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Quelle: BMVI

Private Mobilität stagniert, beruflich bedingte Mobilität steigt

Die Deutschen sind insgesamt weiterhin sehr mobil und haben im Jahr 2017 rd. 3,214 Mrd. km zurückgelegt, das sind 133 Mio. km oder 4% mehr als zum Zeitpunkt der letzten Erhebung Mobilität in Deutschland (MiD) im Jahr 2008. Die Verkehrsleistung ist damit in den Vorjahren im Mittel um rd. 0,5% pro Jahr angestiegen. Wesentliche Ursachen dafür waren die Zunahme der Bevölkerung und der Anstieg der Wirtschaftsleistung. Die Zahl der Erwerbstätigen z.B. nahm um rd. 8% zu.

Die MiD bietet mit ihrem umfangreichen Befragungsprogramm die Möglichkeit, die Strukturen und Trends der Mobilität sehr differenziert zu analysieren. So spiegelt die Auswertung der Verkehrszwecke die positive Entwicklung der Wirtschaft wider: Die beruflich bedingt zurückgelegte Wegstrecke - also zur Arbeit, zur Ausbildung oder dienstlich veranlasst - ist gegenüber 2008 um 13% angestiegen. Darunter ist die dienstlich veranlasste Wegstrecke mit 56% besonders stark angestiegen, gegenüber 2002 sogar um 80%. Dazu zählt z.B. der Verkehr von Handwerkern, Pflegediensten oder die Kurier- und Paketdienste. Gleichzeitig ist die im engeren Sinne privat veranlasste Wegstrecke leicht rückläufig, die zum Einkauf zurückgelegten Kilometer sind 18%, die für Freizeitzwecke um 7% niedriger als 2008.

Dies sind Ergebnisse des Anfang Oktober 2019 vorgelegten Zeitreihenberichts. Nach den vielzähligen bisherigen Veröffentlichungen zur Mobilität im Jahr 2017 fokussiert dieser Bericht auf die Entwicklung der Mobilität zwischen den MiD-Erhebungsjahren 2002, 2008 und 2017.

Grafik Entwicklung des Verkehrs nach Wegezwecken

Quelle: BMVI

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kompensiert höhere Verkehrsnachfrage – wichtige Mobilitätskennwerte nahezu unverändert, Veränderungen vor allem unter der Oberfläche
Zu dem genannten Verkehrsanstieg der Bevölkerung in Deutschland kommt der Verkehr von Verkehrsteilnehmern aus dem Ausland hinzu, der in der MiD nicht analysiert wird. Mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist es gelungen, den in der Summe beachtlichen Verkehrszuwachs insgesamt so zu kompensieren, dass die Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2017 nicht länger und auch nicht langsamer unterwegs ist. Im Jahr 2017 legte jede Person mit 39 km im Mittel einen Kilometer mehr zurück als im Jahr 2008. Hierfür war die deutsche Bevölkerung im Mittel 80 Minuten unterwegs, nur eine Minute länger als 2008. Über alle Verkehrsmittel hinweg waren sie hierbei mit 23 Kilometern pro Stunde unterwegs, einen Stundenkilometer schneller als 2008.

Ein beachtlicher Unterschied hingegen zeigt sich bei der Anzahl der zurückgelegten Wege. Sowohl pro Kopf und damit in der Summe aller Wege in Deutschland gibt es einen Rückgang. Der besonders starke Rückgang an Einkaufs- und Freizeitwegen bei gleichzeitig hohen Anteilswerten an Online-Einkäufen und Internetnutzung dürfte Folge des Einflusses der Digitalisierung auf das Einkaufs- und Freizeitverhalten sein. So ist gerade bei jungen Menschen der Rückgang der Wege besonders stark. Beim Einkaufsverkehr spielen sicherlich auch veränderte Standort- und Marktstrukturen eine Rolle.

Nur geringe Veränderungen der Verkehrsmittelanteile unterstreichen die Notwendigkeit der im Klimapaket vorgesehenen Maßnahmen
Die Verkehrsleistungen des Radverkehrs und des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sind stark angestiegen. Das ist vor allem in den Metropolen zu beobachten und deckt sich dort mit der Wahrnehmung der Bevölkerung. Gleichzeitig ist aber der Verkehr insgesamt und vor allem der motorisierte Individualverkehr (MIV) angestiegen. Der MIV hat im Jahr 2017 einen Anteil von drei Viertel an allen Personenkilometern. Im Verkehrsmittelmix gewinnt der öffentliche Nahverkehr leichte Anteile hinzu, vor allem die Anteile der Mitfahrenden im MIV ist hingegen rückläufig. Unter dem Strich hat sich die Verkehrsmittelwahl in Deutschland jedoch kaum verändert.

Grafik Entwicklung der Verkehrsmittelwahl (Modal Split)

Quelle: BMVI

Die im Klimapaket der Bundesregierung geplanten Maßnahmen sind entsprechend ausgerichtet. Einerseits sind gewaltige Steigerungen der Investitionen in die Bahn, den öffentlichen Nahverkehr und Ausbau der Radwege notwendig, um deren Bedeutung im Verkehrsmittelmix mittel- und vor allem langfristig zu erhöhen. Andererseits - bis diese so greifen können, dass sich die prägnante Dominanz des MIV auflöst - müssen parallel Lösungen zur Reduzierung der Emissionen im Straßenverkehr vorangetrieben werden, z.B. mit der Förderung der Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie.

Revision der Ergebnisse der MiD 2002 und 2008
Mit dem Zeitreihenbericht werden bisherige Ergebnisse für die Erhebungen 2002 und 2008 z.T. revidiert. Hiermit reagiert das BMVI auf verschiedene Anforderungen. Erst durch den Zensus 2011 wurde bekannt, dass die amtliche Einwohnerzahl in Deutschland in den vorherigen Erhebungsjahren erheblich überschätzt wurde. Für die MiD 2008 z.B. bedeutete dies, dass die Ergebnisse der damaligen Befragungsstichprobe auf eine um rd. 1,4 Mio. Einwohner überhöhte Einwohnerzahl hochgerechnet worden ist. Zudem gab es beachtliche methodische Weiterentwicklungen bei der MiD 2017, die deren Repräsentativität deutlich verbesserten.

Um die Ergebnisse der drei Erhebungszeitpunkte besser vergleichbar zu machen, hat das BMVI das Forschungsprojekt verlängert und die Auftragnehmer infas, DLR, IVT Research und infas360 beauftragt - soweit möglich - die Änderungen auf die Erhebungsdaten von 2002 und 2008 zu übertragen. Neben der Veröffentlichung dieser Ergebnisse im Zeitreihenbericht erfolgte eine Revision des Kurzberichts. Den wissenschaftlichen Nutzern der MiD werden auch revidierte Datensätze zur Auswertung angeboten. Das Vorgehen der Revision ist in dem Bericht „Methodische Erläuterungen zum Zeitreihenbericht“ dargestellt.