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Quelle: BMVI

Präsentation der Studie "Mobilität in Deutschland 2017" vor mehr als 300 Gästen im BMVI in Berlin

Wie oft und wie lange sind die Bürger unterwegs? Welche Verkehrsmittel nutzen sie? Zu welchem Zweck sind sie unterwegs? Die Studie "Mobilität in Deutschland (MiD) 2017" ist eine der umfassendsten Studien zur Alltagsmobilität weltweit und hat diese und viele andere Facetten der Mobilität erfasst. An der Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur haben sich mehr als 60 regionale Partner beteiligt, um neben bundesweiten Kennwerten auch Informationen zur Alltagsmobilität vor Ort zu erhalten. Am 14. und 15. November präsentierten Auftraggeber und Auftragnehmer die wichtigsten Hintergründe und Ergebnisse zur Studie. In den Vorträgen wurden viele neue Aspekte präsentiert, z.B. zur Elektromobilität, zum Car-Sharing oder zur Multimodalität. Diese stehen unter "Weiterführende Informationen" zur Verfügung. Mit dem Auswertetool "Mobilität in Tabellen" können Interessierte Auswertungen selbst durchführen. Der umfassende Ergebnisbericht wird in der 49. KW veröffentlicht. Ein Kurzreport mit ersten Ergebnissen ist bereits seit Juni 2018 veröffentlicht.

Deutsche unterwegs wie nie zuvor

Jeden Tag legen die Deutschen gut 3,2 Milliarden Kilometern zurück. Als Folge des Anstiegs der Bevölkerung und der Beschäftigung erreicht die Verkehrsnachfrage damit einen neuen Höchststand. Pro Person sind das täglich 39 Kilometer. Die ersten Ergebnisse der Mobilitätsstudie "Mobilität in Deutschland 2017 (MiD 2017)" liegen jetzt vor und zeichnen ein vielschichtiges Bild, wie viel, warum und mit welchen Verkehrsmitteln die Deutschen unterwegs sind. Über ein Jahr verteilt berichteten Personen aus insgesamt mehr als 150.000 Haushalten über ihre Mobilität. Als weltweit größte empirische Untersuchung zur privaten Mobilität bietet sie eine hervorragende Grundlage für die Verkehrsplanung. Die Vorgängererhebung fand 2008 statt.

Stärkster Zuwachs im öffentlichen Verkehr

Das Auto bleibt mit drei Viertel der Personenkilometer das dominierende Verkehrsmittel. Vor allem die ältere Bevölkerung nutzt immer intensiver das Auto. Bei den Jüngeren und in den Städten sind die Vorzeichen umgekehrt. Daher verliert das Auto insgesamt Anteile an die anderen Verkehrsträger. Der größte Gewinner in der Kilometerbilanz ist der öffentliche Verkehr mit Bussen und Bahnen und damit die Umwelt, der Anteil steigt von 15% auf 19%.

Die Verkehrsplanung richtet den Blick oft auf die Wegehäufigkeit, sie ist Ausdruck für Mobilitätsanlässe. Nach Jahrzehnten gibt es erstmals einen beachtlichen Rückgang von 3,4 auf 3,1 Wege pro Person und Tag. Erste Ergebnisse wie z.B. niedrigere Mobilitätsquoten bei den Jüngeren sowie eine hohe Bedeutung von Onlinehandel und Homeoffice, bieten hierzu Erklärungsansätze. In das Bild passt auch der leichte Rückgang von Fußwegen. In der Wegebilanz angestiegen ist wiederum der Anteil öffentlicher Verkehrsmittel auf jetzt 10%, das Fahrradfahren legt bundesweit leicht auf 11% zu. Das Auto wird für 57% der Wege genutzt.

Verkehrsmittelwahl (Anteil an allen Wegen)
Verkehrsmittelwahl (Anteil an allen Wegen)

Quelle: BMVI

In den Metropolen hingegen ist "mobil sein ohne Auto" mehr als ein Schlagwort; weniger als 40% der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt, mehr als 20% mit dem öffentlichen Verkehr und das Fahrrad steigert seinen Anteil auf 15%. Hier werden auch neue Mobilitätsformen als Segmente statistisch erkennbar. Rund 14 Prozent aller Haushalte in den Metropolen haben sich für mindestens ein Carsharing-Angebot angemeldet und zeigen so ihre Bereitschaft, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Allerdings ist der absolute Beitrag der Carsharing-Flotte am Verkehr gegenwärtig auch hier noch sehr klein. In den Kleinstädten und Dörfern der ländlichen Regionen sind die Alternativen zum Auto nur selten eine Option; 70% der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt.

Erstmals kommt in der Studie die neue regionalstatistischen Raumtypologie (RegioStaR) für die Mobilitäts- und Verkehrsforschung des BMVI zur Anwendung, mit der sich die sehr großen räumlichen Unterschiede in den Mobilitätsgewohnheiten sehr zielgenau unterscheiden lassen.

Was genau ist die Studie MiD?

Von Juni 2016 bis September 2017 wurden bundesweit etwa 155.000 Haushalte zu ihrer Mobilität befragt, so viele wie noch nie zuvor. Damit wird eine der wichtigsten Datengrundlagen für die Verkehrsplanung und für Entscheidungen der Verkehrspolitik auf allen politischen Ebenen – vom Bund bis zu den Kommunen – aktualisiert. Die Vorgängererhebungen fanden zuletzt 2002 und 2008 statt. Die MiD ist Grundlage dafür, Fuß- und Radwege, Straßen sowie den Bus- und Bahnverkehr bedarfsgerecht planen zu können und zielgenau zu investieren.

Die MiD ist Teil eines Bausteinsystems verschiedener Erhebungen des Ministeriums. Jährlich aktuelle Mobilitätseckwerte werden im Rahmen des "Deutschen Mobilitätspanels" (MOP) bereitgestellt, das zugleich auch die Möglichkeit der Analyse von Verhaltensänderungen bietet. Bei der MiD steht nicht die jährliche Aktualität im Vordergrund, sondern die tief differenzierten Auswertemöglichkeiten demografischer, sozioökonomischer und regionaler Mobilitätsmuster.

Wer und was wurde gefragt?

Viele Informationen für die Verkehrsplanung werden gemessen oder gezählt. Die wichtigsten Erkenntnisse zur Alltagsmobilität jedoch können nur durch Auskunft der Bevölkerung erfasst werden. Die Fragestellungen sind z. B.: Wie oft und wie lange sind Sie unterwegs? Welche Verkehrsmittel nutzen Sie? Zu welchem Zweck sind Sie unterwegs? Die MiD erfasst zusätzlich umfassende Informationen zu den Mobilitätsvoraussetzungen, z. B.: Mit welchen Fahrzeugen sind die Haushalte ausgestattet? Wie alt sind die Menschen, besitzen sie einen Führerschein?

Die Befragung richtet sich an Einwohner aller Altersklassen; diese wurden nach einem wissenschaftlichen Zufallsverfahren ausgewählt. Die Teilnahme war freiwillig und konnte telefonisch, schriftlich-postalisch oder online erfolgen. Um jahreszeitliche und saisonale Schwankungen abzudecken, wurden die Befragungen verteilt über 12 Monate durchgeführt. Der Zeitbedarf für die Beantwortung der Fragen lag bei etwa 10-15 Minuten pro Person.

Neues Erhebungskonzept

Neben Ergebnissen für Deutschland und alle Bundesländer sollen auch verlässliche Ergebnisse für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen (z. B. Familien, Senioren) und für unterschiedliche räumliche Kategorien (z. B. für städtische oder ländliche Räume) gewonnen werden. Um dies zu ermöglichen, wurden im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums in der Bundesstichprobe Mobilitätsangaben von insgesamt mehr als 60.000 Personen aus fast 35.000 Privathaushalten erhoben. Weil bei früheren Mobilitätserhebungen die Teilnahmebereitschaft rückläufig war, ging das Bundesverkehrsministerium neue Wege. Es kam ein innovatives Erhebungs- und Auswertungskonzept zum Einsatz. Bei allen Neuerungen stand im Vordergrund, die Belastung der Befragten auf das Notwendigste zu reduzieren, ihnen eine gute Übersicht und Kontrolle über die Fragen und Antworten zu ermöglichen und gleichzeitig eine hohe Ergebnisqualität zu erreichen.

Regionale Partner machen die MiD 2017 zur größten Mobilitätsstudie weltweit

Der Umfang der vom Bundesministerium beauftragten Bruttostichprobe liefert belastbare Ergebnisse auf der Ebene der Bundesländer, nicht jedoch im Detail auf kleinräumiger oder lokaler Ebene. Viele Länder, Regionen, Städte, Verkehrsverbünde etc. benötigen solche Mobilitätsdaten aber für ihr Planungsgebiet und möchten sich mit anderen Regionen vergleichen. Um ihnen das zu ermöglichen, hatte das Bundesverkehrsministerium angeboten, den Rahmen der MiD zu nutzen und die Ergebnisse durch Vergabe einer Zusatzstichprobe zu vertiefen ("Vertiefungsstichprobe"). Sieben Bundesländer und zahlreiche Städte, Landkreise sowie öffentliche Verkehrsunternehmen und -verbünde (siehe unten unter "Weiterführende Informationen") beteiligten sich; in deren Auftrag wurden weitere mehr als 120.000 Haushalte befragt.

Mit insgesamt über 155.000 befragten Haushalten der Bundes- und Vertiefungsstichproben werden für alle Beteiligten neue und statistisch besser abgesicherte Analysemöglichkeiten zur Erforschung der Verkehrsentwicklung erreicht – eine win-win-Situation für alle Beteiligten.

Wer führt die Studie durch?

Die MiD 2017 wird verantwortlich durch das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH durchgeführt. Weitere Auftragnehmer sind das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), IVT Research GmbH sowie infas360 GmbH.

Welche weiteren Ergebnisse stehen zur Verfügung?

Die anonymisierten Datensätze und das Nutzerhandbuch zum Umgang mit den Daten stehen ab Mitte Dezember zur Verfügung. Erstmals wurden aus der Erhebung bundesweit Mobilitätskennwerte auf der Ebene von Kreisen in einem statistischen Modell berechnet. Die Ergebnisse dieser sogenannten Small Area Schätzung stehen ebenfalls Mitte Dezember zur Verfügung.