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Bundesminister Andreas Scheuer im Interview

Quelle: BMVI

Kurzeitung: Sie haben kurz vor Weihnachten auf Gleis 5 des Passauer Hauptbahnhofs die neue Direktverbindung Berlin – Passau – Wien persönlich mit einer Ansprache begrüßt und den Zug abgefertigt. Welche Vorteile sind damit für Europas erfolgreichsten Kurort Bad Füssing verbunden?

Das war wirklich ein besonderer Termin, an den ich mich gerne erinnere. Auch einem Bundesverkehrsminister passiert es nicht jeden Tag, mit Kelle und Trillerpfeife grünes Licht zur Weiterfahrt eines ICEs zu geben. Die neue Direktanbindung hat der Region Passau mehr Mobilität gebracht. Die Anbindung ist deutlich besser – nur noch 2 Stunden und 15 Minuten nach Wien und nach Berlin in unter 5,5 Stunden. Das ist eine echte Alternative zum Auto.

Welche weiteren Verbesserungen der Anbindung des Rottaler Bäderdreiecks an große deutsche Städte beziehungsweise Bevölkerungszentren sind in der Planung?

Da haben wir gleich zwei große Bahnvorhaben: der Ausbau der Strecke München–Mühldorf–Freilassing und der Ausbau der Strecke Landshut–Plattling. Diese Projekte stärken die Region – verkehrstechnisch und wirtschaftlich – und sie verkürzen die Reisezeiten erheblich. Das ist eine gute Nachricht für alle, die schnell nach München oder in unsere einmalige Thermen- und Tourismusregion wollen. Und gleichzeitig verbessert das die Lebensqualität für jene, die hier wohnen und arbeiten.

Von der Schiene zur Straße: Sie haben bereits in der letzten Legislaturperiode als Staatssekretär im Verkehrsministerium wichtige Streckenabschnitte beziehungsweise Ausbauvorhaben der direkten und schnellen Verbindung von Bad Füssing nach München angestoßen. An den letzten Streckenabschnitten der A 94 wird gebaut. Wann wird es so weit sein, dass die Menschen aus dem Großraum München in einer Stunde nach Bad Füssing fahren können?

Die A 94 ist eines der wichtigsten Straßenbauprojekte im Freistaat und in Deutschland. Wir brauchen eine leistungsfähige Ost-West-Achse, also eine gute Anbindung nach München, nach Österreich und Tschechien. Und die Bauarbeiten kommen gut voran. Auf rund 84 Kilometern rollt bereits der Verkehr, weitere 39 Kilometer zwischen Pastetten und Dorfen sowie Kirchham sind im Bau. Fakt ist: Das Ende der Bauarbeiten ist in Sicht und neue Abschnitte will ich zügig angehen.

Von der Straße zum Luftverkehr: Welche Erleichterungen sind für Kurgäste geplant oder bereits umgesetzt, die am Flughafen Franz-Josef-Strauß in München ankommen und ins Bäderdreieck reisen wollen?

Tourismus ist ein wichtiger Faktor für die Region. Deshalb muss es gute Anbindungen geben – ob nun mit dem Auto, der Bahn oder auch dem Flugzeug. Im Verkehrsministerium haben wir stets die Kapazitäten im Blick. Schließlich wollen wir alle weniger Stau und Stress – und wir wollen entspannt ankommen und natürlich auch erholt nach Hause. Die neue Neufahrner Kurve ist die Schienenanbindung an den Münchner Flughafen – gerade eröffnet.

Herr Bundesminister, Sie setzen sich seit Jahren dafür ein, dass Reisen, ob mit Bahn, Straße oder Flugzeug, noch attraktiver wird. Wie kann dazu aus Ihrer Sicht die Digitalisierung – der technologische Wandel – beitragen? Sind konkrete Maßnahmenpakete vorgesehen?

Wie wir uns von A nach B bewegen, befindet sich im kompletten Umbruch. Vernetzte Verkehrsangebote und innovative Mobilitätskonzepte werden den Individualverkehr nachhaltig verändern, auch auf dem Land. Eine weitere Zukunftsvision wäre, dass mir eine App meldet: Heute geht es zehn Minuten schneller, wenn du erst mit der Regionalbahn und dann die letzten Meter mit einem Leih-Elektro-Scooter fährst. Für solche Ideen wollen wir mit den Ländern und Kommunen einen Think-Tank gründen. Wir bringen die Kommunen mit kompetenten Köpfen zusammen und schaffen eine Schwarmintelligenz für kreative Ideen und Best-Practice-Modelle.

Eine abschließende Frage: Welche Ihrer Zukunftsplanungen und welche Ihrer Zukunftsvorhaben werden die Anbindung von Bad Füssing sowie des Rottaler Bäderdreiecks insgesamt zusätzlich verbessern?

Die Mobilität der Zukunft ist in Bad Füssing angekommen. Mein Ministerium fördert Elektrobusse, die hier schon im Dauerbetrieb sind – in diesem Umfang übrigens einzigartig in Bayern. Bald könnten Taxis mit E-Antrieb, Carsharing-Angebote oder auch der Verleih von E-Bikes und Segways hinzukommen. Ich freue mich sehr, dass Bad Füssing vorangeht.

Herr Bundesminister Scheuer, herzlichen Dank für dieses Interview.

Das Interview führte Rudolf G. Maier.