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Auto mit geöffnetem Kofferraum und Untersuchungsgeräten

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

RDE und WLTP

Da das Prüfverfahren NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) die normalen Betriebsbedingungen nicht adäquat abgebildet hat, hat sich Deutschland seit 2011 aktiv dafür eingesetzt, dass zukünftig die sogenannten „Real Driving Emission“-Tests (RDE), also Messungen der Realemissionen im normalen Fahrbetrieb auf der Straße, Anwendung finden. Diese treten schrittweise seit September 2017 in der EU verbindlich in Kraft. Mit RDE werden die Emissionen von Stickoxiden (NOx) und Partikelanzahl im Realbetrieb wirkungsvoll begrenzt.

Mit der weltweit harmonisierten Testprozedur zur Ermittlung der Abgasemissionen für leichte Kraftfahrzeuge (WLTP, Worldwide harmonised Light vehicle Test Procedure) wird seit September 2017 auch die Realitätsnähe der Kraftstoffverbrauchsangaben von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bei neuen Fahrzeugtypen erhöht. Für Erstzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeuge (N1 Gruppe I) ist die CO2-Angabe seit September 2018 auf WLTP basiert.

Anforderungen und Einführungszeitpunkte (RDE für NOx und WLTP) für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (N1 Gruppe 1):

BezeichnungMerkmalEinführung Neue Typen / NeuzulassungenAnmerkung
Euro 6 d temp

WLTP: 80mg/km

RDE CF1): 2,1

01.09.2017/
01.09.2018

01.09.2017 /
01.09.2019
Für Fahrzeuge der Kategorien N1 Gruppe II, III und N2 gelten die Termine jeweils 1 Jahr später
Euro 6d

WLTP: 80mg/km

RDE CF1): 1,0


01.01.2020/
01.01.2021
Für Fahrzeuge der Kategorien N1 Gruppe II, III und N2 gelten die Termine jeweils 1 Jahr später

1) CF: Konformitätsfaktor, d.h. der erlaubte Faktor, um den die Emissionen einer RDE-Fahrt auf der Straße vom Grenzwert 80 mg/km abweichen dürfen. CF von 1,0 bedeutet also, der Grenzwert von 80 mg/km auch auf der Straße gilt Zusätzlich berücksichtigt wird bei Euro 6d ein Aufschlag für Messtoleranzen von aktuell 0,43.
Die RDE-Anforderungen zur Kontrolle der Partikelemissionen gelten für die Erstzulassungen von Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (N1 Gruppe I) mit Dieselmotor sowie mit direkt einspritzendem Benzinmotor mit einem Konformitätsfaktor von 1,0 (zzgl. Messtoleranz) zu den gleichen Daten wie WLTP.

Die Vorschriften für das formale Zulassungsverfahren (z. B. Auswahl Prüfdienste) gelten unverändert.

Die Hersteller sind im Rahmen des EU-Zulassungsverfahrens weiterhin frei in der Auswahl des EU-Mitgliedstaates, wo sie die Zulassung durchführen möchten. Die Hersteller sind auch weiterhin frei in der Auswahl der dortigen durch die Aufsichtsbehörde zugelassenen Technischen Dienste. Messungen können sowohl auf zertifizierten Prüfständen der Hersteller als auch auf eigenen Prüfständen der Technische Dienste durchgeführt werden. Alle Messungen müssen im Beisein eines zugelassenen Technischen Dienstes stattfinden.

Davon unberührt bleiben die Überprüfungen, die das KBA mit eigener Technik vornimmt.

Durch die Vorfälle der vergangenen Jahre wurde bei der Überarbeitung der EU-Verordnung 2018/858 zur Typgenehmigung und Marktüberwachung von Kfz, Kfz-Anhängern sowie von Systemen, Bauteilen und selbständigen technischen Einheiten neben der Anpassung der Typgenehmigungsvorschriften auch ein besonderes Augenmerk auf die Ausweitung und Verschärfung der Marktüberwachung gelegt.

Alle Mitgliedstaaten werden zukünftig zu einer wirksamen Marktüberwachung von Kfz und deren Anhängern verpflichtet. Für die Durchführung dieser Aufgabe hat das KBA bereits vier eigene Prüfgeräte zur mobilen Emissionsmessung (PEMS) beschafft. Diese sind bereits im Einsatz. Ein eigenes Prüflabor mit zwei Abgasrollenprüfständen wird eingerichtet. Die Inbetriebnahme wird voraussichtlich Anfang 2020 erfolgen. Zudem entsteht ein Testgelände für eigene Prüffahrten auf der Landebahn des ehemaligen Bundeswehr-Flughafens in der Gemeinde Leck (Schleswig-Holstein). Die Umbauarbeiten wurden bereits abgeschlossen und eine Inbetriebnahme ist für Ende 2019 vorgesehen.

In dem Prüflabor und auf der Teststrecke wird das KBA künftig Kontrollen durchführen. Unangemeldet kontrolliert werden dabei Fahrzeuge direkt aus der Produktion oder Fahrzeuge von Leihwagenfirmen. Das KBA überprüft derzeit jährlich im Rahmen der Marktüberwachung rund 70 Fahrzeuge. In der Vergangenheit hatte das KBA für die Durchführung technischer Abgas-Kontrollen ausschließlich Technische Prüfdienste beauftragt. Der Aufbau eigener staatlicher Prüfstände wurde durch das BMVI als Reaktion auf die Probleme im Zusammenhang mit der Abgasthematik den VW-Abgasskandal veranlasst.

Weitere Informationen zu WLTP-Tests

Mit WLTP soll die Realitätsnähe der Kraftstoffverbrauchsangaben von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen erhöht werden. Der bei den Expertengruppen der Vereinten Nationen größtenteils unter deutschem Vorsitz entwickelte WLTP ersetzt den veralteten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Zudem wurden insbesondere die zugehörigen Laborprozeduren grundlegend überarbeitet und die heutigen Flexibilitäten für die Hersteller weitestgehend beseitigt. So wird zum Beispiel im WLTP der CO2-Wert fahrzeugspezifisch ermittelt, d. h. die individuelle Ausstattung des Fahrzeuges, wird berücksichtigt.

Der WLTP ist von den Automobilherstellern für Pkw-Fahrzeuge und Pkw-ähnliche leichte Nutzfahrzeuge (N1 der Gruppe I) bereits seit September 2017 zur Bestimmung der Schadstoff-, CO2- und Kraftstoffverbrauchsangaben, sowie der elektrischen Reichweiten von elektrifizierten Fahrzeugen verpflichtend im Rahmen des Genehmigungsprozesses für neue Fahrzeugtypen anzuwenden. Beginnend ab September 2018 gilt der WLTP schließlich auch für Neuzulassungen von Pkw-Fahrzeugen und Pkw-ähnliche Nutzfahrzeuge.

Mit dem WLTP soll es gelingen, die grundsätzlich bestehende Lücke zwischen den in der Typgenehmigung ermittelten Werten und den realen Kraftstoffverbräuchen weitest möglich zu schließen. Der reale Kraftstoffverbrauch wird aber auch weiterhin in nicht unerheblichem Maße durch individuelle Einflussfaktoren bestimmt werden, die in der Regel zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führen. Hierzu zählen u. a. die individuelle Nutzung des Kraftfahrzeugs sowie der individuelle Fahrstil.

Der WLTP ist weiterhin eine laborgestützte Prüfprozedur, da die CO2-Angaben, z.B. zu Zwecken der Steuergesetzgebung, robust und reproduzierbar sein müssen. Dieses wäre mit dem Konzept des RDE-Testverfahrens nicht möglich. Dort wird der Nachweis geführt wird, dass das Fahrzeug im normalen Straßenverkehr unter allen definierten Bedingungen die Emissionsvorgaben erfüllt, ein reproduzierbarer, repräsentativer CO2-Wert kann dabei nicht ermittelt werden.