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Carla Seidel

Quelle: Carla Seidel

Von 1995 bis 2001 habe ich an der Technischen Universität Berlin Geodäsie studiert und das Studium als Diplom-Ingenieurin abgeschlossen. Direkt im Anschluss absolvierte ich bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin das technische Referendariat im Prüfungsausschuss „Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ (heute heißt diese „Geodäsie und Geoinformation“) mit den Schwerpunkten Raumordnung, Städtebau und Immobilienbewertung. 2003 schloss ich das Referendariat erfolgreich als Assessorin ab.

Von der Immobilienbewertung zum internationalen Immobilien-Research

Nach dem Referendariat arbeitete ich für unterschiedliche Unternehmen als Immobiliengutachterin mit dem Schwerpunkt Markt- und Beleihungswertermittlung in Deutschland und im europäischen Ausland. Ich absolvierte die HypZert-Prüfung und wurde nach erfolgreichem Final APC der Royal Institution of Charted Surveyors (RICS) zum Professional Member (MRICS) ernannt. Zudem habe ich an der European Business School (EBS) das Studium zum Real Estate Risk Manager abgelegt.

2009 wechselte ich als Immobiliengutachterin zur Berlin Hyp AG. Ab 2012 baute ich als Teamleiterin und seit 2014 als Abteilungsleiterin das Immobilienmarkt-Research auf. Zu meinen Aufgaben zählen Immobilienmarktanalysen zu diversen Nutzungsarten in Europa, die u.a. als Basis für strategische Entscheidungen des Managements dienen.

2014 wurde ich zum Fellow der Royal Institution of Chartered Surveyors (FRICS) ernannt.

Komplexe Aufgaben effizient lösen

Immobilienmarkt-Research vereint meiner Meinung nach vielfältige und spannende Themen, wie z.B. Immobilienwertermittlung, Eigentumssicherungssystem, Planungsrecht, Finanzmathematik, Investitionsrechnung, statistische Analysen, Portfolio-Optimierung sowie auch aktuelle volkswirtschaftliche Themen. Bei unseren Research-Analysen stellt insbesondere die adressatengerechte Aufbereitung auch komplexer Sachverhalte eine sehr reizvolle Herausforderung dar. Hier kann ich eine Vielzahl meiner erworbenen Fähigkeiten und Berufserfahrungen einbringen und profitiere auch sehr von meinem analytisch geprägten Ingenieursstudium. Ebenso habe ich das technische Referendariat als eine sehr lehr- und erfahrungsreiche Zeit empfunden. Hier konnte ich wichtige Erfahrungen hinsichtlich der effizienten und strukturierten Lösung von Fragestellungen sowie im Zeit- und Selbstmanagement sammeln und vertiefen.

Internationale Erfahrungen sammeln und Netzwerke aufbauen

Zu meinen Mit-Referendaren pflege ich nach wie vor einen engen Kontakt. Spannend ist dabei auch, dass wir uns beruflich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Das Referendariat stellt dabei eine solide Basis dar, auf die wir sehr gut aufbauen können. Nicht zuletzt schafft der gemeinsame Werdegang, insbesondere auch die gemeinsam absolvierte Prüfungszeit während des Referendariates, ein sehr festes und dauerhaftes Netzwerk. Halten Sie den Kontakt zu Studien- und Referendariatskollegen, denn auf dieses Netzwerk werden Sie viele Jahre zurückgreifen können.

Auslandsaufenthalte schätze ich ebenfalls als enorm wichtig ein. Ich selbst hatte durch ein Reisestipendium des Oberprüfungsamtes die Gelegenheit, Studienreisen nach China und Südafrika zu absolvieren. Zudem ermöglichte mir ein HypZert-Stipendium die Mitarbeit in einem Wertermittlungsbüro in Kuala Lumpur (Malaysia). Die dabei erworbenen persönlichen und fachlichen Erfahrungen möchte ich nicht missen. Und last but not least runden auch die dabei ausgebauten Sprachkenntnisse mein Berufsprofil ab.

Ich kann Referendarinnen und Referendaren sehr empfehlen, die Zeit des Referendariates aktiv zu nutzen, um auch über den Tellerrand zu schauen und herauszufinden, welche Anforderungen an potenzielle Berufsfelder geknüpft sind. Sammeln Sie Erfahrungen bei Praktika oder Auslandsaufenthalten, denn eine solche Gelegenheit ergibt sich im nachherigen Berufsleben mitunter nur schwer.

Das technische Referendariat genießt bei Geodäten einen hohen Stellenwert

Das technische Referendariat genießt nach meiner Erfahrung in der Vermessungsbranche einen sehr hohen Stellenwert, die Wahrnehmung in anderen (weniger „geodäsieaffinen“) Tätigkeitsfeldern, insbesondere in der privaten Wirtschaft, ist aber noch ausbaufähig.

Nach meiner Erfahrung ist das Know-how, das beim Referendariat vermittelt wird, sehr fundiert und umfasst ein weites Themenspektrum. Von meiner Entscheidung für das Referendariat profitiere ich persönlich noch heute. Insbesondere die sehr hohe fachliche Kompetenz, die Kenntnis von Verwaltungsverfahren und -strukturen, Raumordnung und Planungsrecht, Bodenordnung, der Überblick über den Aufbau bzw. die Systematik unseres Rechtssystems stellen für mich eine solide und fundierte Basis für meine beruflichen Aufgaben dar. Darauf kann man sehr gut aufbauen und sich auch in der Privatwirtschaft mit Mitbewerben messen.

Den Weg in die Privatwirtschaft einschlagen

Angehenden Referendaren möchte ich mit auf den Weg geben, sich frühzeitig auch in der Privatwirtschaft nach interessanten Berufsfeldern umzusehen. So kann z.B. ein Praktikum während des Referendariates nicht nur den eigenen Lebenslauf bereichern und damit die Berufschancen erhöhen, sondern zeigt auch mögliche, spannende Berufsperspektiven auf. In meiner Research-Abteilung habe ich sehr gute Erfahrungen mit Vermessungsreferendaren gemacht – so konnte ich z.B. einen neuen hochqualifizierten Mitarbeiter für das Feld Immobilienmarkt-Research begeistern und gewinnen.

Zugang zur RICS Deutschland für Vermessungsassessoren

Die RICS – The Royal Institution of Chartered Surveyors – ist eine 1868 in Großbritannien gegründete Berufsorganisation, die heute weltweit 118.000 Immobilienexperten repräsentiert. Als Leiterin der Professional Group Geomatics der RICS in Deutschland habe ich – in enger Zusammenarbeit mit dem Oberprüfungsamt und der RICS – den Direktzugang für Assessorinnen und Assessoren im Prüfungsausschuss ‚Geodäsie und Geoinformation‘ bzw. ‚Vermessungswesen‘ in die RICS Deutschland mit initiieren können. Dies ist der erste Direktzugang, den die RICS in Deutschland ermöglicht hat. Das bedeutet, Assessorinnen und Assesoren die das Zweite Staatsexamen beim Oberprüfungsamt abgelegt haben, können ohne zusätzliche RICS-Prüfung Mitglied der RICS (MRICS) werden. Dies ist ein großartiger Erfolg und unterstreicht nun auch innerhalb der international renommierten RICS die hohe Qualität des technischen Referendariates des Oberprüfungsamtes. Gleichzeitig stellt die Mitgliedschaft in der RICS als Professional Member (MRICS) für die Absolventen und Absolventinnen den Beleg für eine international anerkannte Zusatzqualifikation dar, die in der privaten Immobilienwirtschaft bekannt ist und wertgeschätzt wird. Assessorinnen und Assessoren haben damit leichter die Möglichkeit, sich in der privaten Wirtschaft zu etablieren und sich ein Netzwerk potenzieller Auftrag- und Arbeitgeber zu erschließen.

Fazit: Wer in der Immobilienwirtschaft Führungsaufgaben anstrebt – insbesondere verbunden mit der Möglichkeit, ohne Prüfung MRICS zu werden – dem ist das technische Referendariat sehr zu empfehlen.