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Großes Interesse an neuer Veranstaltungsreihe „Verkehr in Zahlen“

Am 28./29.11.2019 fand im BMVI die Auftaktveranstaltung der neuen Veranstaltungsreihe „Verkehr in Zahlen“ statt. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem 25-jährigen Bestehen des Deutschen Mobilitätspanels.

Hintergrund

Die jährlich stattfindende Veranstaltung bildet den Rahmen für die Vorstellung der im Referat G 13 (Prognosen, Statistik und Sondererhebungen) betreuten Forschungsprojekte und Erhebungen. Mit der Veranstaltungsreihe wird dem interessierten Fachpublikum aus Politik, Wissenschaft, Planung und Verwaltung eine Plattform geboten, sich sowohl über die Inhalte bzw. den Stand der Arbeiten als auch über die Möglichkeiten der Nutzung bzw. Anwendbarkeit der hieraus resultierenden Verkehrs- und Mobilitätsdaten zu informieren. Ein wesentliches Ziel dieses Veranstaltungsformates ist der regelmäßige fachliche Dialog zwischen den Akteuren der Erhebung, Aufbereitung und Nutzung von Verkehrsdaten. Die hohe Zahl der Anmeldungen bei der zurückliegenden Veranstaltung, ebenso wie der rege fachliche Austausch, spiegelt das große Interesse der Teilnehmer an der Veranstaltung wider.

Veranstaltungsreihe widmet sich verschiedenen Schwerpunktthemen

Nachdem im vergangenen Jahr bereits eine erste vergleichbare Veranstaltung zur Ergebnispräsentation der Studie „Mobilität in Deutschland (MiD 2017)“ stattgefunden hat, lag der Schwerpunkt der offiziellen Auftaktveranstaltung auf dem „Deutschen Mobilitätspanel (MOP)“. Aktueller Anlass war dessen 25-jähriges Bestehen. Für den November des Jahres 2020 ist ein Schwerpunkt zum 50-jährigen Bestehen des gleichnamigen Kompendiums „Verkehr in Zahlen“ vorgesehen.

Einleitender Überblick zu aktuellen Projekten des BMVI

Nach den einführenden Worten von Birgit Breitfuß-Renner, Unterabteilungsleiterin in der Grundsatzabteilung des BMVI, wurden die Teilnehmer von Christian Neef (BMVI, G 13) durch das Programm des ersten Veranstaltungsteils geführt. Es wurden aktuelle, von Referat G 13 betreute Forschungsprojekte des BMVI sowie künftige Vorhaben vorgestellt. Zu Beginn bekamen die Teilnehmer von Ulrich Siebert und Dr. Benjamin Fuchs einen Einblick in die Arbeitsweise sowie das Datenangebot des beim Kraftfahrt-Bundesamt neu angesiedelten Forschungsdatenzentrums. Im zweiten Vortrag ging Prof. Dr. Markus Friedrich von der Universität Stuttgart auf die vielfältigen Anforderungen ein, die an städtische Verkehrsnachfragemodelle bestehen. Gleichzeitig zeigte er auf, wie die verschiedenen Akteure der Verkehrsplanung bei künftigen Erhebungen von den – u.a. in Form eines Leitfadens – vorliegenden Ergebnissen des Forschungsprojektes profitieren können. Hieran anschließend stellte Prof. Dr. Bert Leerkamp (Bergische Universität Wuppertal) eindrucksvoll dar, welche Möglichkeiten die Analyse satellitengestützter Daten für die Schätzung von bundesweiten Verkehrsverflechtungen bietet. Abschließend ordnete Markus Sigismund (BMVI, G 13) die vorgestellten Projekte in das Bausteinsystem des BMVI zur Erfassung des Verkehrs bzw. in die aktuellen Forschungslinien des Referates ein und gab einen Ausblick zu künftigen Projekten.

25 Jahre Deutsches Mobilitätspanel - Historie und Grundlagen

Fotografie von Vortrag zum Deutschen Mobilitätspanel

Quelle: KIT

Der zweite und dritte Teil der Veranstaltung standen im Zeichen des „Deutschen Mobilitätspanels“ (MOP). Mit ihren einleitenden Worten würdigte Heidrun Reuter, Referatsleiterin G 13 die Bedeutung des MOP. Prof. Dr. Dirk Zumkeller, seinerzeit maßgeblich an der Entwicklung des MOP beteiligt, blickte im Anschluss hieran auf die Anfänge des Mobilitätspanels zurück. Er nahm die Teilnehmer mit in die Entstehungszeit des Mobilitätspanels und machte anhand der damaligen Rahmenbedingungen deutlich, warum neben der bis dahin reinen Querschnitts- und Stichtagserhebungen ergänzend eine Längsschnitterhebung zur Identifizierung, Analyse und zum Verständnis von Veränderungen im Verkehrsverhalten notwendig wurde. Von Dr. Bastian Chlond, der durch das Programm des 2. und 3. Veranstaltungsteils führte, bekamen die Teilnehmer einen Überblick über die Eigenschaften und die Möglichkeiten einer Längsschnitt- bzw. Panelerhebung im Allgemeinen, sowie des MOP im Speziellen. Welche Anforderungen an eine solche Längsschnittbetrachtung sowohl mit Blick auf die Datenerhebung als auch die Datenauswertung gestellt werden, machten die folgenden Vorträge deutlich. Christian Jödden vom aktuellen Erhebungsinstitut KANTAR berichtete über die langjährigen Erfahrungen in diesem Bereich sowie über die sich wandelnden Herausforderungen einer solchen Erhebung. Lisa Ecke und Miriam Magdolen, gemeinsam mit dem Projektleiter Dr. Bastian Chlond auf Seiten des aktuellen Forschungsnehmers (Karlsruher Institut für Technologie - KIT) für die Datenauswertung und die wissenschaftliche Betreuung verantwortlich, gewährten dem Auditorium Einblicke in die Prozesse der Datenaufbereitung, in den Aufbau von sowie in die Arbeit mit entsprechenden Datensätzen. Am Ende des zweiten Veranstaltungsteils lenkte Mathijs de Haas vom Netherlands Institute for Transport Policy Analysis den Blick über die nationalen Grenzen hinaus und berichtete über die Motivation, die methodischen Ansätze sowie die Ergebnisse des niederländischen Mobilitätspanels.

Forschung auf Basis des Deutschen Mobilitätspanels

Der am Vormittag des 29.11.2019 stattfindende dritte Veranstaltungsteil widmete sich insbesondere den Möglichkeiten der Nutzung bzw. Auswertung der MOP-Datensätze. Neben den vom KIT vorgestellten Sonderauswertungen zu aktuellen Fragestellungen wurden weitere Möglichkeiten der Nutzung des Mobilitätspanels aufgezeigt. So wurde von Prof. Dr. Joachim Scheiner (TU Dortmund) eine Analyse der Paneldaten mit dem Ziel vorgenommen, eine sich wandelnde Verkehrsmittelnutzung von Paaren mit einem PKW vor dem Hintergrund einer sich verändernden Lebenssituation darzustellen. Prof. Dr. Tobias Kuhnimhof (RWTH Aachen) zeigte anhand verschiedener Mobilitätsdaten auf, dass sich – entgegen der medialen Wahrnehmung – für grundlegende Veränderungen des Mobilitätsverhaltens junger Erwachsener in Bezug auf deren Autonutzung keine entsprechenden Nachweise finden lassen. Dr. Christine Eisenmann (Institut für Verkehrsforschung am DLR) stellte dar, auf welche Weise sich aus den MOP-Datensätzen Längsschnittprofile der PKW-Nutzung modellieren und analysieren lassen und welche Schlüsse sich hieraus beispielsweise mit Blick auf den Verbreitungsgrad der Elektromobilität ziehen lassen. Im abschließenden Vortrag stellte Prof. Colin Vance (RWI, Essen) dar, wie sich auf Basis der MOP-Daten Kraftstoffpreiselastizitäten unterschiedlicher Nutzergruppen in der Bevölkerung schätzen lassen und welche unterschiedlichen Reaktionen Veränderungen von Kraftstoffpreisen bei diesen Nutzergruppen hervorrufen dürften.

Ergänzend zu den nachfolgend zur Verfügung stehenden Präsentationen und Informationen zur Veranstaltung können die Daten des Deutschen Mobilitätspanels über die Clearingstelle Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bezogen werden (www.clearingstelle-verkehr.de). Weitergehende Informationen sowie ausgewählte Ergebnisse finden Sie ebenfalls auf der Projekthomepage (www.mobilitaetspanel.de).