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Die Mobilität jedes Einzelnen, ob individuell oder beruflich motiviert, spiegelt sich im Personenverkehr wider. Sie hängt dabei wesentlich auch von der persönlichen, wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung ab. Die zu erwartenden unterschiedlichen wirtschaftlichen und demographischen Entwicklungen in den einzelnen Teilräumen Deutschlands werden den Verkehr langfristig beeinflussen. Aber auch politische Entscheidungen in den Bereichen Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gestalten die künftigen Entwicklungen wesentlich mit. Im Hinblick auf langfristige Verkehrsplanungen und Verkehrsinvestitionen sind Abschätzungen zur Mobilitätsentwicklung über einen langen Zeitraum unentbehrlich. Das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat mit einer umfassenden Studie „Szenarien der Mobilitätsentwicklung unter Berücksichtigung von Siedlungsstrukturen bis 2050“ erstellen lassen.

In zwei Szenarien werden unterschiedliche Annahmen zu den langfristigen Mobilitätspreisen und regionalen Anpassungsreaktionen getroffen. Als Ergebnis der Berechnungen liegen Mobilitätskennziffern für den Personenverkehr der privaten Haushalte bis zum Jahr 2050 jeweils nach Szenarien und Regionstypen „wachsend“, „schrumpfend“ und „mittel“ vor. Basis sind die 97 Raumordnungsregionen nach der Typisierung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, für die jeweils ein Zukunftsindex auf der Grundlage anderer Studien ermittelt wurde.

Das Gutachten liefert wichtige Erkenntnisse für den mittel- und langfristigen Handlungsbedarf der politischen Akteure im Bereich der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik auf allen Ebenen: Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr werden sich danach regional sehr unterschiedlich entwickeln. Die „schrumpfenden“ Regionen mit geringem Wirtschaftswachstum liegen vor allem in Ostdeutschland. Zu den „wachsenden“ wirtschaftsstarken Regionen gehören die Räume um München, Stuttgart oder Hamburg und einige andere Regionen in den alten Bundesländern. In den schrumpfenden Regionen werden der Pkw-Bestand und die Verkehrsleistungen sowohl des Öffentlichen Verkehrs (ÖV) als auch des motorisierten Individualverkehrs (MIV) nach beiden Szenarien zurückgehen. In den wachsenden Regionen nehmen auch die Verkehrsmengen zu.

Motorisierung und Verkehrsleistung hängen vor allem von Wohlstand, Verkehrspreisen und Führer­scheinbesitz ab. Viele ältere Menschen werden mobiler sein als heute. Der Anteil derer, die weiterhin über Führerschein und Pkw verfügen können, wird steigen. Der motorisierte Individualverkehr wird der dominierende Verkehrsträger bleiben. Fußverkehr und Radverkehr und auch der ÖV-Anteil verändern sich nur gering. Der Kfz-Verkehr und die Motorisierung werden im Bundesdurchschnitt - je nach Szenario - zunächst über einen kürzeren oder längeren Zeitraum trotz Bevölkerungsrückgang noch moderat wachsen, danach stagnieren oder - beim Eintritt starker Preissignale - sogar sinken.

Die Infrastruktur- und Verkehrsplanung von Bund, Ländern und Gemeinden steht damit vor neuen Aufgaben. Neben der Bewältigung hoher Verkehrsmengen in wachsenden Regionen gilt es, mit starken Nachfragerückgängen in schrumpfenden Regionen umzugehen.

Weiterführende Informationen zum Projekt werden Ihnen im Verkehrsdaten-Archiv der Clearingstelle bereitgestellt.