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Bundesminister Andreas Scheuer im Interview

Quelle: BMVI

BILD fragte Verkehrsminister Andreas Scheuer (44, CSU): War der Dieselgipfel für die Tonne?

Nein, wir haben schließlich das ganze Land im Blick. Berlin hat ein öffentliches Straßennetz von 5452 Kilometern. Davon sind jetzt 15 Kilometer von möglichen Fahrverboten betroffen, also 0,27 Prozent. Glauben Sie mir: Die Berliner Luft ist nicht schlechter als die in Brüssel, Rom oder Athen. In Deutschland legt man aber oft die Messstationen an hochbelastete Verkehrsknotenpunkte. Und wir wundern uns, wenn die Werte so hoch sind.

Also Entwarnung für Berlin in Sachen Fahrverbote?

Im nächsten Frühjahr werden die aktuellen Messwerte für 2018 veröffentlicht. Selbst die Deutsche Umwelthilfe gibt zu, dass die Luft in der Hauptstadt in den letzten Jahren deutlich sauberer geworden ist - erstreitet aber trotzdem vor Gericht Fahrverbote, die sich auf alte Luftreinhaltepläne berufen. Das ist doch Irrsinn!

Die GroKo setzt auf Umtauschprämien für alte Diesel, die jeder Händler bis Juni ohnehin schon einräumte. Verarscht uns die Autoindustrie - und die Politik schaut zu?

Ich bin nicht der Sprecher der deutschen Autoindustrie. Aber ich erwarte von den Konzernen, dass sie jetzt zügig verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die Zusagen haben wir. Für 1,4 Mio. Diesel-Fahrzeuge sind das bei einer durchschnittlichen Umtauschprämie von 5000 Euro sieben Milliarden Euro. Das ist eine Menge Geld …

…aber bei 67 Mrd. Euro Reingewinn seit 2016 für die deutschen Autobauer wohl eher ein Trinkgeld…

Klar ist: Ich kann kein Gesetz erlassen, dass alte Diesel von der Straße zwingt, denn sie sind ganz legal auf den Straßen unterwegs. Unsere gemeinsamen Ziele sind: Erstens eine schnelle Flottenerneuerung. Zweitens die Zukunft des Diesel und die daran hängenden Arbeitsplätze sichern. Drittens Planungssicherheit für Dieselfahrer. Dafür stehe ich!

Was raten Sie Dieselfahrern, die es sich nicht leisten können, einen Neuwagen zu kaufen?

Nicht auf die Ideologen und Panikmacher reinfallen, sondern die neuen Luftwerte im Februar 2019 abwarten. Das könnte vieles positiv verändern.

Das Interview führten H.-J. Vehlewald und S. Voswinkel.