als „One-Stop-Shop“ agiert und somit den Zugang erleichtert.
  • Neutrale Plattform für Wirtschaft und Wissenschaft
    Das offene digitale Testfeld des DZSF als neutrale Plattform fördert die langfristige Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Betreibern.