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Die Bundesregierung hat am 9. April 1991 die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE) und deren vordringliche Durchführung beschlossen. Grundlage waren Vorarbeiten der deutsch-deutschen Verkehrswegekommission 1990 auf der Basis fundierter Untersuchungen.

Das Investitionsprogramm VDE mit einem aktuellen Volumen von über 42 Mrd. € umfasst neun Schienen- und sieben Autobahnprojekte sowie ein Wasserstraßenprojekt. Nach vertieften Projektuntersuchungen hatten sich für alle VDE günstige Nutzen-Kosten-Verhältnisse ergeben, so dass die Bundesregierung 1992 im Rahmen der Bundesverkehrswegeplanung die Notwendigkeit und Priorität dieser Projekte nachdrücklich bestätigen konnte. Nunmehr galt es, die VDE rasch zu verwirklichen, da diesen Projekten beim Aufbau der Verkehrsinfrastruktur in den neuen Ländern und bei der Wiederherstellung leistungsfähiger Verkehrswege zwischen Ost und West eine Schlüsselfunktion zukam und noch immer zukommt.

Deutschland ist seit Beginn des europäischen Binnenmarktes Transitland Nr. 1. Durch die Öffnung der Grenzen nach Osteuropa ist zudem eine rasante Verkehrsentwicklung eingetreten, die vor allem auf dem vorhandenen Autobahnnetz in den neuen Ländern nicht mehr bewältigt werden konnte. Die bisherigen Nord-Süd-Verkehrsströme wurden überlagert durch neue Verkehre in Ost-West-Richtung.

Heute kann man feststellen, dass Bund und Länder im gesamtstaatlichen Interesse alle Möglichkeiten genutzt haben, um die VDE konsequent umzusetzen.

In die VDE wurden im Zeitraum von 1991 bis Ende 2018 insgesamt 37,3 Mrd. € investiert. Davon entfallen auf

  • die Schienenprojekte: rd. 19,2 Mrd. € (Gesamtinvestitionen rd. 22,3 Mrd. €),
  • die Straßenprojekte: rd. 16,2 Mrd. € (Gesamtinvestitionen rd. 18,0 Mrd. €),
  • das Wasserstraßenprojekt: rd. 1,9 Mrd. € (Gesamtinvestitionen rd. 2,0 Mrd. €).

Bei einigen bereits für den Verkehr freigegebenen Projekten sind noch zu investierende Ausgaben ausgewiesen. Hierbei handelt es sich überwiegend um noch durchzuführende Restarbeiten und landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen.

Überblick Schienenprojekte

Die Strecken Hamburg – Büchen – Berlin (VDE Nr. 2), Uelzen – Stendal (VDE Nr. 3), Hannover – Berlin (VDE Nr. 4), Helmstedt – Magdeburg – Berlin (VDE Nr. 5), Eichenberg – Halle (VDE Nr. 6) und Bebra – Erfurt (VDE Nr. 7) sind fertiggestellt. Seit September 1998 ist die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den alten und neuen Ländern – von Hannover nach Berlin – in Betrieb (VDE Nr. 4). Mitte Dezember 2004 wurde mit dem Ausbau der Strecke Hamburg – Büchen – Berlin für 230 km/h (VDE Nr. 2) die zweite und mit der Strecke (Nürnberg –) Ebensfeld – Erfurt für 300 km/h (VDE Nr. 8.1) im Dezember 2017 letztendlich die dritte Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den alten und neuen Ländern in Betrieb genommen.

Beim VDE Nr. 1 sind u. a. nach Ausbau und Elektrifizierung folgende Abschnitte dem Betrieb übergeben worden:

  • Hagenow Land – Schwerin Hbf.,
  • Ribnitz-Damgarten – Stralsund und Ventschow – Blankenberg – Warnow.

Aufgrund des Ergebnisses der Bedarfsplanüberprüfung kann für die Maßnahmen „Zweigleisiger Ausbau Rostock (Abzweig Riekdahl) – Ribnitz-Damgarten West“ und „Velgast – Stralsund“ dieses Projektes ein volkswirtschaftlich positives Ergebnis nicht erzielt werden; sie werden derzeit nicht weiter verfolgt.

Die VDE Nr. 8 und Nr. 9 sind im Bau. Mehrere Streckenabschnitte sind bereits fertiggestellt:

  • Beim Projekt Nürnberg – Berlin, VDE Nr. 8, ist der Abschnitt Halle/Leipzig – Berlin (VDE Nr. 8.3) bereits ausgebaut und zwischen Leipzig und Berlin mit 200 km/h befahrbar. Innerhalb des Teilprojektes Erfurt – Leipzig/Halle (VDE Nr. 8.2) wurde der Neubauabschnitt Gröbers – Leipzig mit dem Flughafenbahnhof Leipzig-Halle im Jahr 2003 in Betrieb genommen und das VDE Nr. 8.2 (NBS/ABS Erfurt – Leipzig/Halle) Ende 2015.
  • Die ABS Nürnberg – Ebensfeld befindet sich im Bau. Im Zuge der ABS Nürnberg – Ebensfeld wurden die Bauarbeiten für den viergleisigen Ausbau Nürnberg – Fürth im wesentlichen Ende 2011 und für den Abschnitt Eltersdorf – Erlangen im Jahre 2016 abgeschlossen. Die Abschnitte Baiersdorf – Forchheim sowie der Fürther Bogen befinden sich im Bau.
  • Die Inbetriebnahme der Neubaustrecke (NBS) Ebensfeld – Erfurt (VDE Nr. 8.1) ist zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 erfolgt. Ebenso ist an diesem Tag die Inbetriebnahme der ABS-Abschnitte Erlangen – Baiersdorf und Breitengüßbach – Ebensfeld erfolgt.
  • Beim VDE Nr. 9, Leipzig – Dresden, konnte durch die Fertigstellung des Abschnitts Leipzig – Riesa die Fahrzeit zwischen beiden Städten von zuvor über 1½ Stunden auf rund 1 Stunde verkürzt werden. Der Neubau der Verbindungsspange Weißig – Böhla (7,5 km) und die Bauarbeiten zwischen Weinböhla und Radebeul West (im Rahmen des Konjunkturpaketes I) sind Ende 2010 fertiggestellt worden. Der viergleisige Ausbau, des Abschnitts Coswig – Dresden-Neustadt wurde Ende 2016 im Wesentlichen abgeschlossen.

Überblick Straßenprojekte

Insgesamt sind bis Ende 2018 rund 1.930 km neu- und ausgebaute Bundesautobahnen im Rahmen der VDE dem Verkehr übergeben worden. Weitere rund 50 km sind im Bau. Damit sind rund 99 % des Projektvolumens für die Straßenprojekte realisiert oder in der Umsetzungsphase. Das gesamte VDE-Straßennetz ist quasi komplett fertig gestellt.

Mit der A 20, Lübeck – Stettin (VDE Nr. 10), der A 14, Halle – Magdeburg (VDE Nr. 14) und der A 71, Schweinfurt – Erfurt / A 73, Lichtenfels – Suhl (VDE Nr. 16), sind inzwischen drei Neubauprojekte auf voller Länge für den Verkehr freigegeben.

Die VDE Nr. 11, Nr. 12, Nr. 13 und Nr. 15 sind zu großen Teilen fertiggestellt:

  • Die A 2 ist vom Kreuz Hannover-Ost bis zum Dreieck Werder (VDE Nr. 11) durchgehend ausgebaut. Im anschließenden Berliner Süd- und Ostring (A 10) ist die sechsstreifige Erweiterung abgeschlossen. Ein Abschnitt des Südringes wird zurzeit sogar achtstreifig ausgebaut.
  • Die Erweiterung der A 9, Nürnberg – Berlin (VDE Nr. 12) ist weitestgehend fertiggestellt.
  • Die A 38, Göttingen – Halle (VDE Nr. 13) ist durchgehend unter Verkehr. Für den letzten Neubauabschnitt A 143, Westumfahrung Halle, liegt mit der Zurückweisung der letzten Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss durch das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2019 unanfechtbares Baurecht vor. Der Bau soll schnellstmöglich durchgeführt werden, so dass vsl. ab 2025 der Verkehr rollen kann.
  • Die Neubaustrecke A 4, Weißenberg – Görlitz (Bundesgrenze), (VDE Nr. 15) und die Erweiterungsabschnitte der A 4 sind vollständig fertiggestellt. Auf der Neubaustrecke A 44, Kassel – Eisenach (VDE Nr. 15), die durch einen ökologisch und geografisch besonders schwierigen Planungsraum verläuft, sind fünf Abschnitte für den Verkehr freigegeben. Sechs weitere Abschnitte sind im Bau. Ein weiterer Abschnitt ist im Planfeststellungsverfahren.

Die Erweiterung bestehender Autobahnen auf sechs Fahrstreifen schließt in der Regel die grundhafte Erneuerung der vorhandenen Strecken ein. Sie kommt somit einem Neubau gleich.

Überblick Wasserstraßenprojekt

Der Ausbau der Wasserstraßenverbindung Hannover – Magdeburg – Berlin (VDE Nr. 17) erfolgt umweltverträglich schrittweise von West nach Ost. Der MLK einschließlich des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg sind soweit fertiggestellt, dass auf ihm seit März 2017 2,80 m abgeladene 11,45 m breite und 185 m lange Schubverbänden Magdeburg erreichen. Weiter nach Berlin können 2,50 m teilabgeladene, 110 m lange, bis zu 9,60 m breite GMS sowie 2,20 m teilabgeladene, 81 m lange, bis 11,45 m breite Schubverbände verkehren. Damit ist bis Berlin der eingeschränkte 2-lagige Containertransport möglich.
Derzeit wird das Baurecht für die letzten Abschnitte zwischen Brandenburg und Berlin erwirkt.

Hinweise

Die im Bericht enthaltenen Angaben zu Kosten und Ausgaben bei den einzelnen Projekten sind auf ganze Beträge (Mio. €) gerundet.
In den Streckenskizzen sind Orte in der Nähe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze mit einem grünen Punkt markiert.

Sachstand zu den einzelnen VDE-Projekten

Schienenwege des Bundes

Vorbemerkungen zu den VDE Schiene

Die Angaben zu den Gesamtinvestitionen beziehen sich grundsätzlich auf den Stand 31. Dezember 2018 und setzen sich aus den dynamisierten Bau-, Grunderwerbs- und Planungskosten zusammen (Nominalwerte). Sie enthalten die Werte der Planungsrunde 2017. Sie beinhalten sowohl die Bundesmittel als auch die Eigenmittel der DB AG sowie die Finanzierungsbeiträge Dritter und werden auf Grundlage der jährlich durch Vorstand und Aufsichtsrat genehmigten Unternehmensplanung der Eisenbahninfrastrukturunternehmen (DB Netz AG, DB Station & Service, DB Energie) eingestellt.

Die Höhe der Ausgaben für das Jahr 2018 wurde von der DB Netz AG übermittelt. Sie ist für die Gesamtzusammenstellung verantwortlich.

Folgende Abkürzungen werden verwendet:

ABS AusbaustreckeBf. Bahnhof
NBS NeubaustreckeHbf. Hauptbahnhof
ESTW Elektronisches StellwerkRbf. Rangierbahnhof
ETCS European Train Control System