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Bundesminister Andreas Scheuer im Interview

Quelle: BMVI

Die Kinderreporter Paula, 12, und Lucan, 13, wollten von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, 44 (CSU), wissen, was er gegen unpünktliche Züge und für sicheres Radfahren tun will. Und wie wir in Zukunft unterwegs sein werden.

Dein Spiegel: Warum wird gerade so viel über Autos mit Diesel-Motor diskutiert?

Das Problem sind ältere Diesel-Modelle. Aus deren Auspuff kommt viel Stickoxid. Das ist ein Gas. Es kann Menschen krank machen, wenn sie große Mengen davon einatmen. Deshalb gibt es in Europa Regeln, wie viel davon höchstens in der Luft sein darf. Insgesamt ist die Luft in den letzten Jahren viel sauberer geworden. An manchen Straßen enthält sie aber noch immer mehr Schadstoffe als erlaubt.

Und deshalb dürfen alte Diesel-Autos da nicht mehr fahren ...

Genau. Ich möchte solche Verbote aber gern vermeiden. Mir wäre es lieber, wenn die Menschen mit guten Angeboten von den Autoherstellern modernere Autos kaufen, die weniger Abgase ausstoßen. Deshalb habe ich mit den Autofirmen geredet. Die haben versprochen, Fahrern alter Diesel-Autos Sonderangebote zu machen, wenn sie einen neuen Wagen kaufen. Eine andere Möglichkeit wäre, nachträglich Filter einzubauen, die die Abgase auffangen. Außerdem wollen wir mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen - die erzeugen keine Abgase.

Im Stau stehen aber auch moderne Autos. Muss es nicht vor allem weniger Autos geben?

Ja, das ist das Ziel. Aber jeder Bürger soll selbst entscheiden können, wie er unterwegs sein will. Ich werde niemanden zwingen, Rad oder Bus zu fahren.

Oft sitzt nur eine Person im Auto. Warum entwickelt das Verkehrsministerium nicht eine App, mit der Leute ganz leicht Fahrgemeinschaften organisieren können?

Gute Idee! So könnten genauso viele Menschen unterwegs sein, aber es gäbe viel weniger Verkehr. Wir entwickeln im Ministerium zwar keine Apps, aber wir unterstützen Firmen, die das tun. Ich glaube, dass die Menschen bald ganz anders entscheiden werden, wie sie von A nach B kommen.

Wie denn?

Heute ist es ja meist so: Wer morgens zur Arbeit muss, steigt aus Gewohnheit ins Auto. Unser Ziel ist, dass schon beim Frühstück eine App beispielsweise meldet: Mit der Regionalbahn und einem Leih-Elektro-Scooter für die letzten Meter geht es heute zehn Minuten schneller.

Züge sind oft unpünktlich. Wie wollen Sie das ändern?

Das stimmt leider. Deshalb geben wir so viel Geld für die Bahn aus wie noch nie. Damit werden etwa Stellwerke erneuert, in denen der Zugverkehr überwacht wird und Weichen gesteuert werden. Auf der neuen ICE-Strecke zwischen München und Berlin gibt es zum Beispiel schon moderne Technik. Dort sind neun von zehn Zügen pünktlich.

Warum fährt die Bahn nicht komplett mit Ökostrom?

ICE- und IC-Züge tun das schon, aber um alle Züge und alle Strecken umzustellen, brauchen wir noch etwas Zeit. Auf einigen Strecken fahren zum Beispiel noch Diesel-Lokomotiven. Da müssen wir erst einmal Oberleitungen bauen, die den Strom zur Lok leiten.

Haben Sie vor, etwas für die Sicherheit von Radfahrern zu tun?

Ja. Besonders schwere Unfälle passieren, wenn Lkw-Fahrer beim Abbiegen Radfahrer übersehen. Deshalb sollen Abbiege-Assistenten möglichst bald Pflicht werden. Das sind Kameras am Lkw, die den Fahrern einen besseren Überblick geben. Außerdem machen wir Kampagnen, damit Autofahrern klar wird, wie gefährlich es sein kann, wenn sie während der Fahrt am Handy oder Tablet rumspielen, statt auf Radfahrer und Fußgänger zu achten.

In Zukunft soll es selbstfahrende Autos geben. Passieren dann nicht mehr Unfälle?

Eben nicht! Neun von zehn Unfällen passieren, weil Menschen Fehler machen, meistens weil sie abgelenkt sind. Selbstfahrende Autos werden von Computern gesteuert. Die lassen sich nicht von klingelnden Handys irritieren.

Wie sind Sie selbst am liebsten unterwegs?

Von meiner Heimat in Bayern nach Berlin fliege ich meistens. Ich fahre auch sehr gern Bahn, da kann man unterwegs gut arbeiten. Aber besonders spannend finde ich neue Fahrzeuge. Heute Morgen habe ich zum Beispiel einen Tretroller mit Elektromotor ausprobiert. Im Sommer mache ich auch mal einen Ausflug mit einem ganz alten Auto, Baujahr 1959. Oldtimer sind meine Leidenschaft.

Das Interview führten Paula und Lucan.

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