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Die neue LL-Sohle für Güterzüge

Quelle: BMVI

Die Verlagerung von mehr Verkehr auf die klimafreundliche Schiene wird nur dann gelingen, wenn zugleich die Akzeptanz der Bevölkerung und insbesondere der Anlieger für den Aus- und Neubau von Eisenbahnstrecken erhöht werden kann. Der Lärmschutz im Schienenverkehr ist deshalb kein Luxus, sondern Kernelement einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik.

Bei den Anliegern gefürchtet ist vor allem der vom Schienengüterverkehr ausgehende Lärm. Hier gilt es, das Übel an der Wurzel zu packen. Deshalb hat sich die Bundesregierung in den zurückliegenden Jahren besonders der Umrüstung der Bestandsgüterwagen auf lärmarme Bremstechniken und damit der Lärmminderung an der Quelle (also am Güterwagen selbst) gewidmet. Die zweite Säule ist der stationäre Lärmschutz an der Strecke.

Auf diese Weise konnte der Schienenverkehrslärm zwischen 2008 und 2020 um 10 dB (A) verringert und damit halbiert werden. Vom menschlichen Gehör wird eine Reduzierung um 10 dB (A) als Halbierung des Lärms empfunden.

Ab Ende 2020 dürfen dank des im März 2017 vom Bundestag einstimmig beschlossenen Schienenlärmschutzgesetzes keine lauten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz unterwegs sein.

Lärmabhängige Trassenpreise

Laute Wagen zahlen mehr als leise: Diesem Grundgedanken folgt das lärmabhängige Trassenpreissystem, das es seit Dezember 2012 gibt und das ebenso einfach wie effizient funktioniert. Die erzielten Mehreinnahmen kommen der Umrüstung von Güterwagen auf leisere Technik zugute. Mit dem Verbot des Betriebs lauter Güterwagen läuft das lärmabhängige Trassenpreissystem zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 aus.

Lärmminderung an der Quelle – die Umrüstung auf Verbundstoffbremssohlen

Seit der Zulassung der LL-Sohle im Jahr 2013 werden auf Verbundstoffbremssohlen (LL oder K-Sohlen) umgerüstete Güterwagen im Regelbetrieb eingesetzt. Diese Bremstechnik hält die Radlaufflächen glatt. Dadurch verursachen diese Wagen im Betrieb weniger Lärm als Güterwagen, die mit herkömmlichen Grauguss-Bremssohlen ausgerüstet sind.

Die Umrüstung der Bestandsgüterwagenflotte wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 mit 152 Mio. Euro gefördert (Förderrichtlinie lärmabhängiges Trassenpreissystem). Bis dahin soll die Modernisierung der in Deutschland verkehrenden Güterwagen abgeschlossen sein (neue Güterwagen müssen bereits seit 2005 niedrigere Lärmgrenzwerte einhalten)..

Lärm-Monitoring

Das BMVI hat ein deutschlandweites Lärm-Monitoringsystem eingeführt. An stark befahrenen Bahnstrecken erfassen Messstationen die Lärmemissionen vorbeifahrender Güter- und Personenzüge dauerhaft und nach einer einheitlichen Methode. Damit sollen die Aktivitäten der Bundesregierung zur Verringerung des Schienenverkehrslärms, wie der Fortschritt der Umrüstung von Güterwagen auf LL-Sohlen und der vermehrte Einsatz leiser Güterwagen, transparent und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar dargestellt werden.

Die 19 Messstationen befinden sich an den Hauptkorridoren des Schienengüterverkehrs und erfassen Tag und Nacht mehr als 70 Prozent der Güterzüge. Die Ergebnisse sind frei zugänglich, die Standorte der Messstationen und ihre Messdaten können im Internet auf www.laerm-monitoring.de abgerufen werden.

Das Schienenlärmschutzgesetz – Verbot lauter Güterwagen ab Ende 2020

Nach Ablauf des Förderprogramms „lärmabhängiges Trassenpreissystem“ zum Ende der Fahrplanperiode 2019/2020, d.h. ab dem 13.12.2020, dürfen keine lauten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz verkehren. Um dies zu erreichen, haben im Jahre 2017 der Deutsche Bundestag und der Bundesrat jeweils einstimmig das Schienenlärmschutzgesetz verabschiedet. Das Gesetz verbietet ab dem Fahrplanwechsel am 13.12.2020 grundsätzlich das Fahren lauter Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz.

Forschungsprojekt „Innovativer Güterwagen“

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur initiierte 2016 das Auftragsforschungsprojekt „Aufbau und Erprobung von Innovativen Güterwagen“, das von einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus DB Cargo AG und VTG AG, durchgeführt wurde. Für die unabhängige messtechnische Bewertung in den Bereichen Lärm und Energie wurde durch das BMVI die Firma PROSE GmbH beauftragt.

Nach knapp drei Jahren Projektlaufzeit wurden im April 2019 die finalen Ergebnisse vorgelegt. Sie bestätigen das erwartete hohe Potential der untersuchten Prototypen der Innovativen Güterwagen und der eingesetzten innovativen Komponenten in den im Projekt adressierten Feldern Lärm, Energie und Wirtschaftlichkeit.

Weitere Informationen zum Projekt: www.innovativer-gueterwagen.de

Die Projektergebnisse wurden umfassend dokumentiert und stehen hier zur Verfügung. Neben dem übergreifenden Schlussbericht der Arge und den Berichten von PROSE zur Lärm- und Energiemessung stehen auch alle Berichte der Unterauftragnehmer der Arge zur Verfügung.

Studie zur EU-weiten Migration eines Digitalen Automatischen Kupplungssystems (DAK)

Die Digitale Automatische Kupplung ist ein zentrales Element zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs. Deshalb gab das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Jahr 2019 bei der hwh Gesellschaft für Transport- und Unternehmensberatung mbH eine Studie zur „Erstellung eines Konzeptes für die EU-weite Migration eines Digitalen Automatischen Kupplungssystems (DAK) für den Schienengüterverkehr“ in Auftrag (als Unterauftragnehmer waren auch die ConnectedValue Consulting GmbH, die Owita GmbH, die Technische Universität Berlin und die Technische Universität Dresden an der Studie beteiligt).
Nur ein Jahr später - am 29.06.2020 - konnten die Ergebnisse der Studie der Öffentlichkeit im Rahmen einer Online-Präsentation vorgestellt werden.
Die Projektergebnisse wurden umfassend dokumentiert und stehen hier zur Verfügung. Neben einem umfassenden Schlussbericht wurden auch drei Fachberichte erstellt, deren Ergebnisse im Schlussbericht zusammenfassend dargestellt werden. Wegen der EU-weiten Bedeutung der Ergebnisse liegen alle Berichte auch in englischer Sprache vor.