Alle aktuellen Artikel Alle aktuellen Artikel
Lkw
Lkw

Quelle: BMVI

Seit dem 1. Januar 2017 können Lang-Lkw mit einer Länge von bis zu 25,25 m im streckenbezogenen Dauerbetrieb auf Basis des bestehenden Positivnetzes fahren. Dies bedeutet, dass Lang-Lkw nur auf den in einer Positivliste aufgeführten Strecken fahren dürfen. Die Bundesländer prüfen dazu kontinuierlich Streckenwünsche interessierter Unternehmen auf Eignung und melden diese an den Bund. Das Streckennetz wird auf dieser Grundlage regelmäßig vom BMVI aktualisiert. Dies erfolgt im Rahmen einer Änderungsverordnung.

Die Einsatzmöglichkeit des Lang-Lkw wurde zum 2. Oktober 2019 auf Wunsch der Bundesländer noch einmal ausgeweitet. Mit der an diesem Tag in Kraft getretenen Neunten Änderungsverordnung zum Lang-Lkw hat das Bundesverkehrsministerium (BMVI) weitere von den Bundesländern gemeldete Strecken in das mit Lang-Lkw befahrbare Positivnetz aufgenommen.

Gleichzeitig wird für neue Lang-Lkw die Ausstattung mit einem Abbiegeassistenten und mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten ab dem 01.07.2020 Pflicht. Ab dem 01.07.2022 ist die Ausrüstung für alle Lang-Lkw, d.h. auch für Bestandsfahrzeuge, auf deutschen Straßen verpflichtend. Eine angemessene Übergangsregelung war zur Nachrüstung der Bestandsfahrzeuge notwendig. Das Positivnetz ist inzwischen sehr umfangreich und schließt immer mehr Bereiche mit ein, in denen auch Radfahrende verkehren. Aufgrund der Länge der Fahrzeuge bzw. Fahrzeugkombination ist die Verkehrssicherheit von besonderer Bedeutung. Die neuen technischen Anforderungen für Lang-Lkw, die mit der Neunten Änderungsverordnung zur Änderung der Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge (LKWÜberlStVAusnV) verpflichtend vorgeschrieben werden, unterstützt die Fahrzeugführenden durch die Abbiegeassistenzsysteme und informiert Radfahrende durch die mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten über mögliche Gefahrensituationen. Diese Maßnahmen tragen sowohl dem innovativen Konzept der Lang-Lkw als auch der Verkehrssicherheit entsprechend Rechnung.

Weitere Neuerungen in der Neunten Änderungsverordnung betreffen vor allem das verlängerte Sattelkraftfahrzeug (Lang-Lkw Typ 1). Für diese Sattelkraftfahrzeuge soll ein flexibler Einsatz ermöglicht werden. Daher wurden unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheitsbelange für diesen Typ, der mit jetzt 17,88 m Länge deutlich kürzer als die übrigen Lang-Lkw Typen ist, einige Anforderungen gelockert. Unter anderem wurde für den Lang-Lkw Typ 1 das Überholverbot aufgehoben. Die Fahrer müssen nun auch nicht mehr dieselbe Berufserfahrung wie bei den übrigen Typen nachweisen.

Bis Ende 2016 war der Einsatz von Lang-Lkw in einem fünfjährigen Feldversuch getestet worden, bei dem die Chancen und Risiken dieser neuen Nutzfahrzeugkonzepte untersucht wurden. Aufgrund der positiven Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Feldversuchs durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hatte das BMVI zum 31.12.2016 die überwiegende Zahl der Lang-Lkw in den streckenbezogenen Dauerbetrieb überführt.

Wesentliche Ergebnisse des Berichts der Bundesanstalt für Straßenwesen sind:

  • Zwei Lang-Lkw-Fahrten ersetzen drei Fahrten mit herkömmlichen Lkw
  • Effizienzgewinne und Kraftstoffersparnisse zwischen 15 % und 25 %
  • Kein erhöhter Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur
  • Keine Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße

Die rechtliche Grundlage für den Verkehr mit Lang-Lkw bildet eine Ausnahme-Verordnung, die in regelmäßigen Abständen aktualisiert wird und neben den zugelassenen Strecken die wesentlichen Anforderungen an die Lang-Lkw enthält. Die Gewichtsbeschränkungen für Lkw bleiben unverändert bestehen.
Auch Lang-Lkw dürfen 40 Tonnen Gewicht bzw. 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr nicht überschreiten.

Das BMVI befürwortet einen grenzüberschreitenden Verkehr von Lang-Lkw auf der Grundlage bilateraler Abkommen und unter Beachtung der für Deutschland geltenden Rechtsanforderungen.

Zusatzregeln gibt es für einen Lang-Lkw Typ:

Der sog. verlängerte Sattelauflieger (Sattelkraftfahrzeug bis zu einer Gesamtlänge von 17,88 Metern) darf zunächst befristet für weitere sieben Jahre bis zum 31.12.2023 getestet werden.

Die Ausnahme-Verordnung:

  • regelt die Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge,
  • legt klare Vorgaben fest: Gesamtmasse bis maximal 40 Tonnen bzw. 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr,
  • verbietet den Transport unter anderem von flüssigen Ladungen in Großtanks mit Lang-Lkw,
  • setzt voraus, dass die Fahrzeuge oder Ladungsträger im Kombinierten Verkehr einsetzbar sind,
  • beinhaltet die zulässigen, von den Ländern gemeldeten Strecken für Fahrzeuge bis zu 25,25 m Länge, das sogenannte Positivnetz.
  • Die Fahrzeuge verkehren überwiegend auf dem Bundesfernstraßennetz.

Höchste Standards:

Die auf Grundlage der Ausnahme-Verordnung fahrenden Fahrzeuge entsprechen höchsten Sicherheitsstandards. Auch die Anforderungen an die Fahrer unterliegen strengen Vorgaben: Für die Lang-Lkw Typen 2-5 wird neben dem fünfjährigen Besitz der entsprechenden Fahrerlaubnis eine nachzuweisende fünfjährige Berufserfahrung verlangt. Voraussetzung für das Führen eines Lang-Lkw ist ein spezieller Einweisungslehrgang zum Lang-Lkw.

Zahlen und Fakten:

Der Feldversuch Lang-Lkw wurde im Januar 2012 mit 21 Unternehmen gestartet und wissenschaftlich von der BASt begleitet. Rechtliche Grundlage ist eine Ausnahme-Verordnung, die ursprünglich vom 1. Januar 2012 bis zum 31.12.2016 befristet war. Am Feldversuch beteiligten sich am Ende 13 Bundesländer und 60 Unternehmen mit 161 Lang-Lkw.

Herkömmliche Lkw mit Anhänger dürfen eine Länge von bis zu 18,75 Metern haben. Lang-Lkw können eine Länge von bis zu 25,25 Metern haben. Das Gewicht herkömmlicher Lkw kann bis zu 40 Tonnen, bzw. 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr betragen. Für den Lang-Lkw gelten die gleichen Gewichtsgrenzen.

Mögliche Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge
(Lang-Lkw)

Nach § 3 der LKWÜberlStVAusnV vom 19. Dezember 2011

1. Sattelzugmaschine mit Sattelanhänger (Sattelkraftfahrzeug) bis zu einer Gesamtlänge von 17,88 Metern (Typ 1, Zusatzregelung: darf befristet für weitere sieben Jahre bis zum 31.12.2023 eingesetzt werden)

Sattelzugmaschine mit Sattelanhänger (Sattelkraftfahrzeug) bis zu einer Gesamtlänge von 17,80 Metern
Typ 1: Verlängerter Sattelauflieger

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen

2. Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Typ 2 – Befristung aufgehoben)

Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern
Typ 2: Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen

3. Lastkraftwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Typ 3 – Aufhebung der Befristung)

Lastkraftwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern
Typ 3: Lastkraftwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen

4. Sattelkraftfahrzeug mit einem weiteren Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Typ 4 – Aufhebung der Befristung)

Sattelkraftfahrzeug mit einem weiteren Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern
Typ 4: Sattelkraftfahrzeug mit einem weiteren Sattelanhänger

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen

5. Lastkraftwagen mit einem Anhänger bis zu einer Gesamtlänge von 24,00 Metern (Typ 5 – Aufhebung der Befristung)

Lastkraftwagen mit einem Anhänger bis zu einer Gesamtlänge von 24,00 Metern
Typ 5: Lastkraftwagen mit einem Anhänger

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen