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Wie stark muss das Fundament für eine neue Brücke sein? Wie viel Stahl und Beton wird benötigt? Wie sieht der Zeitplan aus? Mit „Building Information Modeling“ (BIM) können Verwaltung, Planer und Bauschaffende digital vernetzt an solchen Fragen arbeiten und ihr Wissen miteinander teilen. Planen, Bauen und Betreiben eines Bauwerks werden so günstiger und effizienter.

Jetzt gibt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) der Digitalisierung mit dem Masterplan BIM einen weiteren Schub.

Gemäß Grundgesetz hat der Bund die Zuständigkeit für die Bundesfernstraßen (also Autobahnen und Bundesstraßen) aufgeteilt. Der wichtigste Schritt zur Reform wurde gemacht, indem zum 1. Januar 2021 der Autobahn GmbH des Bundes die Zuständigkeit für die Autobahnen übertragen wurde. Für die Bundesstraßen sind – bis auf wenige Ausnahmen – weiterhin die Länder zuständig. Sie planen, bauen, erhalten und betreiben in sogenannter Auftragsverwaltung.

Das „Building Information Modeling“ soll nun zum bundeseinheitlichen Standard für die technische Verwaltung aller Bundesfernstraßen werden. Der Masterplan basiert dabei auf Empfehlungen der Reformkommission Bau und dem Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“.

Bei BIM handelt es sich um eine kooperative Arbeitsmethode, bei der auf Basis digitaler Bauwerksmodelle die für ihren gesamten Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden. Auf diese Weise hat jeder der Projektbeteiligten immer die aktuelle Übersicht darüber, wer an welcher Stelle des Bauprojekts was genau plant und wann es (ein)gebaut wird. Dieses vernetzte Arbeiten erleichtert die Zusammenarbeit enorm. So können zum Beispiel die bei der Planung erstellten Unterlagen („Digitaler Zwilling“) für die Ausführung und den Betrieb durchgängig weitergenutzt werden, auch etwa bei späterer Verlegung von Abwasser-, Gas-, Strom- und Kommunikationsleitungen.

Der Masterplan zeigt den Weg und die Methodik zum Einsatz von BIM auf und will insbesondere:

  • Wirtschaftlichkeit und Kostenstabilität erhöhen,
  • Zeitpläne leichter einhaltbar machen,
  • Nachhaltigkeit stärken,
  • Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten verbessern,
  • Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen besser planbar machen, indem von realen Bauwerken digitale Abbilder („Digitale Zwillinge“) geschaffen werden und
  • verstärkt Künstliche Intelligenz bei Planungs- und Genehmigungsprozessen einsetzen.

Der Masterplan soll in drei Stufen eingeführt werden:

  • In der ersten Phase ab 2021 werden die Grundlagen geschaffen, damit BIM nach einheitlichen Standards eingeführt werden kann.
  • In der zweiten Phase wird BIM nach und nach in allen Niederlassungen und Standorten der Autobahn GmbH sowie bei den Ländern eingesetzt.
  • In der dritten Phase soll BIM bei allen neuen Projekten angewendet werden.

Um den Prozess zu erleichtern, hat das BMVI einen einheitlichen Rahmen erarbeitet: neue bundesweit einheitliche Rahmendokumente für die Projektbearbeitung mit BIM. Die Rahmendokumente sind nicht statisch, sondern werden sukzessive fortgeschrieben. Koordiniert wird die BIM-Implementierung in einer turnusmäßigen „Bund-Länder-Dienstbesprechung BIM“ sowie in einer speziell eingerichteten Lenkungsgruppe.