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Fotocollage Lärmschutzwände
Lärmschutzwände

Quelle: DB Netz AG

Für viele Menschen in Deutschland bedeutet Verkehrslärm eine große Belastung ihres Wohlbefindens und ihrer Gesundheit. Dazu zählt auch der durch Schienengüterverkehr verursachte Lärm. Für die Bundesregierung ist der Schutz vor Schienenverkehrslärm deshalb kein Luxus, sondern Kernelement ihrer nachhaltigen Verkehrspolitik. Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien nochmals ihre Absicht bekräftigt, den Schienenverkehrslärm (ausgehend vom Jahr 2008) bis 2020 deutschlandweit zu halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl von Programmen eingerichtet und durchgeführt.

Seit 1999: Das Lärmsanierungsprogramm – das Kernelement der örtlichen Lärmminderung

Mit dem Lärmsanierungsprogramm wird seit 1999 systematisch ein ganz wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Lärmbelastung an bestehenden Schienenwegen des Bundes geleistet. Seit 1999 sind aus dem Lärmsanierungsprogramm insgesamt über 1,4 Mrd. Euro in den stationären Lärmschutz investiert worden. Die Finanzmittel des ursprünglich mit 50 Millionen pro Jahr ausgestatteten Programms sind in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich angewachsen. So stehen allein für 2020 insgesamt 139 Millionen Euro für die Lärmminderungsmaßnahmen zur Verfügung.

Vorrangig sollen solche Streckenabschnitte saniert werden, bei denen die Wirkung der Maßnahme besonders hoch ist. Die Wirkung der Lärmsanierung lässt sich beschreiben in der erreichbaren Lärmminderung und der Anzahl der Anwohner, für die vor der Lärmsanierung Lärmbelastungen oberhalb der Lärmsanierungsgrenzwerte vorliegen. Durch den Wegfall des Schienenbonus von 5 dB(A) und die Absenkung der Auslösewerte für die Lärmsanierung um 3 dB(A) wurde eine vollständige Neuerstellung des Gesamtkonzepts der Lärmsanierung notwendig, die im Jahr 2017 begonnen wurde. Hierfür war eine Neuberechnung des Bedarfs für die Lärmsanierung erforderlich, die das gesamte Schienennetz der Eisenbahnen in der Baulast des Bundes betraf (diese Überprüfung erfolgte rechnerisch). Dabei wurden auch die bereits sanierten Abschnitte mit betrachtet. Somit kam es zu einer vollständigen Überarbeitung der Priorisierungsliste. Alle sanierungsbedürftigen Abschnitte wurden mit neuen Priorisierungskennziffern nach den aktuellen Bemessungswerten versehen. Dadurch ist eine transparente Reihung der sanierungsbedürftigen Abschnitte auf fachlich gesicherter Grundlage entstanden.

Parallel hierzu erfolgte eine Fortschreibung der Förderrichtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes (Förderrichtlinie Lärmsanierung). Sie ist Grundlage für die Gewährung der Zuwendungen für die Lärmsanierung an Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes. Die neue Förderrichtlinie Lärmsanierung ist am 01.01.2019 in Kraft getreten. Bei der Prüfung und Aktualisierung der Förderrichtlinie wurde auch die Vorgabe aus dem Koalitionsvertrag 2018 zur Gestaltung von Lärmschutzmaßnahmen im Schienenverkehr berücksichtigt. Dieser sieht vor, dass bei der Gestaltung von Lärmschutzmaßnahmen mehr Rücksicht auf die Interessen der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft genommen wird. Erstmalig können in besonders sensiblen Gebieten mit besonderer touristischer oder gesundheitswirtschaftlicher Bedeutung auch aufwendiger konzipierte und gestaltete Lärmschutzwände gefördert werden. Zudem ist die 1974-Regelung entfallen (neuer Stichtag: 01.01.2015). Hierdurch werden nunmehr auch Gebäude, die zwischen 1974 und 2015 errichtet wurden, von der Lärmsanierung erfasst.

Mit dem neuen Gesamtkonzept hat sich der Gesamtbedarf der zu sanierenden Strecken um ca. 2.800 Kilometer auf 6.500 Kilometer erhöht und umfasst nunmehr 2.200 Städte und Gemeinden. Seit 1999 sind insgesamt über 1,4 Milliarden Euro in den Lärmschutz investiert worden. Die Gesamtlänge des Streckennetzes der DB Netz AG beträgt rd. 33.500 Kilometer. Weitere Informationen zur Lärmvorsorge und Lärmsanierung sind als interner Link bereitgestellt.

2008 – 2012: Das Pilot- und Innovationsprogramm leiser Güterverkehr – ein Paradigmenwechsel hin zum Lärmschutz an der Quelle

Im Jahr 2008 wurde unter der Federführung des Bundesverkehrsministeriums das interministeriell begleitete Pilot- und Innovationsprogramm „Leiser Güterverkehr“ zur Reduzierung des Schienengüterverkehrslärms aufgelegt. Damit sollten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, die Bestandsflotte der Güterwagen auf leise Technologien umzurüsten.

Zum Programm gehörten die folgenden Programmbausteine:

  • Pilotprojekt „Leiser Rhein“,
  • Innovationsprogramm „Verbundstoff-Bremsklotzsohlen“,
  • Untersuchungen zur Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems.

2009 – 2011: Das Konjunkturprogramm II – Erprobung innovativer Maßnahmen und Verfahren an Gleisanlagen

Mit der politischen Zielstellung „Wir bauen Zukunft“ flossen von 2009 bis 2011 rund 72 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II (KP II) in das Vorhaben „Einzelmaßnahmen zur Lärm- und Erschütterungsminderung am Fahrweg“. In 82 Einzelprojekten wurden 13 Technologien zur Lärm- und Erschütterungsminderung erprobt, zum Beispiel Schienenstegdämpfer, niedrige Schallschutzwände, Schienenschmiereinrichtungen sowie spezielle Maßnahmen zur Brückenentdröhnung.

Die Maßnahmen, die diese Erprobungsphase erfolgreich absolviert hatten, wurden bei der Novellierung in die 16. BImSchV aufgenommen. Das Maßnahmenportfolio für Lärmschutzmaßnahmen wurde so erweitert, es eröffneten sich neue Möglichkeiten zur Gestaltung des Lärmschutzes.

2010 – 2014: Das Verbundprojekt LäGiV – Lärmreduzierter Güterverkehr durch innovative Verbundstoff-Bremsklotzsohlen

Das Verbundprojekt LäGiV verfolgte das Ziel, technisch und wirtschaftlich optimierte Verbundstoff-Bremsklotzsohlen, sogenannte Flüsterbremsen, für den Einsatz in Güterwagen zu entwickeln. Von den beteiligten Herstellern aus dem Kreis der mittelständischen Unternehmen wurden Verbundstoff-Bremsklotzsohlen für unterschiedliche Konfigurationen und Bauformen entwickelt und nach internationalen Vorschriften erprobt. Das Projekt wurde vom BMWi mit einer Zuwendung in Höhe von 6,9 Millionen Euro gefördert und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) begleitet.

2012 - 2020: Das lärmabhängige Trassenpreissystem (laTPS) - Bonus für lärmarme Güterwagen

Seit dem Fahrplanwechsel 2012/2013 gilt das lärmabhängige Trassenpreissystem. Laute Züge zahlen pro Kilometer mehr als leise. Mit den Mehreinnahmen und mit Zuschüssen vom BMVI wird die Umrüstung von Güterwagen auf leisere Technik wie Verbundstoffbremssohlen finanziell gefördert. Der Bund stellt dafür bis zu 152 Millionen Euro bereit.

Die Anstrengungen zahlen sich aus: Von den 183.000 auf dem deutschen Schienennetz verkehrenden Güterwagen waren im Juni 2020 bereits über 88 Prozent leise. Ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 dürfen dann überhaupt keine lauten Güterzüge mehr das deutsche Schienennetz befahren – so bestimmt es das Schienenlärmschutzgesetz, das Bundestag und Bundesrat im Jahr 2017 jeweils einstimmig verabschiedet haben.

2013: Die Zulassung der Verbundstoff-Bremsklotzsohlen

Das BMVI setzt besonders auch auf die Lärmvermeidung im Fahrzeugbereich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bremssohlen aus Grauguss halten die LL-Sohlen und K-Sohlen aus Verbundwerkstoffen die Lauffläche der Eisenbahnräder dauerhaft in glattgeschliffenem Zustand. Die beiden Sohlentypen gehören damit zu den sogenannten „Flüsterbremsen“. Die Abrollgeräusche der Güterwagen werden durch Verwendung dieser Bremssohlen in Verbindung mit glatten Schienenoberflächen deutlich reduziert. Bestandsgüterwagen werden auf LL-Sohlen umgerüstet und neue Wagen grundsätzlich mit K-Sohlen ausgestattet. Die Lärmminderung an der Quelle durch die Umrüstung der vorhandenen Güterwagenflotte führt zu einer flächendeckenden Lärmreduzierung.

2013 – 2014: Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene

Das Sonderprogramm Lärmschutz Schiene als Teil des Infrastrukturbeschleunigungsprogramms II (IBP II) diente der Minderung des Lärms an Brennpunkten und wurde unabhängig vom bestehenden Lärmsanierungsprogramm eingerichtet. In den Jahren 2013 und 2014 wurden insgesamt 27 Millionen Euro für die Erprobung innovativer Techniken und die Minderung von Lärm in besonders belasteten Abschnitten investiert.

2016 – 2018: Das Zukunftsinvestitionsprogramm – Lärmschutz an Brennpunkten und Förderung von Innovationen

Die für die Jahre 2016 bis 2018 zusätzlich vorgesehenen Mittel für Lärmschutz wurden unabhängig vom Lärmsanierungstitel im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms (ZIP) bereitgestellt und für ein Sonderprogramm eingesetzt, das insbesondere den Lärm an Brennpunkten weiter reduzieren sollte. Dieses Sonderprogramm ermöglichte auch die Erprobung, die Weiterentwicklung und den Einsatz innovativer Techniken. Hierzu gehörten auch die folgenden Projekte:

Das Forschungsprojekt „Innovativer Güterwagen“

Das Pilotprojekt „Innovativer Güterwagen“ startete im September 2016. Ziel war die Entwicklung von energieeffizienten, leisen und zudem kostengünstigen Güterwagen. Die Entwicklung setzte auf vorhandenen Forschungsergebnissen auf und nutzte fertig entwickelte Komponenten, die bis dahin nicht in Serie verbaut wurden. Hierfür wurden Prototypen gebaut, deren Einsatz auch betriebswirtschaftlich darstellbar war. Die Mess- und Testphase und die Betriebserprobung fanden von Januar 2018 bis März 2019 statt. Es konnte für alle vier im Projekt untersuchten Fahrzeuggattungen gezeigt werden, dass es möglich ist, Wagen zu entwickeln und zu bauen, die unter Einsatz innovativer Komponenten und Technologien leiser, energieeffizienter und dabei insgesamt wirtschaftlicher sind als aktuelle Bestandswagen. Im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms wurden hierfür zwischen 2016 und April 2019 bis zu 21,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Das BMVI erwartet, dass sich dieser Erkenntnisgewinn jetzt auch bei der Herstellung neuer und bei der technischen Fortentwicklung alter Güterwagen niederschlägt.

Die Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert (I-LENA):

Das BMVI startete im April 2016 eine neue Lärmschutz-Initiative unter dem Titel: „Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert (I-LENA)“. In Kooperation mit der DB AG werden Innovationen auf Teststrecken der DB AG in der Praxis erprobt. Diese Initiative gibt Entwicklern und Entwicklerinnen sowie Produzenten und Produzentinnen von Lärmschutzmaßnahmen an der Infrastruktur erstmals die Gelegenheit, auf einer DB-Teststrecke kostenfrei Innovationen in der Praxis zu erproben. So können weitere und optimierte innovative Lärmschutzmaßnahmen für den Lärmschutz an Schienenwegen schneller geprüft und bis zur Anwendungsreife gebracht werden. Ziel von I-LENA ist es, Lärmschutz-Innovationen im Bereich Infrastruktur zu befördern und den Wettbewerb in diesem Bereich anzuregen. Aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm stehen für die Einrichtung der Techniken am Gleis, für die Messung sowie für deren Rückbau 5,7 Millionen Euro bereit, danach erfolgt die Finanzierung aus dem Lärmsanierungstitel. Die Initiative läuft bis zum Ende 2020 und wird dann vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) im Rahmen seiner Forschungsarbeit fortgesetzt.

Ausführliche Informationen sind unter: www.deutschebahn.com/laermschutz erhältlich.

Die Innovationsprämie TSI Lärm +: Neue Fördermöglichkeiten für besonders leise Güterwagen

TSI Lärm + zielt auf die Förderung besonders leise Güterwagen, die die Emissionsgrenzwerte für Schienenfahrzeuge der TSI Lärm deutlich unterschreiten. Gefördert werden Umbau und Neubeschaffung. Neu beschaffte Güterwagen müssen um mindestens 5 dB(A) leiser sein als Güterwagen, die „nur“ den derzeit geltenden TSI-Lärm-Grenzwert einhalten. Bei einer Neubeschaffung muss für jeden geförderten Güterwagen ein Bestandsgüterwagen verschrottet werden.

Ebenfalls gefördert wird die Umrüstung vorhandener Güterwagen mit neuen, leiseren Teilkomponenten, wenn dadurch die Emissionswerte um mindestens 3 dB(A) unter die bisherigen TSI Lärm-Grenzwerte fallen. Diese Anforderung kann allein durch eine Umrüstung auf LL-Sohlen nicht erfüllt werden. Das BMVI hat die für die Förderung notwendigen Regelungen in einer Förderrichtlinie festlegt.

Seit 2019: Das Lärm-Monitoring des BMVI – Mehr Transparenz im Lärmschutz

Das BMVI hat ein deutschlandweites Lärm-Monitoringsystem eingeführt. An stark befahrenen Bahnstrecken erfassen Messstationen die Lärmemissionen vorbeifahrender Güterzüge dauerhaft und nach einer einheitlichen Methode. Damit sollen die Aktivitäten der Bundesregierung zur Verringerung des Schienenverkehrslärms, wie der Fortschritt der Umrüstung von Güterwagen auf LL-Sohlen und der vermehrte Einsatz leiser Güterwagen, transparent und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar dargestellt werden.

Die 19 Messstationen befinden sich an den Hauptkorridoren des Schienengüterverkehrs und erfassen Tag und Nacht mehr als 70 Prozent der Güterzüge. Die Ergebnisse sind frei zugänglich, die Standorte der Messstationen und ihre Messdaten können im Internet auf www.laerm-monitoring.de abgerufen werden.

2021/22: Noch mehr Lärmschutz an der Schiene durch die erneute Absenkung der Auslösewerte

Das BMVI plant die Absenkung der Auslösewerte für die Lärmsanierung an Schiene und Straße um weitere 3 dB(A). Dies wird zeitgleich für Gebiete mit ausgeprägter schutzwürdiger Wohnbebauung gelten, zum Beispiel für Wohn-, Dorf-, Misch- und Kerngebiete. Dazu bedarf es der Änderung der verbindlichen Erläuterungen im Bundeshaushaltgesetz 2021, in denen unter anderem der Lärmpegel festgelegt wird. In Folge dessen muss der erweiterte Sanierungsbedarf an den bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes durch den Infrastrukturbetreiber DB Netz AG identifiziert werden. Schließlich muss die bis dahin überarbeitete Förderrichtlinie Lärmsanierung noch vom Bundesfinanzministerium genehmigt werden. Deshalb ist mit dem Inkrafttreten zum 01.01.2022 zu rechnen. Dann werden die Auslösewerte seit 2015 um insgesamt 11 dB(A) gesunken sein. Eine Verminderung des Lärms um 11 db(A) entspricht einer Halbierung des Lärms, den das menschliche Gehör empfindet.

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Wir verfolgen ein klares Ziel: Wir wollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Dabei sind wir uns sehr wohl der Tatsache bewusst, dass es in unserem Land auch Menschen gibt, die unsere Eisenbahnpläne mit einer gewissen Sorge verfolgen. Als Betroffene fürchten sie den Lärm, mit dem dieses Mehr an Schienenverkehr aus ihrer Sicht verbunden ist. Und dafür kann und muss man Verständnis haben.

Die Umsetzung unserer ambitionierten Pläne hängt deshalb entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, die notwendige Akzeptanz der Anliegerinnen und Anlieger dafür zu schaffen. Die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene ist praktizierter Umwelt- und Klimaschutz. Aber das geht nicht ohne ausreichenden Lärmschutz für die Betroffenen.