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Parkendes Flugzeug

Quelle: Fotolie / potowizard

Allgemeinverfügung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur über ein Flugverbot für den südwestlichen Teil des Fluginformationsgebiets Jeddah (OEJD) vom 08.07.2019

1. Für Luftfahrzeugführer, Luftfahrtunternehmen und Luftfahrzeughalter

  • eines in der deutschen Luftfahrzeugrolle eingetragenen Luftfahrzeugs oder

  • eines anderen Luftfahrzeugs, für das die Bundesrepublik Deutschland die Verantwortung des Eintragungsstaats übernommen hat, oder

  • eines Luftfahrzeugs, welches in einem anderen Land registriert ist, aber unter einer deutschen Genehmigung nach § 20 Luftverkehrsgesetz (LuftVG) oder nach Maßgabe des Rechts der Europäischen Union eingesetzt wird,

werden alle fliegerischen Betätigungen (Ein-, Ab- und Überflüge) im südwestlichen Teil des Fluginformationsgebiets Jeddah (OEJD) im Grenzgebiet zu Jemen, entlang der Waypoints NISMI-NABAN-NOBSU-NETAS-N18°E48°- DCT N20°30’ E48° -DCT
AMBAL-DCT IMRAM -DCT BOXIL- DCT NISMI, befristet bis zum 06.10.2019 und unter dem Vorbehalt fortdauernder Überprüfung der Gefährdungslage, verboten.

2. Folgende Flüge im gesamten Fluginformationsgebiet Jeddah (OEJD) sind weiterhin zulässig:

  • Flüge, bei denen der Luftfahrzeugführer eine Notlage erklärt oder bei denen eine Notlage offensichtlich ist,

  • humanitäre Hilfsflüge, insbesondere Flüge mit kranken oder verletzten Personen, die sofortiger Hilfe bedürfen, einschließlich der Flüge, die zur lebenserhaltenden ärztlichen Versorgung von Kranken oder Verletzten dringend erforderlich sind.

3. Diese Allgemeinverfügung ergeht unter dem Vorbehalt des Widerrufs gemäß § 36 Absatz 2 Nummer 3 VwVfG.

Begründung

Die Allgemeinverfügung beruht auf § 26a Absatz 1 Satz 1 des LuftVG. Danach kann das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bei tatsächlichen Anhaltspunkten für eine erhebliche Gefährdung der Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen für in § 1a Absatz 1 LuftVG genannte Luftfahrzeuge auch außerhalb des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland für alle oder bestimmte Beförderungsarten ein Einflug-, Überflug- oder Startverbot verhängen, soweit keine völkerrechtlichen Verpflichtungen entgegenstehen.

Die Huthi-Milizen kontrollieren große Teile des Bürgerkriegslandes Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition wiederum unterstützt Jemens international anerkannte Regierung.

Der südwestliche Teil des FIR Jeddah (OEJD) liegt im Grenzgebiet zu Jemen. Seit Mai 2019, und insbesondere seit Ende Juni 2019, ist das Grenzgebiet zunehmend Ziel von Angriffen unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicle, „Drohnen“).

Im Unterschied zu früheren Drohnen-Angriffen im Grenzgebiet wird gegenwärtig auch die zivile Flughafeninfrastruktur gezielt angegriffen.

Die anfliegenden Drohnen werden mit Luftabwehrmaßnahmen bekämpft. Dabei kann es zu Gefährdungen durch Fehlbeschuss, Objektverwechslung sowie durch Trümmerflug (herabfallende Bruchstücke ballistischer Raketen oder Drohnen) kommen. Luftfahrzeuge am Boden sind einer besonderen Bedrohung ausgesetzt. Parallel finden weitere Angriffe im südwestlichen Sektor mittels ballistischer Waffensysteme und Artilleriebeschuss statt.

Es liegen mithin tatsächliche Anhaltspunkte für eine erhebliche Gefährdung der Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen deutscher Luftfahrtunternehmen bei Flügen im Fluginformationsgebiet Jeddah (OEJD) vor. Da die Vorschrift des § 26a Absatz 1 LuftVG auch zum Erlass eines Flugverbots außerhalb des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland ermächtigt, kann das BMVI deutschen Luftfahrzeugen den Ein-, Ab- und Überflug auch für das Fluginformationsgebiet Jeddah (OEJD) untersagen. Völkerrechtliche Verpflichtungen stehen nicht entgegen.

Der Erlass des Einflug-, Überflug- und Startverbots ist im Übrigen verhältnismäßig. Die Sperrung des südwestlichen Teils des saudi-arabischen Luftraums (OEJD) ist ein geeignetes Mittel, um der konkreten Gefahr für die Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen und damit auch für Leib und Leben der Besatzung und Passagiere an Bord von deutschen Luftfahrzeugen bei Ein-, Ab- und Überflug in dem o.g. Gefahrengebiet zu begegnen. Indem die von dem Verbot unter 1. betroffenen Luftfahrzeuge nicht mehr landen oder das genannte Gebiet überfliegen dürfen, wird von staatlicher Seite gewährleistet, dass weder die Betriebssicherheit deutscher Luftfahrzeuge gefährdet wird, noch Leib und Leben von Besatzung und Passagieren zu Schaden kommen.

Die Maßnahme ist auch erforderlich, weil kein anderes Mittel gleicher Eignung und Wirkung zur Verfügung steht, um den Schutz der Sicherheit des Luftverkehrs zu gewährleisten. Eine Empfehlung per NOTAM (notice to airmen), bei der allein das Luftfahrtunternehmen bzw. der Luftfahrzeugführer die Verantwortung für die körperliche Unversehrtheit der Besatzung und Passagiere sowie der Betriebssicherheit des Luftverkehrs trägt, ist aufgrund der konkreten Gefahr im vorliegenden Fall nicht in gleicher Weise geeignet, den drohenden Schaden abzuwenden.

Das Verbot ist auch verhältnismäßig im engeren Sinne. Aufgrund der mit der Maßnahme verbundenen Eingriffe in Rechte Dritter ist es angemessen, das Flugverbot auf 90 Tage, bis zum 06.10.2019, zu befristen und unter den Vorbehalt fortdauernder Überprüfung der Gefährdungslage zu stellen.

Bei der Abwägung der widerstreitenden Interessen kommt dem Schutz der allgemeinen Betriebssicherheit des Luftverkehrs im südwestlichen Teil des saudi-arabischen Luftraums ein besonderes Gewicht zu. Im Hinblick auf die dort stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen und das Wissen um den Einsatz von für den Luftverkehr gefährlichen Waffen gebietet die Schutzpflicht des Staates auch unter Berücksichtigung der durch ein Flugverbot betroffenen Grundrechte der Luftfahrtunternehmen ein staatliches Einschreiten. Da die körperliche Unversehrtheit und das Leben der Besatzung und Passagiere beim Ein-, Ab- und Überflug in und über einem Kriegsgebiet in erheblichem Maße gefährdet sind, ist es vorliegend gerechtfertigt, die Gewährleistung für den sicheren Betrieb des Luftfahrzeugs und den Schutz von Leib und Leben nicht allein in der Verantwortung des Luftfahrtunternehmens bzw. des Luftfahrzeugführers zu belassen, sondern durch ein staatliches Verbot sicherzustellen.

Auch die zugelassenen Ausnahmen von dem Flugverbot dienen der Wahrung des Verhältnismäßigkeitsprinzips. Die von dem Flugverbot ausgenommenen Flüge im Tenor zu 2. bezwecken die Abwehr akuter Notlagen bzw. die Durchführung humanitärer Maßnahmen. Für die zuerst genannten Fälle obliegt es weiterhin dem Luftfahrzeugführer, bei auftretenden Betriebsstörungen einen drohenden Schaden noch rechtzeitig durch entsprechende Notfallmaßnahmen, ggf. durch entsprechende Notlandungen, abzuwenden.

Gemäß § 26a Absatz 3 LuftVG entfällt die aufschiebende Wirkung des zulässigen Rechtsbehelfs.

Die Allgemeinverfügung erfolgt gemäß § 36 Absatz 2 Nummer 3 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) unter dem Vorbehalt des Widerrufs. Durch den Widerrufsvorbehalt wird sichergestellt, dass das BMVI zeitnah auf Situationsänderungen im Fluginformationsgebiet Jeddah (OEJD) reagieren kann und die belastende Wirkung der Allgemeinverfügung auf die notwendige Dauer beschränkt wird.

Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen diese Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage bei dem Verwaltungsgericht Berlin, Kirchstraße 7,10557 Berlin, erhoben werden.

Bonn, den 08.07.2019

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Abteilung Luftfahrt
LF 14/612.9/6-14

Im Auftrag

gezeichnet
Johann Friedrich Colsman